Leserbrief: Wohnen auf dem Lande

Schon bald ist der Sommer zu Ende. Für uns bedeutet dies, dass wir endlich wieder ein Stück Natur – den Thurabschnitt in Gütighausen – zurückerhalten. Zusammen mit dem warmen Wetter verschwinden nämlich auch wieder die zahlreichen Gäste von ausserhalb, die sich den Sommer hindurch bei uns an der Thur einige «schöne Momente» gönnen. Die grosse Frage ist nur, wie sich diese Leute zwischen all dem Dreck wohl fühlen, den sie hier regelmässig zurücklassen. Schliesslich kommen in der Regel ja die selben Leute wieder und sitzen dann zwischen ihrem eigenen Abfall!

Der grosszügige Anschlag am Thurparkplatz der illegales Ablagern von Abfall mit einer Busse von bis zu 20’000 Franken bestraft, wird von den Besuchern offensichtlich nicht wahrgenommen. Einerseits ist es erschreckend, dass diese massive Drohung die Leute nicht dazu bringt, ihren Unrat wieder mitzunehmen, im Gegenteil, bringen sie ihn absichtlich hierher. Andererseits erstaunt es auch wenig, denn schliesslich versagt schon deren gesunder Menschenverstand, der ihnen eigentlich ins Bewusstsein rufen sollte, was sie hier für eine «Sauerei» veranstalten. Wie gleichgültig müssen daher einzelne Menschen sein, dass sie die Natur derart geringschätzen.

Uns ist es inzwischen auf jeden Fall vergangen uns in den Sommermonaten an der Thur aufzuhalten. Wünscht sich unsere Tochter dennoch einmal einen Ausflug an die Thur, wird die Freude schnell getrübt. Die Autofahrer haben das Gefühl sie befänden sich auf einer Schnellstrasse. Da auch die Fahrverbote immer öfters missachtet werden, bringt es nichts, auf die Feldwege auszuweichen. Hat man die Thur dann endlich erreicht steigt einem ziemlich schnell der üble Geruch von Fäkalien in die Nase! Wenige Meter weiter liegen gebündelte Zeitungen im Gebüsch, überall sind Bierdosen, Flaschen, Batterien und sonstige Lebensmittelverpackungen verteilt. Die Leute scheuen sich auch nicht ganze Abfallsäcke, Matratzen, Teppiche, Computerteile, Rasenmäher, ausgediente Grills, etc. zurückzulassen. Will man sich am Ufer setzen, muss man bald zwischen all den Glasscherben ein «freies» Plätzchen suchen. Der Hund muss sowieso zu Hause bleiben, weil er sich ab der zahlreichen Scherben zu schnell einmal die Pfote aufschneidet.

Es ist traurig, zu sehen, wie sich sogar Kinder an dieser Schweinerei stören. Wir haben schon erlebt, wie ein fremdes Kind den Abfall, den es gefunden hat, auf einen Haufen zusammengetragen hat. Da bleibt nur die Hoffnung, dass sie im Erwachsenenalter die Natur besser respektieren werden. Es kann ja nicht Aufgabe unseres Gemeindearbeiters sein, den Abfall der Auswärtigen an unserer Thur zusammenzusuchen. Die Städter beklagen sich immer wieder über die Kosten die sie tragen für Kultureinrichtungen, Infrastruktur, Strassen, etc. von denen auch wir profitieren ohne uns an den Auslagen finanziell zu beteiligen. Als paradoxer Umkehrschluss: Wer beteiligt sich an den Kosten für das zusammensammeln und entsorgen des Abfalls an der Thur, den Schaden an der Natur und der verlorenen Lebensqualität derjenigen, die wirklich die Natur geniessen wollen?

Manuela Keller

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