Wer hilft mr s Lied vom Thurtal singe…?

Die Landwirte, die ihr Getreide in die Sammelstelle (eine der grösseren in der Schweiz) bei der Station Thalheim liefern, können kaum mehr mit den Methoden des vorigen Jahrhunderts mit Sicheln und Sensen hantieren, um ihre Ernte einzubringen. Wie vieles hat sich nur schon in den letzten dreissig Jahren geändert. Als Illustration lasse ich den für viele sicher nostalgisch tönenden Text aus dem Prolog anlässlich der Turnhalleneinweihung 1964 folgen:

Wer hilft mr s Lied vom Thurtal singe,
vo dere Landschaft wo mer Häimet isch?

Mr gönd uf d Hööchi, gönd go luege
wie mer bis wyt is Tuurgi, bis ue in Ottoberg
de Blick frei händ, wie gägem Rande use
äi Hügelchette vor dr andere staat.
Morëënehügel won uf beede Syten em Taal
e Gränze gänd, dranobe wachsed Räbe,
wachst tanigs Holz, chasch di a Buechen und a Eiche freue.
Und dune s grauschwarz Band vom Fluss
won eusem Taal de Name git.—

De gseesch ekäi Fabrike, käi Rauch, nu Näbel
wo vo dr Tuur durue und gäge d Dörfer chüücht.
Und Wise, Äkker, wiits und offes Puureland
und das bruucht euseri Aarbet, eusi Chraft.
S bruucht Mane, wo si weered und wo schaffed,
s bruucht Fraue, wo strängs Wëërch nid schüüched.—

Lueg, d Sune schikkt di letschte Straale,
mr gseend, wie s Taal sich müed vom Taag a d Nacht hiigit.
Zwaar dunen uf de Straasse faared Auto,
da sured Töff und Moped umenand.
E Caravelle* suecht iren Wääg,
si flüügt duruse, gägem Tüütsche zue.—

Fyrabigzyt. Me hokket na es Wyli um de Stubetisch,
list d Zytig oder loset Radio.
Gredt wird nid brezys vill, me känt denand
und gsüessget Woort liged nid obenuuf.
Eso wirds Nacht und stilen i de Dörfer,
nu d Brüne ruusched, si singed ires eebig Lied.
Und d Gloggeschlëëg von Chiletürme won undertags
im Lëërmen und im Läbtig undergönd, die ghöörtmen iez
und wer nid schlaafe cha de loset druuf.
Und öppenäime, won am Taag luut fluechet
wird stilen und er bättet liis.—

Chunt dänn de Morge, mue si niemert psine
öbs Aarbet heig für in, gschwind use,
tifig uuf i d Sokke, dr Akker rüeft
und na vorane mues Fueter hëre für en Stall voll Vee.—

Und soo, im Wächsel vo de Jaareszyte
läbt eusers Taal und Akker und Eerde,
Suntig und Wëëchtig gänd is au hüt na de Toon
wo Schaffen und Fyre,
Läben und Stëërbe
druf uusgricht und abgstimt sind.

Els Morf

* ehemaliger Flugzeugtyp

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.