Interview: «Wir fanden hier unseren Fleck Heimat»

Steckbrief

Name: Conrado Weiss
Alter: 52
Wohnort: Wäniswis, Gütighausen
Beruf: Textilingenieur
Hobbys: Tennis, Fitness, Spaziergänge mit dem Hund

Conrado Weiss wohnt mit seiner Frau seit August 1997 in Gütighausen. Beruflich ist er sehr oft im Ausland unterwegs. Seine Kindheit verbrachte er in Chile. Welches waren seine Gründe, nach Gütighausen zu ziehen und wie fühlt man sich als Neuzuzüger in unserer Gemeinde?

Conrado Weiss, die wenigsten Leserinnen und Leser werden Sie kennen? Möchten Sie sich kurz vorstellen?

Ich wurde in Chile geboren, wo meine zwei Brüder und meine Schwester noch immer wohnen. Dort besuchte ich die deutsche Schule. Ich wurde zweisprachig (spanisch und deutsch) erzogen. Nach dem Abitur in Chile kam ich nach Deutschland und absolvierte dort an der Technischen Uni in Kaiserslautern das Studium als Textilingenieur. Im Jahre 1977 bin ich in die Schweiz gekommen. Hier arbeite ich seit Mai 2000 als Verkaufsingenieur für Textilwalzen in Pfäffikon ZH. Ich bin im Jahr ca. 15 Wochen im Ausland unterwegs, vor allem in Spanien, Portugal, Italien, aber auch in Südamerika – Mexiko, Argentinien, Chile. Ich bin verheiratet. Der Sohn meiner Frau aus erster Ehe ist bereits erwachsen und wohnt nicht mehr bei uns.

Ihr Arbeitsort hier in der Schweiz ist also Pfäffikon. Fahren Sie mit dem Auto dahin?

Ja, ich würde gerne mit dem Zug fahren, doch das ist viel zu umständlich, weil keine direkte Verbindung besteht.

Wo wohnten Sie bevor Sie nach Gütighausen kamen?

Mitten in der Stadt Winterthur, auf dem Neuwiesenzentrum. Dann kam der Wunsch, aufs Land zu ziehen. Zuerst wohnten wir dann drei Jahre in Iberg, bevor dann der Umzug hierher aktuell wurde.

Wie kamen Sie auf Gütighausen?

Das war reiner Zufall. Wir fuhren an einem Wochenende mit dem Auto durch Gütighausen. Meiner Frau fiel das neu erstellte Haus auf und sie bemerkte, dass die oberste Wohnung des Hauses offensichtlich noch unbewohnt war. Wir hielten kurz an und schauten uns um. Uns gefiel die Gegend, die Natur, die Wohnlage am Rande des Dorfes. So erkundigten wir uns auf der Gemeinde nach der besagten Wohnung. Es stellte sich heraus, dass tatsächlich noch eine Wohnung frei war. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als wir unser neues Zuhause erstmals besichtigten. Es war ein wunderschöner Tag, die Wohnung war von Licht und Sonne richtiggehend durchflutet. Es war traumhaft. So entschieden wir uns sehr schnell und erfüllten uns den Traum einer Eigentumswohnung.

War es also eher die Wohnung und nicht die Wohngemeinde, die Sie angesprochen hatte?

Ja, in erster Linie die Wohnung. Die Gegend war aber auch massgebend. Die Landschaft hier erinnert mich an die Ländereien in Chile. Hier ist es ruhig, weitläufig, offen. Auf der einen Seite das Gelände leicht aufsteigend mit super Wanderwegen, auf der anderen Seite die Thur. Wir verliebten uns regelrecht in diese Landschaft. Wenn ich jeweils aus einer stinkigen Grossstadt wie Mexiko City zurückkomme, ist es für mich eine totale Entspannung, nach Gütighausen zu kommen, die saubere Luft einzuatmen und die Ruhe zu geniessen. Im Übrigen ist der Wohnort eigentlich ideal. Es ist ein Katzensprung nach Andelfingen oder Winterthur.

Wie erleben Sie die Unterschiede zu Ihrem früheren Wohnort?

Ich denke da vor allem an die Tierwelt. In Winterthur habe ich doch nie ein Reh gesehen. Oder auch das Schauspiel der Bussarde, die in der Luft kreisen, das alles erlebt man auf dem Land ganz anders als in der Stadt. Aber es gehörte auch eine Umstellung dazu. Am Anfang war da die grosse Freude, aufs Land zu ziehen mit all den positiven Reizen. Dann stellten wir jedoch fest, dass auf dem Land auch gearbeitet wird. Die Landwirtschaft geht nicht immer lautlos zu und her. Daran hatten wir eigentlich nicht gedacht, doch die positiven Seiten überwiegen. Man kriegt hier Fleisch, Früchte oder Eier direkt vom Hof und auch das kleine Volg-Lädeli schätzen wir sehr. So brauchen wir am Wochenende nicht mit dem Auto einkaufen zu gehen.

Vermissen Sie etwas oder schätzen Sie etwas besonders?

Ja. Wir sind weit und breit die einzige Gemeinde ohne Kabel-TV. Das hat uns sehr erstaunt. Dann macht uns der Nebel auch hin und wieder zu schaffen. Man kann sich aber auch daran gewöhnen und wenn dann die Sonne so durch den Nebel hindurch scheint, ist es doppelt schön. Schade finden wir auch, dass die vielen schönen Dorfbrunnen im Winter abgestellt sind. Im Sommer spielt sich da Leben ab, die Kinder baden manchmal darin. Es gibt aber auch sehr viel Positives hier. Zum Beispiel schätzen wir es, dass die Strassen im Winter (dieser war zwar nicht sonderlich hart) am Morgen immer gepfadet sind.

Interessieren Sie sich auch für die Dorfpolitik?

Das interessiert mich schon, doch eher am Rande. Wir besuchen ab und zu eine Gemeindeversammlung. Die Gemeindenachrichten im Internet sehen wir uns aber regelmässig an und sind so immer auf dem neuesten Stand. Da stand ja auch geschrieben vom neuen Radweg nach Andelfingen. Das finden wir wirklich ein grosses Bedürfnis. Es ist ja kaum zu glauben, wie lange dieses Bauvorhaben bis zur Realisierung brauchte. Von der Dorfposcht sind wir regelrecht Fan. Wir freuen uns immer, wenn wir sie im Briefkasten vorfinden.

Suchen Sie auch Kontakte im Dorf?

Weil wir beide berufstätig sind, sind die Kontakte begrenzt. Wir haben ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis hier im Haus. Wir selber leben aber eher zurückgezogen, was nicht heisst, dass wir keine Kontakte wünschen. Wir unterhalten einen normalen Kontakt mit den Leuten, ohne dass wir uns regelmässig zum Festen oder so zusammensetzen.

Ich spüre, dass Sie sich hier zuhause fühlen. Möchten Sie also weiterhin hier bleiben und können Sie sich vorstellen, hier auch den Lebensabend zu verbringen?

Ja, wir haben hier unser schönes Fleckchen Heimat gefunden. Wir wollen hier sesshaft bleiben.

So hat sich für Sie der Umzug hierher aufs Land gelohnt. Conrado Weiss, vielen Dank für dieses Gespräch. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Frau, dass Sie die neue Heimat weiterhin geniessen können.

Marlies Schwarz

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