Geflüchtet und in Thalheim aufgenommen

Vor einigen Tagen wurden wir (Verein Holzlabor) angefragt, ob wir bereit wären, eine Gruppe von drei Frauen und fünf Kindern, die aus der Ukraine flüchten müssen, bei uns aufzunehmen. Die Anfrage kam von der Kooperative Longo Mai, da auf deren Hof im Westen der Ukraine sehr viele Flüchtlinge ankommen, die aus der Ukraine ausreisen möchten. Der Verein Holzlabor hat Kontakt mit Leuten von diesem Hof und mit den Mitgliedern der «Hudaki village band», einer ukrainischen Musikgruppe, die schon mehrmals im Holzlabor in Thalheim aufgetreten ist.

Klar, wir waren bereit, uns umzusehen und zu schauen, ob im Holzlabor oder in der Nachbarschaft Unterkunftsmöglichkeiten vorhanden wären. Wir sahen aber bald, dass das nicht so einfach zu organisieren ist. Wir überlegten, was bei uns möglich wäre und wo in der Nachbarschaft oder in der Gemeinde Wohnräume gefunden werden könnten. Es fanden sich einige Möglichkeiten, sahen allerdings auch, dass noch einiges organisiert und eingerichtet werden müsste – aber grundsätzlich sagten wir mal zu.

Kaum zugesagt und mitten in den Vorgesprächen, erhielten wir die Meldung, dass die angekündigte Gruppe schon am nächsten Tag um ca. 10 Uhr eintreffen werde.

Während die einen noch die Unterkünfte einrichteten, wurde die Gruppe am Bahnhof in Zürich abgeholt und dann auf der Fahrt mit Bahn und Bus nach Thalheim begleitet und in der Stube des Vereines Holzlabor willkommen geheissen. Nun sind sie da, wurden verpflegt, konnten ihre Zimmer beziehen und sich mal umschauen, wo sie gelandet sind.

Zum Glück spricht eine der Frauen Deutsch und die andern Englisch. So konnten wir mit ihnen ins Gespräch kommen und erfahren, woher und aus welcher Situation sie flüchten mussten, wer sie sind und was sie erwarten.

Victoria erzählt, dass ihre Wohnorte beschossen und zum Teil bombardiert wurden, dass Tag und Nacht die Sirenen heulten, und sie in Kellern Schutz suchen mussten.

Zum Glück fanden sie eine Lösung, konnten mit Privatfahrzeugen nach Budapest gelangen und schliesslich im Getümmel des Bahnhofs einen überfüllten Zug besteigen und mit diesem bis nach Zürich fahren. Sie sind froh, dass sie hier in Thalheim so gut aufgenommen wurden. Victoria ist auch gerne bereit zu schildern wer sie sind und wie sie sich den Aufenthalt in Thalheim vorstellen.

Victoria ist mit ihren beiden Söhnen Ihor (16) und Olksander (14) hier und wohnt nun im ersten Stock des Gemeindehauses. Zudem steht der ganzen Gruppe der Begegnungsraum «Chile-Treff» im Sous-­sole des Gemeindehauses zur Verfügung.

Iryna, Viktorias Schwester, ist mit ihren Zwillingen Hlib und Sofia (7) bei Christine Schleuss untergebracht.

Alina wohnt mit ihrem Sohn Hryhorii (6) in einem Gastzimmer des Vereins Holzlabor.

Die Männer der drei verheirateten Frauen mussten zurückbleiben.

Abschliessend noch eine Bemerkung von Victoria. Sie dankt im Namen der ganzen Gruppe für die Aufnahme in Thalheim, betont aber, dass sie zwar auf Hilfe angewiesen sind, sie aber gerne bereit sind auch ihrerseits Hilfe anzubieten und Aufgaben zu übernehmen. Sie selbst war in Kolomya Englisch­lehrerin, Iryna arbeitete im Büro einer regionalen Behörde im Raum Kiev und Alina war in Kiev Fitness-Trainerin. Sie sind offen und gesprächsbereit.

Wir alle, die uns in den letzten Tagen für sie einsetzten, wünschen ihnen alles Gute!

Im Namen der Unterstützungsgruppe
und des Vereins Holzlabor
Walter Jordi


Nach Redaktionsschluss wurde dem Redaktionsteam seitens Walter Jordi mitgeteilt, dass sich für Victoria mit ihren Söhnen eine neue Möglichkeit eröffnete, die den Söhnen eine sprachlich und daher schulisch bessere Lösung bietet. Victoria und ihre Söhne danken von Herzen für die rasche Aufnahme im Dorf und die erhaltene Unterstützung.

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