Gedankenflug: Farbe Grün

Am Tag, da ich diese Zeilen schreibe, ist es draussen noch recht weiss – eher braun dort, wo es nicht mehr weiss ist. Die Wiesen sehen müde aus, die Gräser gelb.

Gründonnerstag ist es, wenn diese Zeilen dann erscheinen. Und hoffentlich wirklich etwas grüner draussen in der Natur! Ein Tag, der bei mir unterschiedliche Kindheitserinnerungen weckt. In der Kirche (ich bin katholisch aufgewachsen) wurde feierlich des ersten Abendmahls gedacht. Das war eine ganz festliche Stunde mit wunderschöner Orgelmusik und viel Weihrauch. Komisch fand ich dann allerdings, dass der Pfarrer den Ministranten die Füsse wusch – im Angedenken an Jesus, der dasselbe bei seinen Aposteln getan haben soll. Ich war froh, war ich nicht Messdiener! An diesem Abend sind die Kirchenglocken verstummt bis zum Ostertag. Sie seien nach Rom geflogen, sagte man. Obwohl ich die Glocken oft nicht bewusst wahrnahm, hatte ich in den drei «stummen» Tagen das Gefühl eines lähmenden Schweigens. Zum Glück winkte danach der Osterhase …

Das Wort Gründonnerstag soll ursprünglich nicht mit der Farbe grün zusammenhängen, obwohl das nahe liegen könnte: es grünt ja zu dieser Jahreszeit. Die Frauen haben früher aus neun frischen Kräutern eine Gründonnerstagssuppe gekocht, welcher nach der Fastenzeit grosse Heilkraft zugeschrieben wurde.

Die häufigste Erklärung führt den Namen Gründonnerstag jedoch auf das alte Wort «greinen» zurück, was soviel wie weinen, klagen heisst (in meinem Basler Dialekt gibt es heute noch den Ausdruck «griine» für weinen). Es war also der «Greindonnerstag», der Tag, an dem die Kirche die weinenden Sünder wieder aufnahm. Es war aber auch der Tag, da die Zinsen fällig wurden – vielleicht auch ein Grund zum «greinen»!

Mag ja alles stimmen – doch ich verbinde den Gründonnerstag in Gedanken viel lieber mit dem neuen, frischen Grün, das draussen spriesst. Im Teller habe ich gern einen schönen Spinat, noch besser den zarten jungen Bärlauch aus dem nahen Wald. Und den am liebsten als einheimischen Pesto an italienischer Pasta. Womit wir wieder in Rom bei den Glocken wären.

Ursy Trösch

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