Kräht der Hahn auf dem Mist…

Kaum ein zweites Thema ist so alltäglich, wird so viel besprochen und kann manchmal so grosse Auswirkungen haben, wie das Wetter. Das hat sich in diesem Jahr wieder einmal deutlich gezeigt. Dies hat mich veranlasst, im Witterungskalender meines Grossvaters zu blättern. Z.B. im Jahr 1860, das war vor 133 Jahren. Da steht: «Der Monat Januar war ein sehr nasser Monat, fast alle Tage Regen. Etwas weniger nass, aber ziemlich streng und mit viel Schnee war der Februar. Der März dagegen war ausserordentlich nass. Der April zeichnete sich durch seine rauhe, nasse, mit vielem Schneefall begleitete Witterung sehr unvorteilhaft aus, hingegen belebte der Monat Mai durch seine schöne und günstige Witterung die gesunkenen Hoffnungen wieder aufs neue, um jedoch von dem folgenden Monat Juni und noch mehr vom Juli wieder grösstenteils vernichtet zu werden. Auch die folgenden Monate August und September brachten keine bessere Witterung, so dass nur mit trübem Blicke dem kommenden Herbst entgegen gesehen werden kann. Der September allein hatte 14 Maass Niederschlag, auf den n… (wahrscheinlich m²) Land berechnet. Die erste Hälfte des Oktober war wieder sehr ungünstig und nass, hingegen brachte die zweite Hälfte noch ein kleines Nachsömmerchen, welchem auch zum grossen Theil zu verdanken ist, dass der Wein noch unter die Rubrik ‹brauchbar› gezeichnet werden konnte. Die erste Hälfte das November war sehr schön und trocken, hingegen war die zweite wieder ziemlich nass, veränderlich und unbeständig, sowie auch der Dezember wieder bedeutende Massen Schnee und Regen herunterschickte.

Kirschen gab es eine grosse Menge. Die Heuernte fiel in trockenen Wiesen günstig aus, die Getreideernte mittelmässig. Der Ernteertrag war ausserordentlich gering, besonders in nassen Wiesen gleich null. Übergehend zur Kartoffelernte muss leider bemerkt werden, dass dieselbe seit Menschengedenken noch nie geringer ausgefallen ist. An manchen Orten wurden aus ganzen Jucharten nicht mehr das Saatgut bezogen, indem durch die ausserordentliche Nässe sowohl die Entwicklung der Kartoffeln gehemmt als auch die noch vorhandenen durch die grosse Nässe im September zu Grunde gerichtet wurden und wenn nicht eine so grosse Menge aus dem Elsass und aus Deutschland per Eisenbahn eingeführt worden wäre, so wäre der Preis den sie hatten (5½ bis 6½ Fr.) noch weit höher gestiegen.

Obst gab es eine grosse Menge, ebenso Nüsse. Räben sind total missrathen. Mit dem Ansäen hatte man wegen der gossen Nässe besondere Mühe. Der Weinertrag war ein sehr geringer, sowohl in Quantität als besonders der Qualität nach, wenn man jedoch die Witterung dieses Sommers berücksichtigt, so muss man mit dem Ertrag noch zufrieden sein. Der Hafer brauchte von seiner Aussaat, 2. April, bis zu seiner Ernte, 3. September, 153 Tage.»

Ein «Rezept» für ein besonderes Barometer ist ebenfalls in diesem Witterungskalender notiert: «Eine Tasse Kaffee und Zucker als Barometer. Wenn man den Zucker zerschmelzen lässt, ohne die Flüssigkeit zu bewegen, so steigen die Luftbläschen, welche in dem Zucker enthalten sind, auf die Oberfläche der Flüssigkeit. Wenn die Bläschen eine schäumende Masse bilden, die sich ganz in der Mitte der Tasse hält, so ist dies eine Anzeige von schönem Wetter; wenn im Gegentheil der Schaum sich in der Form eines Ringes an den Rand der Tasse macht, so deutet dies auf starken Regen, wenn der Schaum zwar stille steht, aber nicht ganz in der Mitte der Tasse, so geht dies auf veränderlich, wenn er sich gegen einen einzelnen Punkt des Tassenrandes hinmacht, ohne sich aufzulösen, so ist auf Regen zu hoffen.»

Mein Experiment zeigte ungefähr die gleichen Effekte wie das bekannte: «Kräht der Hahn auf dem Mist, so ändert das Wetter oder es bleibt wie es ist.»

Els Morf

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