Die Schlattwaldeiche im Winter 2020/21

Die Aufnahmen wurden am 15. Januar unmittelbar nach den starken Schneefällen gemacht. Schon beim Fotografieren fiel auf, dass unter der Eiche zwei dicke Äste lagen, abgebrochen infolge der schweren Schneelast. Ein Detailbild zeigt die Abbruchstellen genauer (rot markiert).

Vergleicht man Frühlings- und Winterbild, dann wird das Ausmass des Schadens auf der Nordseite der Krone offensichtlich. Gut zehn Prozent der Krone sind weg. Der grosse Doppelast mit einem Durchmesser von 37 Zentimetern an der Abbruchstelle (1) und einer Länge von 13 Metern riss wohl im Fallen einen Teil des unteren Astes (Abbruchstelle 2) mit. Dieser hat einen Durchmesser von 29 Zentimeter und eine Länge von zehn Metern.

Was sind die Folgen für den Baum?

Bei Eichen brechen bei einer solch aussergewöhnlichen Wetterlage, wie sie am 14./15. Januar 2021 herrschte, immer wieder einzelne starke Äste ab. Der Baum ist aber dadurch nicht gefährdet. Zwar werden in den nächsten drei bis fünf Jahren die Jahrringe etwas schmäler sein, weil wegen der etwas kleineren Krone auch etwas weniger Holz produziert werden wird. Der Baum wird aber schon im Frühling/Sommer dieses Jahres damit beginnen, die Krone wieder zu vergrössern. Aus sogenannten schlafenden Knospen an bestehenden Ästen bilden sich neue Äste.

An den Abbruchstellen bilden sich neue kleine Lebensräume für Insekten, die wiederum Nahrung für Vögel sind. Aber auch Pilze, Flechten und Moose siedeln sich an diesen Stellen an. Solche Bruchstellen spielen also eine wichtige positive Rolle innerhalb des Waldes (mehr dazu im Kapitel Biodiversität). An den Bruchstellen wird das Holz auch faulen. Da aber das Eichenholz durch die eingelagerten Gerbstoffe konserviert ist, kann sich die Fäule nicht gross ausbreiten. Der Hauptstamm mit seinem Holz von sehr guter Qualität ist somit nicht in Gefahr, an Wert zu verlieren.

Wir Menschen sehen die Bäume meist als etwas Statisches. Sie stehen Jahrzehnte bis Jahrhunderte fest verwurzelt an ihrem Platz. Die abgebrochenen Äste zeigen uns, dass es auch in einem Baumleben dynamische Momente und Gefahren gibt.

Alles Weitere zur Schlattwaldeiche finden sie auf www.schlattwaldeiche.ch.

Erich Oberholzer,
alt Kreisforstmeister Weinland

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