Gedankenflug: «Aprile gsprängt!»

«Aprile gsprängt – Aprile gsprängt …» – das haben wir als Kinder voller Freude gerufen, wenn jemand auf unsern Aprilscherz hereingefallen ist. Es waren harmlose Scherze damals, wir haben Vater einen Zettel an den Rücken geklebt mit irgendeinem blöden Wort oder Satz darauf. Oder wir haben um 17 Uhr zu Mutter gesagt, die Stubenuhr sei stehen geblieben und es sei schon 18 Uhr, Vater komme jeden Moment zum Essen – sie kam in die Sätze, weil das Nachtessen noch nicht bereit war. Zeitungen und Radio dachten sich da schon raffiniertere Witze aus am 1. April und trommelten manchmal Scharen von Hereingefallenen zusammen zum Treffen mit einer beliebten Prominenz, die dann natürlich nicht kam. Auch das harmlos.

Was es wohl heuer an Erstapril-Scherzen gibt? Einfach ist es ja nicht, einen wirklich guten Einfall für öffentliche Scherze zu haben. Die Medien konkurrieren auch in diesen Dingen. Doch immer wieder kann man sich wirklich freuen.

Freuen über eine lustige Geschichte oder eine originelle Idee – freuen aber auch und lachen über die Ungeschickten, die auf den Scherz hereingefallen sind. Die nicht bemerkt haben, dass sie hier jemand auf den Arm nimmt. Dem sagt man dann Schadenfreude.

Bist du manchmal schadenfreudig? Stellt man diese Frage, so beginnt der oder die Angesprochene sich meistens zu winden. «Nnnnnein – oder vielleicht manchmal, aber selten» lautet die Antwort. Wir wollen eigentlich nicht als schadenfreudige Menschen gelten. Wir empfinden Schadenfreude als eher peinliche Eigenschaft.

Doch wenn mich jemand so richtig sauer gemacht hat, beleidigt, verletzt oder ungerecht behandelt hat, dann will ich schadenfreudig sein dürfen, wenn ihm etwas Unangenehmes passiert – jawolll. Will mich so richtig weiden dürfen an seinem Ungeschick. Es muss sich ja nicht um eine wirklich tragische Sache handeln, sondern einfach um eine wunderbar unangenehme Peinlichkeit. Meine Schadenfreude gibt mir dann etwas von der Energie zurück, die ich vorher durch den Ärger über den gleichen Menschen verloren habe. In sofern habe ich für mich persönlich Schadenfreude zum manchmal absolut legalen und äusserst wirksamen «Heilmittel» erklärt. Bin ich deswegen ein schlechter Mensch? Vielleicht, aber nur ein ganz klein wenig.

Ursy Trösch

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