Nachgedacht: Sprayer

Wer von uns ist ihnen noch nie begegnet, den modernen «Wandmalereien». Sie sind überall zu finden, entlang von Bahnhofmauern, unter Brücken, in den Passagen, an öffentlichen Gebäuden. Ärgernis oder Belustigung hervorrufend, je nach dem Objekt das zur «Verschönerung» ausgesucht wird. Je nachdem auch, ob sich die (Übel-)Täter durch Farben, Gemälde, Schriften, mehr oder weniger böse, anstössige, oft auch träfe Aussprüche ausdrücken. Sicher sind solche Klecksereien oft ein Ventil für eine aufgestaute Wut. Vielleicht auch einfach das Bedürfnis eine langweilige, eintönige Mauer mit Farbe zu beleben.

Vor kurzem sind wir auf unserer Pilger-Wanderung von Märstetten-Sirnach in St. Margarethen vorbeigekommen. Wir haben in der St. Margaretha-Kapelle Halt gemacht, haben uns die Malerei über dem Chorbogen angeschaut. Die Kapelle wurde 1641 erbaut. Ein Pilgerbuch ist aufgelegt, in den Pilgerpass kommt ein neuer Stempel —–.

Auf etwas Besonderes werden wir aufmerksam gemacht: die Pilgerschranke. Im Kunstführer lesen wir: «Die Schranke hatte die Funktion, den schon damals kritzelnden Wallfahrern zwar den Zutritt zur Kapelle zu gestatten, aber das Beschreiben des ganzen Kirchenraumes zu verhindern. So beschränken sich die Pilgerinschriften weitgehend auf den kleinen Vorraum, wo wir eine Fülle von Namenszügen, Mono­grammen, Signeten, Jahrzahlen (z.B. 1645) und gar kleine Zeichnungen finden. Die Meisten sind mit dem Rötelstift aufgemalt. Deutlich lassen sich die eleganten Schriftzüge und Signete schreibkundiger Wallfahrer von den holprigen Zeichen Unkundiger unterscheiden, alle aber zeugen vom offensichtlich starken Willen der Pilger, die Stationen ihrer Wallfahrt als Beleg zu kennzeichnen.»

Das Bedürfnis Mauerwerk zu bekritzeln, sich darauf zu verewigen, war also schon vor 350 Jahren vorhanden. Und wir wundern uns über die modernen Sprayer …

Wir allerdings haben uns mit dem Pilgerbuch begnügt.

Els Morf

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