Kunsthandwerk: Brückenmodellbau

In Gütighausen, im Dachstock des Hauses in dem Peter Gysi wohnt, hat er in einer hauseigenen Ausstellung ein gutes Duzend Brückenmodelle, Baupläne und Fotos ausgestellt.

Die massstabgetreuen Modelle sind kleine Meisterwerke. Aus tausenden von selbst angefertigten Bauteilen sind die Modelle nach Originalbauplänen nachgebaut. Sie zeigen Holzgerüstbauten, die für den Bau der Eisenbahn- und Strassenbrücken erstellt wurden, Hilfsbauten, die jeweils nach der Fertigstellung der Brücken wieder abgebaut wurden.

Peter Gysi hat nach einer Schreinerlehre einige Zeit im Brückenbau gearbeitet und kennt den Brückenbau aus eigener Erfahrung. Heute ist er beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) als Vorarbeiter in der Abteilung Wasserbau im Abschnitt Stadt Winterthur bis Tössegg tätig. Er ist für die Pflege des Tössufers verantwortlich. Als Ausgleich zu seiner Arbeit im Freien, schätzt er die Beschäftigung mit dem Brückenmodellbau sehr.

Hier wird viel feinmotorisches Geschick verlangt, um all die unzähligen Bauteilchen herzustellen und zusammenzubauen. Für dieses Spezialgebiet des Modellbaus ist nicht nur grosses technisches Know-how erforderlich, sondern auch eine immense Geduld und Ausdauer.

Peter Gysi betont, dass alle seine Modelle nach den Originalbauplänen hergestellt sind. Das heisst die Modelle sind realistische Nachbildungen bestimmter Bauphasen – keine Phantasiegebilde.

Schon als Knabe interessierte sich Peter Gysi für Brücken. Zwischen 1955 und 58 als die Weinlandbrücke bei Andelfingen über die Thur gebaut wurde, die erste Grossbrücke im Spannbeton-Verfahren in der Schweiz, war er an vielen Sonntagen auf der Baustelle, um mitzuverfolgen, wie die Brücke entstand.

Brücken sind nicht nur faszinierende, technische Wunderwerke. Sie hatten vor Jahrhunderten und haben auch heute noch grosse Bedeutung. Sie sind wichtige Teile von Verkehrsverbindungen, die Menschen zusammenzuführen. Für Peter Gysi sind auch die den Brücken eigenen symbolischen Werte wichtig. Darum findet man im Ausstellungsraum auch eine Darstellung des heiligen Nepomuk. Die geschnitzte Figur des Brückenheiligen steht in der Nische des Kamins. Nepomuk wurde 1339 in Prag auf Befehl von König Wenzel in die Moldau geworfen, 1729 wurde er heilig gesprochen und ist seither Schutzpatron der Brückenbauer.

Als wir die Ausstellung anschauten war eben diese bekannte Prager-Brücke durch das Hochwasser gefährdet. Peter Gysi erzählte, dass er auch schon auf dieser Brücke gestanden und in die Moldau – den sonst so ruhigen Fluss – hinunter geschaut habe. Zum Glück hielt die Brücke auch diesmal den Fluten stand; vielleicht kann sie auf die Hilfe des heiligen Nepomuk zählen, der dort sein Denkmal hat, wer weiss.

Verschiedene Brückenmodelle von Peter Gysi waren schon an Ausstellungen zu sehen, z. B.: im Technorama. Es wurde auch in der Presse, da und dort schon über seine Modelle geschrieben. Wer sich näher interessiert und sehen möchte, was hier in jahrzentelanger Arbeit geschaffen wurde, kann sich bei ihm melden. Er ist gerne bereit, seine Ausstellung auf Anfrage hin zu zeigen.

Im Namen der Dorfposcht danken wir Peter Gysi und seiner Frau Annemarie für den Einblick in dieses besondere Kunsthandwerk.

cjo

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