Lesetipp: Gott hat 24 Zeitzonen geschaffen

Peter Decker ist Kommissar bei der Polizei von Los Angeles. Seine Ermittlungen führen ihn zu den unterschiedlichsten Leuten. So kreuzt er auch beim Vater eines Gesuchten auf, der seine Geschäfte von seinem King-Size-Bett aus dirigiert, umgeben von Papieren, zwei Laptops, mehreren Mobil- und einem Festnetztelefon sowie einem elektronischen Ticker; er begrüsst Decker mit dem Spruch: «Gott hat vierundzwanzig Zeitzonen geschaffen, damit es immer irgendwo eine Börse gibt, die es zu beobachten gilt».

Auch Nebenfiguren wie diesen Businessmann und sein museal eingerichtete Wohnung schildert Faye Kellerman in Ihrem Roman dermassen treffend, dass die Beziehung vor Vater zum Sohn ohne nähere Beschreibung erkennbar wird. Sie deckt vieles realistisch beschreibend auf. Kompliziert und spannend ist der Lauf der ganzen Geschichte.

Sie beginnt mit einem Anschlag auf die kleine Synagoge zu der Rina Lazarus und ihre Familie gehören. Neben Schmierereien und Sachbeschädigungen ist der Boden mit rassistischen Parolen und bisher unbekannten Fotos aus Konzentrationslagern übersät. Kommissar Decker, Rinas Mann, nimmt die Ermittlungen auf; für ihn ist es Alltagsarbeit. Schnell findet er den Schuldigen, Ernest Golding. Der junge stammt aus wohlhabendem Elternhaus und nach kurzem Leugner, gesteht er die Tat. Ernesto begründet den Anschlag mit dem Entsetzen über seinen Grossvater, der angeblich gar nicht jüdisch, sondern ein Nazi gewesen sein soll. Decker zweifelt zwar an dieser Erklärung, aber er sorgt dafür – die kalifornische. Gesetze machen dies möglich – dass die berufliche Zukunft von Ernesto nicht belastet wird.

Später wird Ernesto das Opfer eines Mordanschlags und Decker muss feststellen, dass sein Stiefsohn Jacob in den Fall verstrickt ist. Berufliches und Privates geraten ziemlich durcheinander. Decker versucht klar zu kommen mit seinen verschiedenen Rollen: Als Ermittler will er aufklären und die Mordserie stoppen, als Vater will er genau wissen, wie viel sein Stiefsohn weiss und als Ehemann will er seine Frau Rina beim Wiederherrichten der Synagoge tatkräftig unterstützen.

Marianne de Mestral

Faye Kellerman, Der Väter Fluch, C. Bertelsmann Verlag,
München 2002, 448 Seiten, 40.20 Franken

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