Die Welt in warmen Golde fliessen…

Ende August schon, und dieser Sommer, von dem man schon glaubte, es gebe ihn nicht mehr, dieser Sommer ist doch noch gekommen, und wie! Das Thermometer ist höher und höher geklettert und wir wärme- und sonnenungewohnten Menschen mussten, durften uns rasch umstellen. Die Gartenarbeiten werden auf den frühen Morgen verlegt, wer es sich leisten kann, macht am Nachmittag Siesta – am Abend lebt man wieder auf. In den Schwimmbädern gibt’s doch noch eine Saison, auch die Böötlifahrer auf der Thur kommen noch auf ihre Rechnung. Die Getreideernte kommt zügig voran, in kurzer Zeit stehen die Felder leer und rasch wird eine Gründüngung angesät, damit das blutte Feld nicht der brennenden Sonne ausgesetzt ist.

Welch ein gegensätzlicher Sommer! Bis über den längsten Tag hinaus war davon wenig zu spüren. Viele verregneten Feste. Die ersten «Open airs» sind im Schlamm und Dreck versunken – und waren trotzdem gut besucht. An Sommerveranstaltungen ist alles Erdenkliche zu haben… Open air-Musik, Open air-Kino, Wald- und Gartenfeste, Musikfeste, Sängerfeste, neuerdings ein Herdöpfel- und Hopfenfest. Nicht zu vergessen die verschiedenen «Street parades», die offenbar Leute aus allen Himmelsrichtungen anlocken und das «richtige Lebensgefühl» zu vermitteln vermögen.

Ja, und dann die andere Seite – Überschwemmungen, Menschen, die ihre Heimstätte verlassen müssen, deren Hab und Gut, deren Ernte überflutet wird. Unwetter auch in der Innerschweiz – Verwüstungen, deren Auswirkungen noch lange spürbar bleiben.

Nun werden die Tage merklich kürzer, Morgennebel meldet sich und es «herbstelet». «Nach Bartholome (24. August) öömdele», hiess eine alte Bauernregel. Der Wetterbericht kündigt einen Wetterumschlag mit Temperaturrückgang an. Ende des kurzen, intensiven Sommers? Oder vielleicht Übergang zu einem freundlichen «Altweibersommer» mit den im Morgentau glitzernden, kunstvollen Spinnennetzen? Eduard Mörike sagte im Gedicht «Septembermorgen»:

«Im Nebel ruhet noch die Welt
Noch träumen Wald und Wiesen
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt
in warmem Golde fliessen.»

Els Morf

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