Dies ist die letzte Ausgabe der Dorfposcht im Internet in dieser Form. Die Redaktion hat beschlossen, diese Website per Ende 2025 einzustellen.
Damit endet für mich mein zweitlängstes Engagement in meiner Karriere als Redaktor und Zeitungsmacher – für den «Tagesanzeiger» schreibe ich seit dem Jahr 2000, für den «Bund» seit 2009 und für die «Sonntagszeitung» seit 2015. Nur der «Landbote» kommt der Dorfposcht zuvor: Dort erschien mein erster Artikel 1986.
Ich erinnere mich nicht mehr, ob ich schon bei der allerersten Ausgabe im Jahr 1991 mit dabei war. Falls nicht, bin ich schon kurz danach zum Redaktionsteam gestossen. Ich habe lebhaft vor Augen, wie damals die Dorfposcht entstanden ist. Mit Erika Fisch haben wir die Dorfzeitung mit den damals modernsten Mitteln produziert: auf ihrem Macintosh SE, mit der Layoutsoftware Pagemaker, nach dem Prinzip des Desktop-Publishings, bei dem der Seitenumbruch direkt am Bildschirm entstand.
Das war innovativ, aber auch eine Herausforderung: Der kleine Computer hatte nach heutigen Massstäben einen geradezu winzigen Bildschirm mit einer Auflösung von 512 auf 342 Pixeln – ein Bruchteil von dem, was heute jedes Handy zu bieten hat. Die Gestaltung von A4-Seiten war daher mit sehr viel Zoomen und Scrollen verbunden. Aber dennoch hat es jede Menge Spass gemacht:
Wir auf dem Land setzten die neuesten Errungenschaften aus dem Silicon Valley gewissermassen «live» in die Praxis um – während bei den grossen Tageszeitungen (wie dem besagten «Landboten») noch Maquetten gezeichnet und Blockumbruch betrieben wurde.
Auch bei der Revolution des World Wide Web war die Dorfposcht vorn dabei. Sie hatte 1997 ihren ersten Online-Auftritt; erst als Untermieterin bei meinem damaligen Arbeitgeber Digipress, dann ab dem Jahr 2000 unter der eigenen Domain Dorfposcht.ch. Auf Archive.org lässt sich dieser Auftritt im Originallayout bewundern. Auch der Online-Auftritt, den ich nach meinem Umzug nach Winterthur 2000 weiter betreute, blieb innovativ: Er wurde jeweils nach dem neuesten Stand der Technik produziert: erst weitgehend von Hand, dann mit Webeditoren wie Golive und anschliessend mit einer selbst entwickelten, auf der Skriptsprache PHP basierenden Weboberfläche. Seit 2019 läuft die Dorfposcht mit Wordpress. Das ist die Software, mit der heute die Mehrheut aller Websites betrieben wird.
Damit ist nun Schluss. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich die Gründe, die zur Einstellung dieser Website hier führten, nicht nachvollziehen kann. Natürlich bin ich damit einverstanden, dass die aktuelle Redaktion ihre eigenen Prioritäten setzt – und ich bin auch bei jeder Ausgabe wieder verblüfft, wie viele Inserate es in der gedruckten Ausgabe gibt. Das nötigt mir als Journalist, der den Medienwandel seit 25 Jahren live miterlebt, Respekt ab. Die Dorfposcht ist so etwas wie das kleine gallische Dorf, das dem Eindringling Widerstand leistet. Der Eindringling ist in diesem Fall natürlich «Big Tech» mit Konzernen wie Facebook und Google, die den grösseren Verlagen das Leben schwer und die Einnahmen streitig machen.
Trotzdem denke ich nicht, dass die Entwicklung im Zürcher Weinland völlig stehenbleiben wird. Die junge Generation wächst völlig selbstverständlich mit Smartphone und Bildschirmmedien auf. Auch sie verdient es, ihren Gewohnheiten entsprechend übers Dorfleben informiert zu werden – was für sich allein ein ausgezeichneter Grund gewesen wäre, dieses Angebot hier aufrechtzuerhalten.
Die Redaktion hat sich anders entschieden. Darum endet für mich eine fast dreissigjährige Beziehung. Ich wünsche der Dorfposcht weiterhin alles Gute und werde Thalheim und Gütighausen weiterhin verbunden bleiben – aus familiären Gründen, aber nicht nur.
Matthias Schüssler, Webmaster seit Juni 1997

Lieber Matthias
Schade, dass dieser Entscheid getroffen wurde. Vielen Dank für deinen stetigen und wertvollen Einsatz rund um die Dorfposcht und vor allem auch für deinen Einsatz für dorfposcht.ch. Ich bin mir nicht sicher, aber ich dachte es sei die erste Dorfzeitung in der Schweiz gewesen mit einer eigenen Internetseite. Nun ist auch dies vorbei.
Alles Gueti und RIP liebi dorfposcht.ch.
Cyrill Bühler