Turnfahrt: Auf Sonnenschein folgt Regen!

Am Samstagmorgen, um 5.40 Uhr besammelte sich der Turnverein am Bahnhof in Thalheim. Nach altbekannter Regel sollte die letzte Person, welche am Bahnhof ankommt, den Turnfahrtbericht schreiben – glücklicherweise sassen wir zu viert im Auto!

Es wurde schon eifrig diskutiert, wo die Turnerreise wohl hingeht, da dies eine Überraschung werden sollte. Nach wenigen Minuten waren wir mit dem Zug unterwegs und machten in Winterthur sowie Zürich HB einen Zwischenstopp. Der nächste Zug fuhr Richtung Tessin, was bei den einen Turner*innen als Turnfahrtsziel vermutet wurde. Jedoch mussten wir in Arth-Goldau aus- bzw. umsteigen. Während dem Umsteigen schaute Flo nur nach hinten, da er so beschäftigt war mit Schwatzen – vielleicht sah er auch eine reizende Dame – und stiess prompt in einen dicken Pfosten. Dabei zersplitterte die Weinflasche, welche unser Jungturner auf dem Arm hielt und hinterliess eine Pfütze.

Spätestens jetzt waren alle wach! Schlussendlich kamen wir in Flüelen an, wo wir den Bus zur Gondelstation nahmen. Anschliessend transportierte die Luftseilbahn alle Turnenden etappenweise zu den ­Eggberge, wo zuerst im Restaurant eingekehrt wurde. Im Restaurant blieben wir aber nicht lange, da die Servierdüse nicht sehr glücklich über unseren Besuch war. Also machten wir uns bald auf den Weg nach oben. Die meisten wählten den steileren Aufstieg und legten eine Pause auf der Hüenderegg ein. Die anderen wählten den weniger steilen Weg, darunter waren unter anderem die schwangere Präsidentin und derjenige Reiseführer, welcher ein kaputtes Knie mitbrachte. Zum Zmittag trafen wir uns alle am Flesch Kiosk beim Fleschseeli. Nach vollen Mägen, erholender Pause und einigen getankten Sonnenstrahlen führte uns der Weg weiter zur Berg­station Biel, wo wir wieder mit der Gondel etappenweise nach unten zur Bushalte­station Bürglen Brügg gebracht wurden.

Da die Gondelfahrt etwas Zeit in Anspruch nahm und wir sowieso schon etwas verspätet waren, hätten die letzten von unserer Gruppe den nächsten Bus verpasst. Jedoch hatten wir einen so netten Buschauffeur, welcher 40 Minuten auf uns wartete und mit der Zentrale organisierte, uns direkt nach Amsteg zu fahren, da wir den Anschluss sowieso verpasst hätten. Der nächste Bus in Amsteg wartete extra auf unsere Gruppe und fuhr zu spät los. Ein grosses Dankeschön an die Buschauffeure. An der Talstation in Golzern angekommen, zersplitterte schon das nächste Glas. Neben Flos Weinflasche stürzten sich noch Joy’s Himbeeren zu Boden. Der Kassier der Talstation hatte weniger Freude, aber natürlich verlangten wir Schüferli und Wüscherli und der Dreck war beseitigt. Anschliessend bestiegen wir die nächste kleine Gondel und fuhren erneut etappenweise den Berg hinauf. Aufgrund Höhenangst hätten den einen Turner*innen die vielen Gondelfahrten erspart bleiben können. Die letzte Wanderetappe führte uns zum Golzersee, wo wir unsere Unterkunft vorfanden. Es blieb uns nicht viel anderes übrig als eine Übernachtung im Massenschlag und nur einer Dusche für 29 Personen.

Dank dreifränkigem Jeton funktionierte auch der Warmwasserhahn, jedoch entschieden sich viele für eine schnelle Katzenwäsche, welche für das Wochenende reichen musste. In einem geheizten Nebenhäuschen assen alle zusammen das leckere Abendessen. Zu Beginn des Abends schienen viele Gesichter müde, erwachten aber nach einigen Flaschen Bier oder Gläser Weisswein und es wurden Spiele wie Uno Flip oder das bekannte «Hose abe» gespielt. Je später es wurde, desto schlauere Gedanken kamen den einen in den Sinn. Kevin feierte die glorreiche Idee, in den Kindersitz zu steigen. Jedoch folgten auf Gelächter und Faxen ein Geschrei sowie schmerzende Beine, die feststeckten. Da der Teamgeist im Turnverein gross ist, zerrten alle wie wild am Kindersitz herum und wollten Kevin befreien, was leider nicht so einfach war.

Auch der Gast­geber schien langsam verzweifelt, konnte sich aber ein Lachen nicht verkneifen. Der erste Versuch, die Beine mit Seife einzuschmieren scheiterte, also holte Tim Maggi um dieses als Schmiermittel zu benutzen und spritzte gefühlt die halbe Flasche auf Kevins Beine. Mit viel Geduld konnten die zerquetschten Beine schlussendlich befreit werden. Das Fest wurde anschliessend noch etwas weitergezogen, jedoch beendete dies der Gastgeber um Mitternacht, indem er die Musik abschaltete. Also begaben wir uns mit einer abschliessenden Polonaise in unser Schlafgemach und entdeckten, dass sich mehr Männer im Frauenzimmer einnisteten als gedacht. Die einen konnten aufgrund des Schnarchens kaum schlafen, andere montierten Ohropax und verbrachten eine angenehme Nacht.

Um ca. 7 Uhr war tagwach und ein kleines aber ausgiebiges Frühstücksbuffet stand für uns bereit. Nach der Energieaufnahme packten wir unsere sieben Sachen und machten uns auf den Weg zu den Chilcherbergen. Kurz nach Abmarsch begann es zu regnen. Aufgrund des schmalen Pfads wanderten wir in Einerkolonne und jeder wollte so schnell wie möglich bei der nächsten Gondelstation ankommen, denn auch die beste Regenbekleidung liess irgendwann durch.

Nach einigen Zwischenstopps, Überprüfung der Vollständigkeit aller Anwesenden und zwei Stunden langem Gefühl, in die Hose gemacht zu haben, erreichten wir die Gondelstation Chilcherbergen. Leider freuten wir uns zu früh, denn die «Gondel» war keine richtige Gondel, sie glich eher einer kleinen Achterbahn. In diesem speziellen Transportmittel hatten gerade mal vier Personen Platz. Vorne sassen zwei und hinten zwei, wie in einem kleinen Auto. Das Gefährt war ausschliesslich mit einem Dach bedeckt und die Seiten wurden mit Holzbrettern verriegelt. Am mühsamsten war, dass eine Fahrt sieben Minuten dauerte und alle pflotschnass bei knappen 10 °C warten mussten. Für die einen kam es noch schlimmer, als die Gondelfahrt losging, denn die Fahrt glich wortwörtlich einer Achterbahn und nach jedem passierten Stützpfosten wurde die Gondel etwas steiler. Doch die Personen mit Höhenangst durften nach solcher Überwindung stolz auf sich sein!

Die Turner*innen, welche unten im Dorf Silenen angekommen waren, machten sich auf den Weg zur Bushaltestelle ­Dägerlohn. Wenige Dorfbewohner*innen hatten Mitleid mit den ersten Ankömmlingen und wollten diese ins Haus einladen. Nach der Information, dass noch weitere 25 Personen nachkommen, wurde die Einladung wieder zurückgezogen. Vor der Bushaltestelle Dägerlohn befand sich das Restaurant «Zur alten Post» wo uns ein Mann hinein bot und die Toilette als Umkleide zur Verfügung stellte. Schnell bemerkten wir, dass dieser Mann sowie die weiteren Gastgeber bereits am Morgen zu tief ins Glas geschaut hatten und uns immer wieder fragten, woher wir kommen und was uns in den Kanton Uri verschlug. Fast trocken umgezogen genossen wir Bier, Kafi Lutz und Tee. Auf Nachfrage erzählte uns der Mann, dass die Wirtin dieses Lokals von ­Jugoslawien sei und momentan dort ihre Ferien geniesse.

Die paar anwesenden Männer und Frauen seien die Stammgäste und haben für zwei Wochen das Restaurant gemietet, wo sie den Whisky ungestört konsumieren dürfen. Als unsere Gruppe vollständig war, nahmen wir den Bus nach Altdorf, wo wir im Wilhelm Tell ­Restaurant einen feinen Zmittag genossen. Um 14 Uhr bestiegen wir erneut den Bus und fuhren zur Kleinbrauerei Stiär Biär in Altdorf. Dort wurden wir durch die Brauerei geführt, lernten einiges über ­Stiär Biär – welches zu empfehlen ist – und degustierten die verschiedenen Biere. Unser Turnverein war kein schlechter Kunde, denn die Brauerei konnte einige Biere, T-Shirts, Liköre und gebrannte Malzkörner verkaufen. Gegen 18 Uhr machten wir uns auf den Heimweg.

Das Trinken und Spiele spielen wurde im Zug fortgesetzt – ­einige Mitpassagiere fanden dies amüsant, andere weniger. Doch uns störte dies nicht, denn unsere Plätze waren reserviert. Im Zug nach Winterthur trafen wir auf den Turnverein Seuzach und das Gaudi nahm kurzerhand zu. Auch im Thurbo nach Thalheim nahm das Fest kein Ende. Nachdem der Turnverein Seuzach ausgestiegen war, konnte sich die Lokführerin nicht mehr zurückhalten und drohte uns, dass wenn wir nicht die Fresse halten, der Zug keinen Meter weiterfahren würde. Diese Aussage beunruhigte uns nicht und wir feierten weiter, denn die Turnfahrt ist erst nach Ankunft in Thalheim beendet. Glücklicherweise streikte die Lokführerin nicht und brachte uns unfall­frei ins schöne Thalheim zurück. Zuhause genossen alle eine warme Dusche oder Badewanne und versanken schon bald in Träume.

Fränzi, Marco, Ramona und Tanja

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