Auf der Suche nach der verlorenen Zeit…

Mit einer Tageskarte sind wir über Bern – Lausanne – Cossonay – La Sarraz nach Romainmôtier gefahren. Wir haben uns Zeit genommen, vom Bahnhof Croy aus zu Fuss nach Romainmôtier zu gehen. Dort haben wir uns die schöne, romanische Kirche, das «Schloss» von Katharina von Arx und das alte Städtchen angeschaut. Später sind wir mit dem Postauto über Orbe durch das weite, fruchtbare Waadtland nach Yverdon gefahren.

Yverdon – vor mehr als fünfzig Jahren habe ich mein Welschlandjahr dort verbracht. Und jetzt haben wir einen zweieinhalbstündigen Halt eingeschaltet; zum ersten Mal wieder, nach so vielen Jahren, gehe ich die Strasse vom Bahnhof gegen das Schloss zu. Die Kirche – die rue du milieu, die rue du four, die rue Roger de Guimps, es gibt sie alle noch. Die Avenue des Bains, an welcher ich damals wohnte – das ist noch ziemlich weit. Die ganze rue de la Pleine hinaus und dann stehe ich vor dem Haus, ja, ich erkenne es noch – aber – da wohnt niemand mehr darin, den ich noch kennen würde. Auf dem Rückweg kommen wir an der Bäckerei vorbei, in der wir uns hie und da an einem Sonntag ein Zwänzgerstückli geleistet haben – lang ist es her…

Was treibt uns dazu, Orte, die uns von früher bekannt sind, wieder zu besuchen? Ist es Nostalgie oder einfach der Wunsch, zu sehen, wie es jetzt ist? Gewiss sind Enttäuschungen nicht zu vermeiden. War da nicht ein bestimmter Baum, der jetzt fehlt, ein Haus, das völlig anders aussieht? Jemand lebt jahrzehntelang in einer Grossstadt – er oder sie kehrt zurück an den Ort seiner Kindheit und findet vieles – wenn nicht alles – verändert – welche Enttäuschung!

Das Wiederfinden eines Hauses – der Bäckerei – fördert plötzlich die vergessene Erinnerung an die Zwänzgerstückli wieder zu Tage. Wenn ich ein Glas Birnel aufmache, rieche ich intensiv den Geruch von anno dazumal als die Mutter auf dem Herd süssen Most zu Mosthung einkochte. – Wir befinden uns wohl immer wieder auf der «Suche nach der verlorenen (vergangenen, vergessenen) Zeit, und die Erfahrungen, dass sich nichts wiederholen lässt, machen wir allemal.

Els Morf

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