Es gibt mehr Dinge…

Am 30. Dezember, etwa um 17 Uhr, es ist schon fast dunkel, gehe ich zum Hühnerstall, um zu schliessen. Ich höre ein aufgeregtes Gegacker und Geschimpfe aus dem Stall. Was ist los? Unser Güggel steht mit flatternden Flügeln mitten im Stall und ist nicht zu beruhigen. Vielleicht fehlt noch eine Henne? Oder ist ein Tier, ein Marder vielleicht, der Unruhe gebracht hat? — Ich lasse den Stall noch offen und gehe nach einer halben Stunde nochmals mit der Taschenlampe. Ein paar Hühner sitzen auf der Stange, zwei im Legekasten, vom Güggel ist nichts zu sehen. Ich leuchte in die Ecken, der Güggel ist nicht da. Seltsam. Draussen leuchte ich den ganzen Hühnerhof aus, da — ganz hinten in der Ecke zwischen dem Hühnerhaus und dem Hag sitzt er völlig zusammen geduckt in der Ecke. Was ist denn nur passiert? — Kein Hund, kein Marder — nichts. Mit einiger Mühe bringe ich den verschüchterten Güggel ins Hüsli zurück. Nun sind alle Hühner samt Güggel versorgt und im Stall. Das seltsame Benehmen unseres Hahnes gibt mir aber dennoch zu denken. — Spät abends, etwa um halb elf, sitze ich noch in der Stube und lese in einem Buch. Plötzlich ein Ruck — ein Rütteln — ein Knirschen in der Wand — Ruhe.

Sollte unser Güggel — ein dummes Federvieh — das Erdbeben im Voraus gespürt haben und deswegen so aufgeregt gewesen sein? Wie heisst es doch irgendwo: es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt.

Els Morf

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