Bräuche: Der Berchtoldstag

Der Berchtoldstag am 2. Januar ist in der Mundart bekannt als «Bärzelitag». Er war schon in der mittelalterlichen Schweiz – obwohl kein kirchlicher Feiertag – ein wichtiger Masken- und Festtermin. «Berchten» oder «berchtelen» hiess früher so viel wie «heischen, verkleidet umziehen, schmausen» und beschrieb die Tätigkeiten an dem schon im frühen 15. Jahrhundert erwähnten «Berchtentag».

Für den Berchtoldstag gibt es in der Schweiz eine ganze Reihe von alternativen Bezeichnungen, die von Bechtle über Bechtelistag, Berchtelistag, Bärzelistag, Bechtelstag bis zu Bächtelistag reichen. Umgangssprachlich hat sich Bärzelistag aber durchgesetzt.

Woher der Brauch stammt ist und bleibt eine offene Frage. Es kursieren verschiedene Hypothesen. Wenn man die regionale Verteilung betrachtet, stellt man fest: «Gebächtelt» wird über das ganze Gebiet der Alemannen, vom Elsass über Südschwaben, bis zu den Alpen. Das «Bächtlefest» in Bad Saulgau, einer Stadt im Südosten des Bundeslandes Baden-Württemberg, ca. 40 km nordöstlich des Bodensees, ist urkundlich seit 1534 als Kinderfasnacht am 2. Januar bezeugt (später auf den Sommer verlegt), hat aber wahrscheinlich ältere Wurzeln. Im Kanton Zürich wird heute noch am 2. bzw. 3. Januar gebächtelt, in der Stadt Luzern am Sonntag nach Dreikönigen, im Thurgau am dritten Januar-Montag. Es gibt also keinen klaren Termin. Aber alle nennen es «Berchtelen» oder «Bächtelen».

Ihnen gemeinsam ist die Wurzel des Perchtens, also herumlaufen in wilden Masken, die man auch von den Krampusumzügen kennt. Diese Tradition wird jenen Landesteilen nachgesagt, in denen früher die Alemannen gelebt haben. Dieser Volksstamm war im bayrischen Raum, in der Schweiz und im heutigen Westösterreich beheimatet, weshalb in diesen Regionen auch das Perchten eine lange Tradition hat.

Im Zuge der Reformation vor bald 500 Jahren löschte die Kirche die Fasnacht und somit alle anderen Maskentraditionen in den Städten erfolgreich aus. In den reformierten ländlichen Gebieten, wo die Kirche nicht über die nötige Macht verfügte, dem Treiben ein Ende zu setzen, überlebten andere heidnische Volksbräuche – nicht zuletzt als geduldeter Gegenpol zur Fasnacht – noch lange.

Der Tag hat nichts mit einem heiligen Berchtold zu tun, den es im Heiligenkalender gar nicht gibt. Aber auch der vielbehauptete germanische Ursprung im Zusammenhang mit einer Göttin Berchta oder Perchta, angeblich der Frau Wotans, die in der Zeit der Rauh-nächte ihr Unwesen treibe und mit wilden Bräuchen gebannt werde, kann nicht schlüssig nachgewiesen werden.

Der Berchtoldstag war früher nur in den reformierten Kantonen arbeitsfrei, was den Schluss zulässt, dass dieser Tag als Gegenpol zu den entfallenen Heiligenfeiertagen eingeführt wurde. Andererseits steht das Perchten für traditionelle Neujahrsfeiern, die in der Schweiz, besonders in den Kantonen, in denen arbeitsfrei ist, durch den Berchtoldstag verlängert werden.

Am Berchtoldstag feiern die SchweizerInnen in Lokalen und die Perchten ziehen von Lokal zu Lokal und sorgen für gute Stimmung. Als Belohnung werden sie von den LokalbesitzerInnen mit traditioneller Kost versorgt, beispielsweise auch mit der Bächtelswurst.

Das Maskenlaufen am Berch-toldstag ist in einem grösseren volkskundlichen Zusammenhang zu sehen. Eng verwandt sind etwa das Appenzeller Silvesterklausen, das Nikolausbrauchtum im Berner Oberaargau und im Zürcher Oberland, sowie natürlich das Fasnachtsbrauchtum.

dg

Quellen:

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