Etwa einmal pro Monat zieht die erste und zweite Klasse morgens los in den Wald, ein besonderer Lernort an der frischen Luft. Ausgerüstet mit Rucksack und wetterfester Kleidung entdecken die Kinder die Natur, beobachten auf dem Weg Felder und die Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte. Auf dem Weg erhalten sie häufig spannende Sammelaufträge, mit Plänen suchen sie versteckte OL-Posten oder Plastikfrüchte und üben dabei genaues Hinschauen, sich im Gelände zurechtzufinden und sich zu orientieren.
Im Wald wählte jedes Kind einen eigenen Baum und beobachtet ihn über das ganze Jahr, vom Baum mit hellgrünen Blättern im Frühling bis zum kahlen Baum im Winter. Ein Kind berichtet stolz: «Wir haben einen eigenen Baum im Wald.»
Die Kinder entdecken Käfer, Würmer und Spinnen, beobachten Pflanzen und Tiere, sie lernen viel Neues darüber. Manchmal finden sie auch tote Tiere, wie beispielsweise eine Maus, die sie liebevoll begruben. Ein Kind schreibt: «Es ist toll, dass wir so viel spielen können. Zum Beispiel haben wir eine Maus vergraben.»
Im Wald wird auch Mathematik anschaulich umgesetzt: symmetrische Bilder aus Blättern, Ästen und Tannzapfen werden gestaltet, Gegenstände mit bestimmten Längen werden mit dem Messband gesucht, der Durchmesser einer Tannennadel könnte ein Millimeter sein, ein langer Ast schaffte es sogar auf einen Meter Länge. Auch Mal- und Plusrechnungen werden im Wald handelnd erlebt. «Hole 4 mal 3 Blätter.» Die Kinder sammelten die Blätter, legten sie gruppiert hin und fanden so heraus, was 4 mal 3 ergibt. Ein anderes Mal bauten die Schülerinnen und Schüler in Gruppen Kugelbahnen am Hang und beobachteten, wie die Kugeln den Hang hinunterrollten. Dabei lernten sie viel über Schwerkraft und Geschwindigkeit. Ein Kind meinte: «Mir gefällt, dass wir Kugelbahnen gemacht haben!», ein anderes: «Wir haben Symmetriebilder aus Waldsachen gemacht. Es war sehr toll!» Die Kinder erfahren dadurch mathematische Zusammenhänge auf spielerische und anschauliche Weise, alles wird aktiv erlebt. Das soziale Miteinander und die Teamarbeit werden gleichzeitig gefördert.
Auch freies Spielen und handwerkliche Erfahrungen gehören dazu. Die Kinder tauchen in Rollenspiele ein oder werken mit Werkzeugen, dabei wird Geschicklichkeit gefördert und der verantwortungsvolle Umgang mit Materialien geübt. Ein Kind schreibt darüber: «Die Werkzeuge, z. B. Hammer, Sägen, Schaufel, sind cool.»
Aktuelle Unterrichtsthemen werden häufig praxisnah aufgenommen und vertieft. So war im letzten Jahr das Thema Menschen mit Beeinträchtigungen ein Schwerpunkt. Auf dem Weg haben die Kinder Kartons zwischen Arme und Beine geklemmt und so erfahren, wie anstrengend es sein kann, sich mit einer Beeinträchtigung fortzubewegen. In einem Rollstuhl den Wald zu besuchen, war ebenfalls eine bleibende Erfahrung. Blind ertasteten die Kinder die Rinde eines Baumes und haben bewusst die Geräusche des Waldes wahrgenommen – vom Rascheln der Blätter bis zum Zwitschern der Vögel.
An Halloween bastelten die Kinder ein Waldgespengstli mit duftenden Naturmaterialien drin. Jedes Jahr besucht der Samichlaus, manchmal sogar mit Schmutzli und Esel, die Klasse im Wald. Die geübten Samichlaussprüchli und -lieder wurden stolz vorgetragen, der Samichlaus lobte viel und tadelte auch ein wenig. Ein Kind notiert: «Der Samichlaus hat Nüssli gebracht und Schokolade. Er war mit Schmutzli da. Es war toll!»
Die Waldmorgen verbinden Lernen, Bewegung, Kreativität, Natur- und Gemeinschaftserlebnisse auf wunderbare Weise. So macht Lernen richtig Spass!
1. und 2. Klasse,
Chantal Niklaus und Natalie Kühne









