Gedankenflug: Wichtige Gespräche

Wenn ich an winterlichen Abenden zu Fuss nach Hause komme, ist es auf den letzten vierhundert Metern stockdunkel. Doch diese Dunkelheit hat auch ihre schöne Seite. In wolkenlosen Nächten, ganz besonders wenn Schnee liegt, geniesse ich bei uns an der Thur die Sicht hinauf an den Sternenhimmel. Da funkelt und leuchtet es wunderschön. Das war mir in den Jahren, da ich in der Stadt wohnte, nicht möglich. Die starken Lichter warfen eine Helligkeit an den Himmel, hinter der die Sterne verblassten. Lichtverschmutzung.

Es gibt auch Lärmverschmutzung. Wir sassen gemütlich beim Abendessen in der schönen Gaststube am Rhein. Das Essen schmeckte gut, der Wein war vorzüglich und der junge Kellner aufgeweckt und freundlich. Alles stimmte. Da kam eine kleine Gruppe herein – und es begann ein Gespräch über ein bevorstehendes Bankett. Was es für mögliche Menus gibt, was das alles kostet, bis wann die Bestellung fix sein müsse. Das wäre ja alles gut und recht, wenn nicht einer der Gesprächsteilnehmer eine sehr tragende Stimme gehabt und alles übertönt hätte. Der Abend war verdorben – wegen akustischer Umweltverschmutzung.


Von diesem angeregten, lauten Gespräch fliegen meine Gedanken weiter zu einem andern Phänomen unserer Zeit: Wichtige Gespräche führen wir manchmal nicht. Wir sind vernetzt und informiert wie nie zuvor. Dank Handy sind wir fast immer und fast überall erreichbar. Wenn wir wollen. Wenn wir es zulassen. Die totale Kommunikation ist Alltag geworden. Dass das Vorteile und Nachteile hat, brauche ich nicht auszuführen – das wissen wir alle. Doch wir sollten lernen, mit unsern modernen Kommunikationsmitteln so umzugehen, dass uns wohl ist dabei – auch das ist klar. Das Telefon kann man ausschalten oder einfach läuten lassen. Wir sind nicht die Sklaven dieser Geräte.


Was für mich viel problematischer ist: trotz der allgegenwärtigen Kommunikation reden viele von uns nicht mehr wirklich miteinander. Das beginnt bei kleinen, doch notwendigen Informationen. Ein Kollege sagt dem andern nicht mehr, wann er längere Zeit abwesend ist. Somit wird sich der andere auch keine Gedanken mehr machen, wenn er ihn nicht sieht. Die Beziehung verflacht. Oder ein anderer informiert seine Nachbarn nicht, wenn er ja gesagt hat zu einer Antenne für Mobiltelefone auf seinem Dach.


Miteinander reden würde viele Missverständnisse und Unstimmigkeiten gar nicht erst entstehen lassen. Weniger Kommunikation und mehr echte Gespräche – das wäre ein schöner Vorsatz im soeben begonnenen Jahr.


Ursy Trösch

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