Gedankenflug: Kirchenglocken ziehen mich in ihren Bann

Kirchenglocken ziehen mich in ihren Bann. Ganz besonders am Silvester, da haben die Glocken eine besondere Bedeutung für mich, wenn sie das alte Jahr ausläuten und das neue Jahr einläuten. Ich habe immer an einem Ort gelebt, wo – manchmal sogar von mehreren Türmen – die Glocken majestätisch geläutet haben.

Seit ich in Gütighausen wohne, fehlen mir die Kirchenglocken. Ich liebe zwar die Kuhglocken, die von den Nachbarweiden zu uns herübertönen. Und die kleine Schulhausglocke ist im Vergleich zu grossen Kirchenglocken ein wenig «schwach auf der Brust». Jedes Jahr beim Jahreswechsel am Silvester versuchte ich von irgendwo her ein paar Glockenklänge zu erhaschen. Wenn der Wind günstig war, wehte er noch schwache Töne von Thalheim her bis zu uns.

Ich tröstete mich dann ein wenig mit den «Silvesterglocken» von Charles Dickens. Das ist ein stimmungsvolles und etwas unheimliches Märchen von Glocken, die ein altes Jahr aus- und ein neues Jahr einläuten.

Letztes Jahr nun – was hörte ich da in der Silvesternacht? Kurz vor Mitternacht begann unser kleines Schulhausglöckchen zu bimmeln, standhaft und tapfer bis knapp vor Mitternacht. Das alte Jahr war ausgeläutet. Und wenige Sekunden später setzte es erneut ein und läutete lang und ausdauernd das neue Jahr 2004 ein. Eingewickelt in dicke Jacken standen wir mit unserm Champagner auf der Terrasse und freuten uns über unser Gütighauser Schulhausglöcklein. Ganz gerührt hörten wir ihm zu. Im Innern habe ich mich beim Glöcklein entschuldigt dafür, dass ich seinen Ton stets etwas schwächlich gefunden habe. In diesem Moment war es für mich die grösste Glocke!

Zu verdanken haben wir das Läuten zum Jahreswechsel den neuen Eigentümern des Schulhauses. Seit vier Jahren wohnen hier ja der Maler Michael Wyss und seine Partnerin, die zartgliedrige «Wölfin» (sie heisst Vukosava Milatovic, und Vukosava ist die weibliche Form von Wolfgang). Sie war es, welche die Idee für das Silvestergeläut hatte. Und sie hat auch unseren Turmuhr-Fachmann (welches Dorf hat das schon!) Gustav Gutknecht gebeten, die Schulhausglocke zum Jahreswechsel zum Klingen zu bringen. Als ich unser Glöcklein kürzlich ansehen durfte im Glockenstuhl oben, konnte ich feststellen, dass es so klein gar nicht ist – und dass es mächtig tönt, wenn man gleich darunter steht.

Ich freue mich schon auf sein Läuten am 31. Dezember um Mitternacht. Am schönsten wäre natürlich, wenn in diesen paar Minuten keine Knaller und Raketen das Glöcklein stören würden.

Ursy Trösch

In eigener Sache: 48 Seiten stark

Liebe Leserinnen und Leser

So eine dicke Dorfposcht hatte es noch nie gegeben! Satte 48 Seiten sind es geworden, und das verrückte daran – es hatte nicht mal alles Platz! Da wir aber aus technischen Gründen immer vier Seiten dazufügen müssen, fehlt dann doch das Material für 52 Seiten.

Mir ist aufgefallen, dass in letzter Zeit die Anzeigen immer grösser werden, sprich eine ganze Seite benötigen. Wir freuen uns selbstverständlich für die regen Einsendungen, aber sie machen uns das Planen etwas schwer. Deshalb meine grosse Bitte: Wenn Sie in Zukunft eine grosse Anzeige planen, so sollte uns diese Anzeige entweder rechtzeitig zum Redaktionsschluss erreichen, oder Sie melden es uns vorgängig. So haben wir genug Zeit, um etwelche Füller zu organisieren.

Nochmals allen Berichtschreibern ein herzliches Dankeschön und schon jetzt eine ruhige Weihnachtszeit und einen wunderschönen Start im neuen Jahr.

für die Redaktion
Erich Bucher

Veranstaltungen: Daten vom November 2004 bis Februar 2005

November 2004

Fr 26. Erscheinungsdatum der Dorfposcht Nr. 78
So 28. Abstimmung, Konzert zum 1. Advent, 17.00 Uhr, Kirche Altikon, Akkordeonorchester Winterthur
Di 30. Kirchgemeindeversammlung der Kath. Kirchgemeinde, um 20.15 im Pfarreizentrum Wiesendangen

Dezember 2004

Sa 01. Sonderabfall-Entsorgung, Gemeinde
Sa 04. Chlausabend, Männerriege
So 05. 2. Advent, ab 10.30 Uhr Jazz-Matinee im Restaurant Kreuzstrasse Altikon
Di 07. Chlaushock, Gemischter Chor
Fr 10. Budgetgemeindeversammlung
So 12. 3. Advent, 10.30 Uhr Konzert der Roland Fink Singers, in der Kirche Altikon
So 12. Abendgottesdienst um 20 Uhr in der Kirche Thalheim
Do 16. Seniorennachmittag um 14 Uhr, im Zentrum Oberwies Seuzach
So 19. Sonntagschulweihnacht um 19.30 Uhr in der Kirche Thalheim
So 19. 4. Advent, um 17 Uhr Krippenspiel in der kath. Kirche Seuzach
Mi 22. Fiire mit de Chliine um 16 Uhr in der Kirche Thalheim
Mi 22. Schulsilvester, Schule Andelfingen
Do 23. Schulsilvester, Primarschule Thalheim
Fr 24. Heiligabend, Beginn der Weihnachtsferien (Schule)
Fr 24. Christmette, um 22.30 Uhr in der kath. Kirche Seuzach
Fr 24. Christnachtfeier, um 22.30 Uhr in der Kirche Altikon
Sa 25. Weihnachten, Weihnachtsgottesdienst um 10.15 Uhr in der Kirche Thalheim
So 26. Stefanstag
Fr 31. Silvester, um 20 Uhr Silvester-Gottesdienst in der Kirche Thalheim

Januar 2005

Sa 01. Abendunterhaltung des Turnvereines
So 02. Familiengottesdienst um 10 Uhr mit Aussendung der Sternsinger, kath. Pfarreizentrum Seuzach
Sa 08. Abendunterhaltung des Gemischten Chores
Di 11. Gemütliches Beisammensein mit Kaffee und Kuchen, 14 Uhr im Chiletreff Thalheim
Mi 12. Redaktionsschluss der Dorfposcht Nr. 79
Sa 15. Jugi- und Mädchenriegen-Skitag
Di 18. Filmnachmittag, um 14 Uhr im Begegnungsraum Altikon
Fr 28. Erscheinungsdatum der Dorfposcht Nr. 80
Sa 29. Ski-Weekend, TV und Schützenverein

Februar 2005

Fr 11. Generalversammlung des Turnvereines
Fr 11. Generalversammlung des Dorfvereines

Wohnhaft in Gütighausen: Theater BÜ

Das Theater BÜ ist im Jahr 1999 von Agnes Bühlmann, Schauspielerin und Roli Graff, Musiker, Theaterdarsteller und Techniker, gegründet worden und ist seit dem 1. April 2004 in Gütighausen ansässig.

Am Sonntag, 5. Dezember 2004 findet ein Jazz-Matinee-Brunch im Restaurant Kreuzstrasse, ab 10.30 Uhr in 8479 Altikon statt.

Eintritt frei: Brunch à Discrétion 18 Franken, Kinder bis sechs Jahre gratis, bis 16 Jahre 10 Franken, Reservation Tel. 052 336 12 17.

Übrigens: ab 1. Dezember 2004 bietet das Restaurant Kreuzstrasse Fondüs an: 7 verschiedene Käsefondüs, Fondü Bourgignon und Chinoise und dies mit Voranmeldung zu jeder Tageszeit.

Die Swiss Street Jazz Company wurde im Jahr 2003 von einer Gruppe angefressener, professioneller Musiker ins Leben gerufen. Ihr Ziel war, trotz grosser Besetzung, qualitativ hoher New Orleans Jazz, Dixieland und Blues zu interpretieren. Die Swiss Street Jazz Company spielt ohne Verstärkeranlage und ist somit, betreffend der Spielorte, beweglich.

Agnes Bühlmann und Roli Graff, Mitteldorfstrasse 10, 8409 Gütighausen

Esoterik: Die Hexenfeste

Beltane: Beltane, besser bekannt als Waldpurgisnacht, findet am ersten Mai statt, dem Beginn des Hexensommers. Für viele Hexen das wichtigste Hexenfest des Jahres. Einige feiern es in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, andere an Vollmond nach Ostara. Der Gott und die Göttin bereiten sich auf ihre heilige Hochzeit vor. Früher wurde das Vieh der Bauern durchs Feuer zur Reinigung getrieben. In der Nacht läuteten im ganzen Land die Kirchenglocken und die Männer zogen mit knallenden Peitschen durch die Stadt und vertrieben somit die bösen Geister. Die Kirche versuchte immer wieder, gegen dieses Fest anzugehen, aber es hat sich bis heute gehalten und wird immer beliebter. Waldpurga, eine Gottheit dieses Festes, hat tatsächlich um 710 bis 779 als Äbtissin in England gelebt.

In diesem Fest geht es um Fruchtbarkeit, Leben, Begegnung, Gemeinschaft, Liebe, Leidenschaft, Feuer, Hochzeit. Man segnet an diesem Tag alles was Fruchtbarkeit bringt.

Die Dekoration ist mit den Farben Mittelgrün bis Dunkelgrün gemacht.

«Auf, auf ihr Hexen und Hexenmeister, lasst uns auf unseren Besen Brocken reiten! Also dann, wir sehen uns auf dem Blocksberg!»

Das ist ein Teil von Goethes Faust:
«Die Hexen zu dem Brocken ziehen,
die Stoppel ist gelb, die Saat ist grün.
Dort sammelt sich der grosse Hauf,
Herr Urian sitzt oben auf.
So geht es über Stein und Stock,
es farzt die Hex’, es stinkt der Bock.»

Litha: Litha ist ein Sonnenfest ist am 21. Juni und ist der längste Hexentag im Jahr. Die Sonne hat jetzt ihre grösste Kraft erreicht, jetzt werden die Tage wieder kürzer. Baldur, der Sonnengott, stirbt und wird erst zur Wintersonnenwende am Julfest (21. Dezember) wieder geboren. Es ist ein Fest des Wachstums und der Reife. Litha ist der Name der keltischen Mondgöttin, sie steht für Fruchtbarkeit und Ordnung. Eichen stehen als «Tor zur Anderswelt» und darum wird dieses Fest auch häufig dort gefeiert. Man nennt dieses Fest auch Sommersonnenwende, Weisser Sonntag, Vestalia oder Pfingsten. Die Gottheiten Aphrodite, Astarte, Litha, Venus, und Baldur. Die Altäre und Tempel dekorieren Hexen mit den Farben grün, gelb und blau und mit bunten Blumen, Rosen, Holunder, Johanniskraut, Farn, Eicheln, Eichenblättern und versch. Früchte. Feuer, Licht und Schatten, und Sieg des Lichts über die Dunkelheit sind die Bedeutungen dieses Anlasses. Die Hexen und Hexenmeister essen Holunderküchlein, Honigkuchen, Kirschen und trinken dazu Holundersekt und Sommerbowle. Sie meditieren über das auf und ab des Lebens, die Höhe- und Tiefpunkte das Anfang und Ende und über das Leben und den Tod.

rr

Vorherige FolgeFortsetzung folgt.

Alternative Heilmethoden: Bachblüten

Was sind Bachblüten?

Viele Leute waren der Meinung diese Blüten wachsen an Bächen, darum der Name Bachblüten. Aber sie werden so genannt wegen Dr. Edward Bach der vor mehr als sechzig Jahren herausfand, dass bestimmte Blüten positiv auf diverse Gemütszustände einwirken können und somit auch körperliche Beschwerden auflösen können.

Die 38 Blüten, die Dr. Bach im Laufe der Zeit fand, umfassen nach seiner Auffassung grundsätzlich alle negativen Seelenzustände. Denn wenn der Mensch krank ist, fühlt und denkt er anders als sonst. Aber entscheidend ist, dass durch negative Gemütszustände und Gedanken, Krankheiten entstehen können. Daher werden Bachblüten nicht nach körperlichen Beschwerden ausgesucht sondern es wird nur der Seelische Aspekt betrachtet. Es gibt bestimmte Fragebögen oder man lässt sich beraten. Doch auch aus den verschiedenen Büchern die es über Bachblüten gibt, kann man sich auch ganz gut informieren. Die Bachblüten sind nicht schädlich, auch wenn man die «falschen» nimmt, es bewirkt dann einfach nichts und man ist dann enttäuscht, daher sollte man schon ganz ehrlich mit sich selbst sein was nicht immer angenehm ist, aber wichtig, wenn man sich selber helfen will.

Dr. Edward Bach wurde 1886 in der Nähe von Birmingham geboren. Gestorben ist er 1936 in Sotwell, wo sich heute noch das Dr. Bach Centre befindet. Dr. Bach hatte einen sehr engen Bezug zur Natur und seine Liebe zum leidenden Mitmenschen, das trieb seine Arbeit voran und öffnete ihm die Augen für die wahren Ursachen des Krankseins. Er führte auch ein sehr bescheidenes Leben.

Ein Zitat von Dr. Bach: «Krankheit ist weder Grausamkeit noch Strafe, sondern einzig und allein ein Korrektiv; ein Werkzeug, dessen sich unsere eigene Seele bedient, um uns auf unsere Fehler hinzuweisen, um uns von grösseren Irrtümern zurückzuhalten, um uns daran zu hindern, mehr Schaden anzurichten – und uns auf den Weg der Wahrheit und des Lichts zurückzubringen, von dem wir nie hätten abkommen sollen.»

Nicht alle Menschen werden mit diesen Worten einverstanden sein. Doch vielleicht bringt es den einen oder anderen dazu, einmal in sich zu gehen und zu überlegen, ob das eine oder andere negative Gefühl oder die Gedanken etwas mit körperlichen Beschwerden zu haben könnte.

Quelle: Selbsthilfe durch Bachblüten von Mechthild Scheffer ISBN 3-453-16884-4

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FemmesTische: Themen von November–April

FemmesTische ist ein Projekt der Gesundheitsförderung und Suchtprävention, unterstützt von Gesundheitsförderung Schweiz und Radix Gesundheitsförderung. Lanciert wurde es 1996 vom atelier für kommunikation in Kleinlützel und wird heute durch die Geschäftsstelle FemmesTische betrieben. Zurzeit verteilt sich FemmesTische auf ca. 25 aktive Standorte in der Deutschschweiz und es sind jährlich jeweils zweihundert bis dreihundert Moderatorinnen in über zehn Sprachen im Einsatz.

FemmesTische bringt Frauen und Erziehende zusammen, die sich, meist im häuslichen Rahmen, in ungezwungenen Diskussionsrunden mit Fragen zu Erziehung, Rollenverhalten, Gesundheits- und ähnlichen Themen auseinander setzen möchten. Und so funktionierts: Eine Gastgeberin lädt 6-8 Personen aus ihrem Bekanntenkreis zu sich nach Hause ein. Eine, durch die Suchtpräventionsstelle und die Geschäftsstelle Elternbildung Bezirk Andelfingen ausgebildete, Moderatorin regt mittels Anspielvideo das Gespräch unter den Beteiligten an. An den Diskussionsrunden meldet meist eine weitere Frau Interesse an, als Gastgeberin zu wirken. Auf diese Weise verbreitet sich FemmesTische wie von selbst.

Ab November bis April 05 werden folgende beiden Themen durch die Moderatorinnen im Bezirk Andelfingen angeboten:

Grenzenlos?

Wo brauchen Kinder und Jugendliche, die in der modernen Konsumgesellschaft heranwachsen, Grenzen als Schutz und Orientierung? Wo brauchen sie Freiräume und Unterstützung, um Selbstvertrauen und Selbstverantwortung zu entwickeln?

Der neue Film von Isabelle Cart und Sibilla Schuh (in 12 Sprachen erhältlich) berichtet über die Erfahrungen von Eltern, Kindern und Jugendlichen und wird durch fachliche Hinweise ergänzt.

Durch die alltagsnahe Gestaltung eignet sich dieses Video bestens, um in eine Diskussionsrunde rund um das erzieherische Dauerthema «Grenzen setzen und Freiräume gewähren» einzusteigen und im Austausch vielleicht neue Anregungen zu erhalten!

Wechseljahre

Last, Frust oder Lust?

Sensibel und vielschichtig präsentieren sich die Interviews im Kurzfilm von Isabelle Cart. Frauen und Männer sprechen über ihre Erfahrungen und Meinungen rund um die Wechseljahre.

Ergänzend nehmen Fachpersonen zu Hormontherapien und alternativen Behandlungsmethoden Stellung. Anschliessend an das persönliche und zugleich informative Video kann zum Beispiel darüber ausgetauscht werden, wie es einem selber mit dieser Zeit der Veränderung und des Wandels geht und wo vielleicht noch verborgene Chancen und Wachstumsmöglichkeiten liegen.?

Sie interessieren sich an einem FemmesTisch zu einem dieser Themen teilzunehmen oder eine Veranstaltung an Ihrem Wohnort oder bei sich zuhause zu organisieren? Fragen Sie die FemmesTisch-Moderatorin aus Ihrer Umgebung:

Andelfingen: Luisa Blaser (Spanisch und Deutsch) und Kathrin Knellwolf, Dachsen: Hildegard Grisenti, Justine Heller Küpfer und Daniela Orefice (Italienisch und Deutsch), Dorf: Annette Schneider, Henggart: Beatrice Arn, Rudolfingen: Elsbeth Wittwer, Uhwiesen: Julieta Forster (Englisch, Pilippinisch und Deutsch), Unterstammheim: Trudi Neff und Yvonne Richardet.

Oder rufen Sie uns an:
052 304 26 13 Rahel Finger, Suchtprävention Bezirk Andelfingen (www.rsps-andelfingen.ch)
052 304 26 39 Nadja Merz, Geschäftsstelle Elternbildung Bezirk Andelfingen

Weitere Informationen finden Sie auch unter www.femmestische.ch

Vogelporträt: Interview mit Rudi

Krah, gräh, kräh, grah, gräh, gräh …da hat es ja doch noch geklappt ! Tagelang bin ich vor dem Fenster des Schreibenden herum stolziert; liess Baumnüsse aus einigen Metern Höhe auf die Strasse fallen; versuchte seine Aufmerksamkeit zu wecken, indem ich mich mit halsbrecheri-schen Flugmanövern auf Milane und Bussarde stürzte, unternahm also alles Mögliche, in der Hoffnung, es dieses Jahr noch in die Dorfposcht zu schaffen.

Und siehe da, an einem nebligen Novembermorgen bat er mich herein in die Schreibstube zum Interview.

Wi: Ich will nicht lange um den heissen Brei herum reden, Sie haben einen ziemlich üblen Ruf bei uns Menschen!

Wir verbinden Sie und Ihre Artgenossen mit Pech oder der Verkündung von Tod und Unglück. Eltern welche ihre Kinder misshandeln oder sonst vernachlässigen nennen wir Rabeneltern. Wenn jemand sich übergeben muss, so sagen wir «er gaat dä Chreie go rüefe», das ist nicht sehr appetitlich, was uns da im Zusammenhang mit Ihnen einfällt. Auch beim Namen «Galgenvogel», wie man Sie im Mittelalter auch nannte, wirds mir nicht richtig warm ums Herz. Was ist eigentlich daran an Eurem schlechten Ruf und wie gehen Sie mit diesen Attributen um? Gibt es überhaupt positive Assoziationen im Zusammenhang mit Euch schwarzen Gesellen?

Rudi seufzend: Ja, ja und das ist noch nicht alles: «Alte Krähe», «rabenschwarzer Tag» oder «klauen wie die Raben» sind weitere, allerdings höchst unqualifizierte Bezeichnungen im Zusammenhang mit uns.

Das war zur Zeit der Antike noch ganz anders. Zwei Krähen galten den Griechen als ein Symbol der Ehe. Unsere Klugheit, Findigkeit und Intelligenz war auch in der nordischen Mythologie ein Thema. Wilhelm der Eroberer z.B. schmückte sich siegreich nach der Schlacht von Hastings mit einem Banner, welches einen Raben zeigte. Auch Wotan bediente sich zweier Raben als Kundschafter und Späher.

Mit dem Tod in Verbindung gebracht werden wir, weil wir neben vielen anderen Dingen auch Aas fressen. Dass wir dadurch auch die wichtige Funktion einer Gesundheitspolizei erfüllen, geht dabei ganz vergessen.

Mit der Bezeichnung «Rabeneltern» können wir gar nichts anfangen. Das Gegenteil trifft zu! Unser flüggen Jungen werden noch mindestens weitere 4 Wochen von uns geführt und gefüttert. Selbst zu Boden gefallene Nestlinge bewachen, beschützen und füttern wir dort. Eine Ablösung von den Eltern findet nur sehr langsam statt.

Wi: Da wäre aber noch die Sache mit der Nesträuberei. Die wenigen Brutversuche, z.B. des Kiebitzes machen Sie durch Stehlen der Eier noch endgültig zunichte. Nicht gerade Gentleman like solches Verhalten !

Rudi gedehnt: Halt, halt, das nenn ich das Pferd am Schwanz aufgezäumt. Wer macht seit Jahrzehnten dem Kiebitz und anderen Bodenbrütern das Leben schwer? Das ist der Mensch! Letzte, winzige Reservate für Kiebitze und Co. müssen gegenüber den Ansprüchen von Bauvorhaben, Landwirtschaft und Freizeitgestaltung verteidigt werden. Vogeleier und Nestlinge machen ohnehin nur einen verschwindend kleinen und saisonal beschränk-ten Anteil an unserer Nahrung aus.

Unser Speisezettel ist nämlich äusserst vielfältig: Wir sind Allesfresser. Im Winter bevorzugen wir Beeren, Sämereien, Aas. Im Sommer überwiegen Schnecken, Würmer, Insekten, Kleinsäuger und es ist wahr, ab und zu bereichert auch ein Vogelei oder ein Vogelkücken den Speisezettel. Auf Weiden vergnügen wir uns damit Kuhfladen zu drehen und Insekten abzulesen.

Wi: Man hört aber auch, dass Sie sich vermehren wie die Kaninchen! Da müssen Sie sich nicht wundern, wenn man auf Sie schiesst. Was ist daran wahr?

Rudi holt tief Luft und unterdrückt ein empörtes, heiseres Chrächzen: Da sind Sie aber gar nicht auf dem Laufenden sondern befinden sich gehörig auf dem Holzweg! Geschlechtsreif werden wir zwar bereits nach einem Jahr, doch in den Status eines Brutvogels steigen wir – wenn überhaupt – erst nach 3-5 Jahren auf.

In den ersten Lebensjahren halten wir uns in sogenannten Nichtbrütertrupps auf. Wir versuchen in dieser Zeit ein Revier zu erobern oder anstelle eines wegfallenden Brutvogels zu treten. Das gelingt aber nur zu selten, so dass wir oft unverpaart bleiben. Eltern zu werden ist für uns ein echter Karriereschritt. Einmal verpaart, hält unsere Ehe dann dafür lebenslang.

Wi: Soll das ein Seitenhieb auf uns Menschen sein?

Richtig in Fahrt gekommen geht Rudi nicht weiter darauf ein und fährt fort: Meistens benützen wir unsere Nester nur während einer Brutsaison. Sie dienen in den Folgejahren anderen Vögeln wie Baum- und Turmfalken oder der Ringeltaube als Nistgelegenheit. Obwohl wir 4-6 Eier legen, bringen wir nur ein Junges bis zum Flügge werden durch! Das liegt daran, dass wir nicht nur durch unseren Feind den Habicht, sondern auch durch unverpaarte Artgenossen immer wieder beim Brutgeschäft gestört werden. Diese Nichtbrüter rauben uns sogar die Kücken. 75% der flügge gewordenen Kücken sterben zudem im ersten Lebensjahr. Ueberlebt eine Jungkrähe das erste Lebensjahr, so kann sie aber dank Lernfähigkeit und Intelligenz durchaus 16 Jahre alt werden.

Und den Jägern noch einen Rat: Schiessen auf Brutvögel bringt gar nichts. Aus der Reserve der Jugendbanden rücken sofort andere nach. Das Gegenteil wird erreicht. Die Fruchtbarkeit erhöht sich, je weniger Störenfriede wir Brüter zu ertragen haben.

Wi: Bei den Bauern seid Ihr auch nicht beliebt. Sie klagen, dass die schwarzen Horden auf ihren Feldern einfallen, Körner picken, Keimlinge fressen und so Löcher in frisch angesäte Felder und damit in ihre Geldbeutel reissen. Schämen Sie sich gar nicht dafür?

Rudi rutscht etwas verlegen im bequemen Interview-Kissen hin und her: Hm, gräh, wir ernähren uns nun mal auch von pflanzlicher Kost, das stimmt. Wir versuchen dies aber durch Vertilgung von Schnecken und Mäusen wieder in Ordnung zu bringen. Und es gibt ja für die Bauern leider da noch dieses Merkblatt «Rabenvögel in der Kulturlandschaft» von der Vogelwarte Sempach, mit allerhand Tipps, wie man es uns unbequem machen kann.

Ist aber reinster Boulevard-Stil, was in diesem Pamphlet daherkommt und gar nicht weiter lesenswert …

Wi: Gut, ich sehe, das ist ein zu heikles Thema. Zu etwas anderem: Wie seid Ihr eigentlich organisiert? Das sieht uns manchmal wie ein ungeordneter Sauhaufen aus, wenn Ihr da auf einem Feld einfällt.

Rudi vorsichtig um sich blickend, den Schnabel zur Seite geneigt im Verschwörerton: Da sieht mans wieder mal, wie perfekt und für Euch Menschen unbemerkt dies abläuft. Was nach einem Sauhaufen aussieht, ist in Tat und Wahrheit streng durchorganisiert. Unsere prompten und differenzierten Reaktionen beruhen auf Teamwork. Sobald wir nämlich auf einem Feld einfallen, werden einige Wächter abkommandiert an die Randbereiche, wo sie die Aufgabe haben, das Umfeld zu beobachten und bei Gefahr, mit kurzen, eher leisen, aber nicht kratzenden Lauten zu warnen.

Im Gegensatz zu anderen Vögeln können wir sogar so gut miteinander kommunizieren, dass wir uns gegenseitig von besonders üppigen Jagdgründen erzählen können, was dann zum pulkartigen Auftreten führt und zur landläufigen Meinung beiträgt, dass wir uns ungezügelt vermehren. Auch die Nacht verbringen wir gerne in grösseren Trupps auf Schlafbäumen.

Wi: Ihr Chrächzen und zettern ist nicht gerade Balsam für unsere Ohren, was soll das eigentlich, gehts wirklich nicht besser?

Rudi: Gräh, chräh, krah, krah – aha – wussten Sie nicht, dass wir zu den am höchsten entwickelten Singvögeln zählen? Lachen Sie doch nicht, das ist biologisch durch die vielfältige Muskulatur des unteren Abschnittes unseres Kehlkopfes eindeutig bewiesen.

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse haben gezeigt, dass wir über ein ausgeprägtes Kommunikationssystem verfügen. Anhand von Sonogrammen (= Lautaufzeichnungen) wurde festgestellt, dass jede Krähe ihren ganz speziellen, eigenen Kräh-Laut hat. Wir lernen uns also gegenseitig aufgrund der Lautäusserungen als Einzelwesen kennen und sehen genau, da kommt Jakob von der Hofwisen und dort turtelt Hanna vom Unterbächi mit Reinhold vom Asperhof.

Wi: Beim heiligen Krähenbegräbnis, das ist ja wirklich allerhand! Was stellen Sie sonst noch so an in der offensichtlich reichlich vorhandenen Freizeit?

Rudi hebt den Schnabel, blickt zum Himmel und meint dann schalkhaft chrächzend: Unsere Fitnessgeräte heissen Mäusebussard und Milan und wir lieben Fleisch. So liefern wir ihnen gerne – mal einfach zum Schein, mal um so einem Fleischvogel, wie wir sie nennen, auch Beute abzujagen – akrobatische und ausdauernde Luftgefechte.

Wi: Danke vielmal, das Gekrächze mit Ihnen war sehr aufschlussreich und Hut ab, Sie haben wirklich geschickt alle Register gezogen, so dass Sie mir schon fast ein wenig sympathisch sind. Sicher werde ich die nächste Begegnung mit Ihnen aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten!

Rudi: Danke, zum chrächz nochmal, das war ja auch höchste Zeit !

Das Merkblatt «Rabenvögel in landwirtschaftlichen Kulturen» der Vogelwarte Sempach, mit vielen Tipps zum friedlichen Zusammenleben mit Rabenvögeln, kann von der Homepage der Vogelwarte (www.vogelwarte.ch) gratis heruntergeladen werden.

Andy Widmer Altikon

Kornkreisbier-Anstich am Entstehungsort

Wie heisst es am Münchner Oktoberfest so schön? «Oohzapft is».

Am Samstag 25. September durften auch wir «unser» Kornkreis-Bier am Entstehungsort anstechen. Im Kornkreisfeld von Guido Roggensinger wurde ein Zelt erstellt, wo das Fest stattfand. Leider war uns der Wettergott nicht gerade wohl gesonnen, denn es goss zeitweise in Strömen. Der harte Kern jedoch, es waren immerhin rund hundert Personen, liess sich von der kühlen Wetterlage nicht abhalten.

Die Gebrüder Locher aus dem Appenzell, welche die Locher-Brauerei betreiben, liessen es sich nicht nehmen, das Kornkreis-Bier gleich selber anzupreisen.

Es wurde gemunkelt, dass selbst der Braumeister ominöse Erfahrung mit dem Sud machte, was auch später in verschiedenen Medien Bestätigung fand.

Hauptattraktion war aber dennoch der Kornkreis selbst. Denn die Natur hat für ein weiteres Schauspiel gesorgt und den Kornkreis in seiner jüngsten Form gleich nochmals entstehen lassen. Die Körner der niedergedrückten Weizenhalme sind vom Regen ausgedroschen worden und haben zu keimen begonnen. So war der Kornkreis in seiner grünen Grösse erneut zu bestaunen.

Das Bier selber schmeckt mir. Leicht herb mit einem süsslichen Abgang, so habe ich es empfunden. Andere sprechen von einem eher bitteren, wiederum andere von einem faden und schalen Aroma. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Jedenfalls wurde einiges vom Weizengebräu verbraucht.

«Clad Míle Faílte» (Herzlich Willkommen) hiess es um ca. 19.30 Uhr. Der Höhepunkt des Abends wurde angekündigt. Wer die irisch-keltische Musik mag, kam mit der Band «The Irish Experience» voll auf seine Kosten, und das nasskalte Wetter, typisch irisch eben, stimmte wieder. Ein gelungener Anlass.

Mich erstaunt es immer wieder, wie aus so einem kleinen Ding, der Kornkreis misst im Durchmesser bekanntlich etwa hundert Meter, so ein Riesen Spektakel wurde. Die Orte Thalheim an der Thur und Gütighausen wurden über Nacht über die Grenzen hinaus bekannt. Wollte man das Professionell lancieren, hätte man einiges an finanziellen Mitteln investieren müssen, um so ein Bekanntheitsgrad zu erreichen – wenn überhaupt.

Auch ein grosses Kompliment an Guido Roggensinger, der es geschickt verstand, die Not in eine Tugend zu verwandeln. Oder wer ist bis heute je auf die Idee gekommen, aus einem Kornkreis-Weizenfeld ein Bier zu brauen?

Keiner soll mehr behaupten, die Schweizer Bauern sind nicht innovativ.

pb / Foto: J.Roduner

Ausland-Thalheim: Thalheim in Rumänien

Ich habe es anlässlich der Visitation in Thalheim versprochen: Wenn ich wieder in Rumänien bin, werde ich Thalheim/Rumänien aufsuchen und für Sie ein paar Föteli machen. Dieses Versprechen kann ich nun einlösen.

Am Eingang des Harbachtales zwischen Hermannstadt und Schässburg (wer auf der Karte nachschauen will: zwischen Sibiu und Sighisoara) in Siebenbürgen finden wir nach wenigen Kilometern «Daia». Zu deutsch heisst dieses Dorf Thalheim.

Das Gebiet des Harbachtales ist ein uraltes sächsisches Siedlungsgebiet. Die Sachsen, wie sie genannt werden (tatsächlich stammen sie aber aus dem Badischen, dem Rheinland, dem Luxemburgischen, etc.), kamen erstmals um ca. 1150 nach Siebenbürgen. Sie blieben als Bauern sesshaft und es entwickelte sich eine eigene deutsche Kultur. Diese Kultur hat sich bis heute erhalten. Allerdings sind nach dem Umsturz 1989/90 der Grossteil dieser Sachsen nach Deutschland zurückgekehrt, weil sie in Rumänien keine wirtschaftliche Entwicklungschancen sahen. Dies hat zur Folge, dass wir heute vielfach nur noch Spuren dieser deutschen Kultur in Siebenbürgen finden. Der heute wohl noch bekannteste rumänische Schriftsteller deutscher Sprache, Eginald Schlattner, hat in seiner Autobiografie «Die roten Handschuhe» das Leben der Sachsen in Siebenbürgen in den dreissiger und vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts sehr eindrücklich beschrieben. Wer mehr über Siebenbürgen wissen will: Klicken Sie auf folgenden Link, um mittels der Suchmaschine Google mehr über die Region zu erfahren: Suche mit Google.

Thalheim hat eine typische sächsische Siedlungsstruktur. Die Häuser sind giebelseitig gegen die Strasse gerichtet. Der Hofraum ist mit einer Mauer abgeschlossen. Bei der Kirche handelt es sich um eine Wehrkirche, wie sie für die Sachsen in Siebenbürgen typisch ist. Befestigte Kirchen schützten die Bevölkerung vor Angriffen der Türken. Es gibt für diese Kirchenburgen hervorragende Beispiele. Ich nenne hier Bierthälm, das von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt ist (und somit den gleichen Status wie der Klosterbezirk St. Gallen, die Altstadt Bern oder das Kloster S. Maria in Münstertal besitzt), Tartlau, Wurmloch, etc. In der Kirche Thalheim soll gegenwärtig eine schweizerische Pfarrerin, eine Frau Moser, arbeiten. Wir hatten leider keine Zeit (und das in den Ferien!) auch noch das Pfarrhaus aufzusuchen.

In Siebenbürgen fühlt man sich manchmal in einer völlig anderen Zeit, wie dies auch an den Fuhrwerken zeigt. Der Fuhrmann ist übrigens ein Sachse. Ich führte das Gespräch in deutscher Sprache und das mitten in Rumänien!

Ich hoffe, dass die Bilder und diese kurzen Zeilen bei Ihnen in Thalheim ein Interesse finden. Ein Besuch in Siebenbürgen ist zwar mühsam, er hinterlässt aber so völlig andere neue Einblicke und Erinnerungen, die man sie bei Badeferien auf Mallorca kaum erleben kann.

Mit freundlichen Grüssen
Kurt Stäheli
Statthalter, Andelfingen