Gedankenflug: Noah

Unter dem dichten Rebendach der Pergola lässt sich gemütlich Siesta machen. Ich liege da – irgendwo im Süden natürlich – in meinem bequemen Stuhl, schaue hinauf in die dunkelgrünen Blätter und die bereits mittelblauen Trauben. Bis dieser «Gedankenflug» bei unsern Leserinnen und Lesern ankommt, dürften sie wohl schon recht süss und bald reif sein zum Pflücken. Wohin ich auch schaue, hängen Trauben, Trauben, Trauben. Und diese vielen Früchte wachsen an nur zwei Rebstöcken! Die dicken knotigen Stämme lehnen an den Metallstreben, welche das Gitterdach tragen. Der kundige Mann, welcher die Reben pflegt, hat sie mit Weidenzweiglein aufgebunden – richtig alte Schule. Die Pergola ist vielleicht zwei Meter breit und zwölf Meter lang. Die beiden Rebstöcke liefern das ganze Dach – und im Dachhimmel über mir hängen bestimmt gegen zweihundert Kilogramm Trauben. Unvorstellbar was die beiden genügsamen Stöcke da hervorbringen. Sie sind zufrieden mit ausreichend Regen, viel Sonne und einem regelmässigen Schnitt.

Die Trauben begleiten uns Menschen sehr lange. Es soll schon in der Altsteinzeit etwa 100’000 Jahre vor Christus Trauben gegeben haben. Und Noah hat angeblich den ersten Weinstock gepflanzt. Belegt ist, dass die Ägypter Reben hatten, dass dann die Griechen und Römer die Kultur des Rebbaus weiterführten. Und von den Römern haben wir in unsern Breitengraden die Rebstöcke und die Kunst des Weinmachens übernommen. Eine lange Geschichte! Nicht umsonst gilt die Rebe als älteste Kulturpflanze der Menschheit.

Während ich so meine Gedanken der Geschichte der Trauben nachfliegen lasse, taucht auch die Frage auf, warum wir wohl unbedingt kernlose Trauben haben müssen. Klar, bequemer sind sie zum Essen. Und wir Menschen «optimieren» so manches Produkt aus der Natur, weil es uns gerade passt. Auf diese Weise haben wir auch die absolut stosssicheren und wochenlang haltbaren Tomaten bekommen! Sie lassen sich zwar gut transportieren und lange halten – doch schmecken tun sie nicht. Man könnte sie ja noch viereckig herstellen, dann liessen sich die Transportkisten besser ausnutzen. Wer sagt denn, dass wir unbedingt so etwas kaufen müssen?

Ursy Trösch

Übrigens: Die Ausstellung «Der atomare Zoo» im Technorama Winterthur, von der ich im letzten Gedankenflug geschrieben habe, ist noch zu sehen bis zum 19. August des kommenden Jahres, also bis 19.8.2007!

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