Gedankenflug: Trüb, feucht und nebelverhangen…

Trüb, feucht und nebelverhangen legt sich der November auf das Land und auf unsere Seele. Ganz unverhofft reisst dann und wann die graue Decke auf. Die Sonne, wenn auch etwas bleich aber doch strahlend hell, scheint auf die abgeernteten Felder und die gelbbraunen Wälder. Und schon sieht die Welt anders aus. Das tut auch unserer nebligen Seele gut.

Vor ein paar Tagen ein Anruf, eine unbekannte Männerstimme: er wolle sich – leider mit Verspätung – bedanken für die Rücksendung von Unterlagen an Frau XY. Leider lebe sie nicht mehr. Er – ihr Lebenspartner – und sie hätten einen Unfall gehabt vor drei Monaten. Ihr Wagen war wegen eines geplatzten Reifens von der Fahrbahn abgekommen und in einen Weiher gestürzt (ausgerechnet da war ein Weiher!). Er habe schwer verletzt überlebt, sie sei im Auto ertrunken.

Die Stimme des Mannes tönt erschöpft, traurig, abgekämpft, seine Seele liegt unter dichtem Nebel. Ich kenne ihn nicht, und ich hatte auch seine Partnerin nicht persönlich gekannt. Wir waren nur brieflich in beruflichem Kontakt gestanden. Kam hinzu, dass ich im Moment seines Anrufs bis zum Hals in dringender Arbeit steckte und eigentlich keine zwei Minuten Zeit hatte. Doch irgendetwas liess mich am Telefon bleiben, drängte mich, mit dem Mann zu reden, ihm zu sagen, wie sehr mich seine Geschichte gerade jetzt getroffen hat, und dass ich völlig hilflos bin und ihm eigentlich nichts Aufmunterndes sagen kann. Nichts! Was denn schon? Er solle es nicht so schwarz sehen? Er solle ans Leben glauben? Alles Quatsch. Das nützt nichts in solchen Momenten. Nein, ich konnte ihm verdammt nochmal nichts anbieten – ausser ihm zuzuhören und noch etwas länger am Telephon zu bleiben.

Wenige Tage später bedankte er sich mit einer Karte dafür, dass ich mit ihm gesprochen hatte. So wenig hat es gebraucht, um seinen Nebel etwas zu lichten und einen kleinen Sonnenstrahl durchs Telefon zu schicken. Oder wie er schreibt: einen Lichtstrahl in seinen dunklen Tunnel. Wir sollten das öfters wagen.

Ursy Trösch

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.