Editorial: Miteinander

Gehe ich vor dir, dann weiss ich nicht, ob ich dich auf den richtigen Weg bringe. Gehst du vor mir, dann weiss ich nicht, ob du mich auf den richtigen Weg bringst. Gehe ich neben dir, werden wir gemeinsam den richtigen Weg finden.
Aus Südafrika

Auf der Suche nach der Muse, die mich küsst für dieses Editorial, bin ich durch Zufall an dieses Sprichwort geraten. Es hat mich sprichwörtlich «angelacht».

Das Miteinander verbindet uns Menschen, ob wir es wollen oder nicht. Wir sind in der Gesellschaft, in unserem Sein voneinander abhängig. Wir benötigen ein gleiches Gegenüber, um unserer Existenz bewusst zu werden und uns entfalten zu können. Wir haben gemeinsam – miteinander eine schwierige Zeit mit Lockdown, Fernunterricht, gesellschaftlichen Einschränkungen, untersagten Kontakten und zuweilen schwierigen Abschieden – durchlebt. Auch jetzt noch spüren wir wie diese Zeit auf uns eingewirkt hat, es ist noch allzu präsent. Sie haben vielleicht zuweilen Wut verspürt ob der Ignoranz anderer Menschen – dann empfanden Sie das Leben miteinander nicht mehr als befruchtend und bereichernd, sondern nur noch anmassend, belehrend und ungerecht. Andere Male durften Sie jedoch die Nähe von Menschen erfahren, von denen Sie es gar nicht erwartet hätten, konnten Solidarität für Ihre Abgeschiedenheit, für Ihre Probleme erfahren. Sie wurden als Mensch wahrgenommen und das tat sicherlich gut. In der Zeit des Lockdown sind ganz viele neue Seiten an Menschen aufgetaucht, die viele von uns ohne die Einschränkungen so nie erlebt hätten.

Von vielen Seiten höre ich, gerade jetzt, wo unsere Gesellschaft sich wieder entspannt, sich der Arbeitsalltag wieder normalisiert, sich die Schulen auf mehr oder weniger Normalzustände hinbewegen, wo wir wieder unsere sozialen Kontakte in fast normalem Umfeld pflegen können, dass sie die Zeit vermissen als «die Erde still stand – Die Luft reglos war», und wir Zeit hatten für das Miteinander in der Familie oder im allerengsten Bekanntenkreis. Bereits jetzt, und wir sind noch weit weg vom Begriff der Normalität, erscheint der gewesene Stillstand bei vielen plötzlich als bereichernd und als «Augenöffner». Was ist uns allen wirklich wichtig? Sind es die kurzen, schnellen Lebenswege – Phasen in denen wir durch unser Leben eilen – oder ist es eben auch die Vertrautheit mit unserem Gegenüber, was wir nur entgegenbringen können, wenn wir miteinander Zeit verbringen, uns Zeit nehmen und uns und anderen Zeit geben. Wir tendieren dazu, Vergangenes etwas verklärt zu betrachten, die Situation die gezwungen hat etwas an Schnelligkeit aus dem Leben zu nehmen, könnte doch sehr verherrlicht wahrgenommen werden im Nachhinein, aber dennoch denke ich, es hat uns gezwungen in eine ­gemächlichere Gangart zu wechseln. Vom Galopp durch die Welt wurde zuweilen Trab, Schritt, ein Stillstehen und Verweilen. Die Luft stand still – wir auch.

So geht ein Schuljahr zu Ende – Sommer­ferien, wohlverdient für uns alle – ein Durchatmen vor… nein, ich spreche hier nicht von einer «zweiten Welle», ein Durchatmen vor dem Start ins neue Schuljahr, vor dem «sich auf machen» in neue unbekannte Welten – und wenn es nur den Schulweg neu zu entdecken gibt. Aufbruch und Tatendrang folgt nach Krisen und Stillständen. Packen wir es an und zwar gemeinsam!

Ich wünsche Ihnen allen einen wohlverdienten Sommer, viel Sonne, und unendliche Unbeschwertheit… und Zeit für ein Miteinander!

Cornelia Schumacher
Schulpflegepräsidentin/Gemeinderätin


Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe: 9. September 2020

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