Eingesandt: Verwalter Fritz Brunner-Balzer

Er war ein Verwalter, der alle Produkte annahm und weiter verkaufte, aber nicht immer mit Gewinn. Z.B. Kartoffeln, Äpfel, Zwetschgen, Pflaumen, Mirabellen, Bohnen, Tomaten, Kirschen etc. Dazu brauchte es gute Qualität, und das Erlesen der Produkte war nicht Sache vieler Bauern. Deshalb gab es immer wieder Reklamationen von den Abnehmern, was der Genossenschaft finanziell wehtat.

Fritz Brunner musste immer wieder Mischrechnungen machen, was wiederum einige Mitglieder nicht verstanden – er hatte einfach ein Herz für alle.


Die mechanische Werkstatt florierte anfänglich sehr gut. Erst der Maschinenhandel drückte trotz guter Mechaniker, die auch Lehrlinge ausbildeten, auf die Rendite, da einige Käufer auf Kredit kauften und zu lange nicht zahlten.


Auch die Ausleihe landwirtschaftlicher Maschinen war ein Defizitgeschäft, da es Bauern gab, die defekte Maschinen nicht meldeten, sondern einfach auf den Maschinenpark stellten – der nächste war dann der Geprellte.


Die Getreidemühle, die später im Haus von Fritz Brunner platziert wurde, erlebte guten Zuspruch. Erst als die Getreidesammelstelle gebaut wurde, ging die Rendite auch in diesem Bereich zurück.


Darum war die logische Folge: grosser Umsatz – geringe Rendite für die Genossenschaft – aber zufriedene Bauern.


Das war aber nach dem Ableben von Fritz Brunner 1987 zu Ende, als sich die Landwirtschaftliche Genossenschaft mit Rutschwil-Dägerlen zusammenschloss. Einige Landwirte machten nicht mehr mit und schlossen sich verschiedenen Genossenschaften der Umgebung an.


Das Fazit der ganzen Sache ist: Fritz Brunner hatte die Thalheim-Gütighauser Landwirte verwöhnt, er hatte ein zu gutes, weiches Herz. Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst die niemand kann.


Anfangs der 1950-er-Jahre konnte in Gütighausen von E. Friedrich das Bauernhaus gekauft werden, wo ein Laden mit Lagerraum und Wohnung entstand.


Der alte Laden in Thalheim bestand schon, als Fritz Brunner die Verwaltung 1948 übernahm.


Anfangs der 1960er-Jahre kaufte die Landwirtschaftliche Genossenschaft das Wohnhaus mit Oekonomiegebäude von Fritz Weidmann, der an der Güterzusammenlegung Land für eine Siedlung zugeteilt erhalten hatte. Auf diesem Grundstück zwischen Thurtal- und Oberdorfstrasse realisierte die Genossenschaft den neuen Laden mit Wohnungen und Büro. Der Umsatz in den zwei Läden ist erfreulich. Die Läden sind auch heute noch ein Ort, wo sich Alt und Jung begegnen.


Durch den Verkauf des Lagergebäudes und die Schliessung der Tankstelle geht ein weiterer Treffpunkt verloren.


Für mich ist das ein Gedankensprung: wo führen uns die Veränderungen noch hin, die bald schneller sind als die Gedanken? Was mich am meisten freut, ist, dass hier die WOLE altersgerechte Wohnungen baut und für uns Alte der Laden und die Bushaltestelle in der Nähe sind.


Köbi Benz, 18.2.2012

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