Schlafdörfer – wollen wir das?

Was ein Dorf ausmacht, wissen wir. Zum äusseren Bild gehören eine Kirche, ein Schulhaus, ein Gemeindehaus, ein oder mehrere Läden und Restaurants und eine Post. Natürlich gibt es (oder gab es früher) meist eine Bäckerei, eine Metzgerei, verschiedene Handwerker- und Bauernbetriebe.

Im Zuge des sogenannten Strukturwandels sind einige, viele, je nachdem, still und leise verschwunden. Wir nehmen dies, je nachdem, mit Protest, mit Bedauern, mit Resignation zur Kenntnis. «Irgendwie» gewöhnt man sich daran. Ändern können wir es doch nicht – wozu also die Aufregung?

An den Bahnhöfen sind die Schalteröffnungszeiten auf ein paar Stunden den pro Tag beschränkt. An Samstagen und Sonntagen sind ausser in der Stadt keine Bahnschalter mehr offen.

Und jetzt sind die Poststellen dran! Sparmassnahmen sind angesagt. Die «flächendeckende» Versorgung (was immer das heisst) wird zwar versprochen. Ob sich die Schreibtischtäter, die mit einem Federstrich da eine Post wegradieren oder in eine «Annahmestelle» umwandeln, bewusst sind, wieviel Eigenständigkeit einer Dorfgemeinschaft dadurch weggenommen wird? Unterschriften sammeln, protestieren, nützt es etwas? Sollen wir den Aufstand proben und einen Marsch nach Zürich oder Bern inszenieren? Muss denn immer mehr von den grossen Zentren aus dirigiert werden? Die angeblichen Einsparungen, die auf Kosten einer bestehenden Infrastruktur, der Allgemeinheit und der Arbeitsuchenden gemacht werden, müssen auf anderen Wegen wieder von den Steuerzahlern aufgebracht werden. Das Auseinanderklaffen zwischen immer höheren Kosten (Aufschläge bei der Paketpost) und entsprechend geringerer Dienstleistung (Streichung von Poststellen) ist schwer verständlich. Ich denke, wenn nur noch Rentabilität und sogenannte Effizienz unser öffentliches Leben bestimmen würde und wir als einzelne jede derartige Verfügung ohnmächtig akzeptieren müssten, dann wären (oder sind) wir tatsächlich arm dran.

Hier geht es nun wirklich um Lebensqualität. Wenn es gilt, solche Schlagworte umzusetzen, dann gehört eine funktionierende Post, nebst Laden und Milchhütte zur Grundversorgung in unserem Dorf. Was sind das für Dörfer, die keine Läden, keine Wirtschaften, keine Post nicht haben – Schlafdörfer – wollen wir das?

Els Morf

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