Fernunterricht an der ­Primarschule Thalheim

­Am Freitag, 13. März 2020 – genau eine Woche nach Unterrichtstart nach den Sportferien – hat der Bundesrat auf Grund der Covid-19-Pandemie den Lockdown beschlossen und die Schulen ab 16. März 2020 geschlossen. Wir wurden beauftragt, bis auf Weiteres die Kinder im Fernunterricht zu unterrichten.

In kurzer Zeit haben wir ein gemeinsames System von Fern­unterricht aufgebaut. Wir haben vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse Tages-Aufgabenpläne von Mittwoch zu Mittwoch erstellt. Die Wochenpläne enthielten obligatorische Aufträge, Zusatzaufgaben und Tipps für die Freizeitgestaltung. Zusätzlich erhielten die Kinder wöchentlich eine kleine Kopf-Turn-Broschüre mit Rätseln, Logicals, Witzen, Mandalas etc. Es entstanden zwei Kopf-Turn-Extrablätter mit eigens von Kindern gestalteten Beiträgen.

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Da die Grundlagen für den digitalen Ausbau in der Schule bereits vorhanden waren und auch die meisten Kinder zuhause mit Geräten und WLAN-Zugang gut ausgestattet sind, konnten wir diese Möglichkeiten rasch nutzbar machen und im Fernunterricht einsetzen. Die digitale Plattform Teams ermöglichte uns einen Austausch und das Beantworten von Fragen per Videogespräche und Chats. Wir konnten neue Inhalte präsentieren, es entstanden Erklär- und Erzähl-­Filme. Auch konnten die Schülerinnen und Schüler persönliche Arbeitsergebnisse in Form von Filmen, Fotos mitteilen.

Wöchentlich haben wir einen gemeinsamen Auftrag an alle Kinder formuliert – den sogenannten «Fägermer-los-Auftrag». Wenn immer möglich, veröffentlichten wir die Ergebnisse daraus in Form von Bildern auf der Homepage. Ein ­«Fägemer-Los-Auftrag» in einem Mittwochs­plan war, dass die Kinder notierten, fotografierten und zeichneten, wie es ihnen im Fernunterricht beim Lernen zu Hause geht. Hier ein paar Aussagen von Schüler*innen und Lehrpersonen, wie sie in den vergangenen Wochen «Schule hatten».

Wie kommunizierst du mit der Lehrperson?

  • Wir telefonieren oder wir schreiben uns im Chat.
  • Ich rede mit meinen Lehrerinnen über den Laptop. Ich finde das toll.
  • Ich schreibe über den Klassenchat. Wir telefonieren mit dem Lehrer. Einmal in der Woche.
  • Ich kann meinen Lehrer immer anrufen. Einmal in der Woche ruft er mich an und fragt, wie es so geht.
  • Ich schreib mit ihr über Teams. Ich rede mit ihr über Teams und Telefon.

Was vermisst du?

  • Ich vermisse meine Freunde und ich vermisse die Schule.
  • Ich vermisse meine Freunde und Grosseltern. Es ist schade, dass wir keine Ausflüge machen können.
  • Ich vermisse meine Freunde. Und die Schule. Und meine Lehrerin.
  • Ich vermisse meine Freunde, die chilligen Hausaufgaben, das Lernen mit den Lehrern und Partner-Arbeiten.
  • Ich vermisse die Klassenlehrerin, die 5. Klasse, den Pausenplatz, die Lehrerinnen und Lehrer, die Handarbeit.
  • Ich vermisse die Kollegen. Das Zusammensein mit ihnen, aber besonders das Fussball spielen. Ich habe zwar meine Brüder, aber die sind noch nicht so gut.
  • Ich vermisse das gemeinsame Spielen in der Pause.
  • Am meisten vermisse ich meine Freundinnen und Freunde. Ich vermisse auch meinen Schulweg. Die Znünipausen waren mir auch sehr wichtig.
  • Im Fernunterricht stört mich, dass es keine grosse Pause gibt. Das Turnen fehlt mir auch.

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Vor-/Nachteile des Fernunterrichts?

  • Ich kann etwas länger schlafen und ich muss etwas weniger arbeiten, ich kann mehr spielen.
  • Ich kann auswählen, welches Fach ich wann löse. Jetzt kann ich Mama beim Kochen helfen. Am Morgen kann ich länger schlafen.
  • Ich kann mich viel besser konzentrieren. Da der Schulweg wegfällt, kann ich später aufstehen.
  • Mir gefällt es, bei meinen Eltern zu sein. Ich kann ein wenig später aufstehen. Nicht gut finde ich, dass ich meine beste Freundin nicht in echt sehen kann. Ich vermisse die Pausen in der Schule mit den vielen Kindern. Mir fehlen die Gruppenarbeiten und dass ich meine Hobbies nicht machen darf.
  • Ich finde es mega blöd, dass ich meine Lehrerin nicht sehen kann.
  • Ich kann Mama alles fragen. Wir gehen oft in den Wald und ich sehe und lerne viel mehr über Tiere.
  • Wenn ich Fragen habe, kann ich die Lehrperson nicht direkt fragen. Ich finde es nicht so toll, dass ich immer an meinem dunklen Pult sitzen muss.
  • Einen Vorteil finde ich, dass man sich den Tag selbst planen kann und selbst sagen kann, wann Pause ist. Ein Nachteil hingegen ist, wenn man Fragen hat, muss man die Lehrperson zuerst anschreiben und das ist umständlicher als einfach aufzustehen und an das Lehrerpult zu laufen, um Fragen zu stellen.
  • Ich finde es toll, weniger zu arbeiten als in der Schule.
  • Ein Vorteil ist für mich definitiv der Schlaf. Denn ich kann erst um 22 Uhr ins Bett und um 9 Uhr aufstehen. Der Nachteil ist, dass man seine Kollegen nicht mehr sieht.
  • Es ist schwer, sich zu konzentrieren. Aber wenn man mal so richtig drin ist, geht es gut.
  • Mir gefällt der Fernunterricht gar nicht. Es gibt viel Streit.

Wann und wo arbeitest du?

  • Ich arbeite am Küchentisch.
  • Wir fangen um neun Uhr mit der Schule an. Wir arbeiten im Wohnzimmer. Unser Pult ist der Stubentisch.
  • Ich arbeite zur regulären Schulzeit in meinem Zimmer am Schreibtisch. Gelegentlich besucht mich dort mein Kater und legt sich mitten auf meine Aufgaben.
  • Wir haben ein Schulzimmer eingerichtet. Wir haben einen grossen Tisch, Drucker, Bastelecke, eine Magnettafel und ein chilliges Sofa im Zimmer. Wir arbeiten von 8 bis 12 Uhr, manchmal auch länger oder kürzer.
  • Ich arbeite am Tisch, am Pult und in der Stube. Ich wechsle also gerne meinen Arbeitsplatz. Am liebsten arbeite ich am Computer. Da mache ich Mathetraining. Die Hausaufgaben erledige ich meist morgens.
  • Am Morgen vor dem Mittag arbeite ich an Mathe, Deutsch und Englisch oder Französisch. Am Nachmittag beschäftige ich mich mit NMG und geniesse die Sonne beim Velofahren oder auf dem Trampolin.
  • Ich fange um 9 Uhr an und um 12 Uhr bin ich spätestens fertig. Mein Bruder und ich, wir arbeiten am Esstisch.
    30 Minuten Arbeit, 10 Minuten Pause.
  • Ich erledigte meine Aufgaben in meinem Zimmer auf meinem Schreibtisch. Ich starte nach dem Frühstück und erledige so viel wie möglich am Vormittag. Damit ich am Nachmittag Freizeit habe.
  • Ich arbeite im Büro. Nach dem Frühstück fange ich an.
  • Wenn ich arbeite, schaff ich am Familientisch. Ich finde es sehr toll.
  • Ich arbeite in meinem Spielzimmer. Von 9 bis 11.30 Uhr. Manchmal auch am Nachmittag.
  • Ich arbeite in meinem Zimmer an meinem Pult und im Wohnzimmer am PC. Ich fange etwa um 8 Uhr an, dann arbeite ich ca. 20 Minuten, danach gibt’s eine kleine Pause, und so weiter.

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Wie verbringst du deine Freizeit?  Was machst du, wenn dir langweilig ist?

  • In meiner Freizeit beobachte ich meine Schnecken und spiele mit meiner Schwester.
  • Ich spiele Lego und baue Vogelnester.
  • Wenn es mir langweilig ist, gehe ich draussen spielen. Oder gehe ich in mein Zimmer.
  • Wenn mir langweilig ist, lese ich. Manchmal gehe ich auf dem Trampolin springen. Ich bastle etwas zum Beispiel eine Kugelbahn. Ich mache Armbändeli am Strickliesel.
  • Ich mache Kopfturnen oder beim Wochenplan auf der Rückseite. Ich spiele mit dem Hund und mit den Tieren auf dem Bauernhof oder mit den Geschwistern.
  • Ich gehe viel nach draussen spielen und spiele mit meinem Bruder Pingpong. Am Abend spiele ich mit meiner Familie verschiedene Spiele. Jeden zweiten Abend turne ich mit meiner Familie.
  • Ich gehe mit meinem Hund spazieren. Ich schaue Netflix und Disney+.
  • Wenn ich Langeweile habe, gehe ich in die Natur oder mache Zusatz-Aufgaben. Falls unser Kater im Haus ist, probiere ich ihm Kunststücke beizubringen. (Klappt zwar nicht allzu gut, aber es macht Spass!)

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Was würdest du auch gerne später im normalen  Unterricht beibehalten?

  • Ich würde Teams gerne beibehalten. Es gefällt mir sehr gut.
  • Ich arbeite an einem runden Tisch mit rotem Ledersessel. Ich arbeite immer dort, weil ich meine Ruhe habe. Ich würde die Ruhe gerne bewahren. Ebenfalls würde ich gerne die Einsamkeit behalten. Ich würde den Sessel sehr gerne behalten.
  • Es wäre besser für mich, wenn es weiterhin so schön ruhig ist. Wenn ich alleine arbeite, fällt es mir viel leichter.

Was hättest du ohne Corona-Fernunterricht noch nicht gelernt?

  • Ich könnte noch nicht sprayen. Denn das habe ich mit meinem Bruder und meinem Vater getan. Ebenfalls wüsste ich wohl noch nicht, wie Teams funktioniert.

Wie erleben Lehrpersonen den Fernunterricht?

Die Umstellung auf den Fernunterricht hat mich als Lehrperson anfangs herausgefordert. Innert Kürze waren neue Ideen für den Unterricht gefragt.

Welche Aufgaben können alle Kinder selbstständig zu Hause lösen, sind interessant, lassen sie neue Erkenntnisse gewinnen ohne sie zu überfordern?

Wie kommuniziere ich mit meinen Schülerinnen und Schülern? Wie funktioniert die digitale Plattform Teams? Welche Tools eignen sich für den Unterricht und welche nicht und welche Regeln im Umgang damit müssen wir kommunizieren?

Wie strukturiere ich meinen Arbeitsalltag? Was ist machbar, was ist illusorisch?

Wir Lehrpersonen arbeiten, sofern es uns möglich ist, mehrheitlich im Schulhaus. Gemeinsame Räume wurden so eingerichtet, dass ein genügend grosser Abstand in der Zusammenarbeit möglich ist. Was anfangs komisch schien, wurde schnell zur Gewohnheit. Viele offene Fragen werden gemeinsam geklärt, Erfahrungen ausgetauscht, Entscheidungen getroffen. Für diesen Austausch bin ich sehr dankbar.

Ich unterrichte gerne Kinder! Im Dialog Fragen stellen, Erkenntnisse teilen und Unklarheiten klären – das ist plötzlich nur noch ganz beschränkt möglich und fehlt mir!

Einmal wöchentlich kommen sie einzeln zu einer fix eingeteilten Zeit ins Schulzimmer, bringen ihre gelösten Aufgaben und holen den neuen Wochenplan. Dass dieser Kontakt wöchentlich stattfindet, ist von grossem Wert: Die Kinder bringen Gefundenes oder Gebasteltes mit, erzählen aus ihrer Freizeit, von Entdeckungen in der Natur, vom Alltag zu Hause, von Lieblingsbüchern, von Freuden und Sorgen in dieser Zeit.

Mit allen Kindern spreche ich zusätzlich einmal wöchentlich am Telefon, mit manchen noch häufiger. Einige nutzen gerne die Videokonferenz zum Lösen von gemeinsamen Aufträgen. Manche melden sich im Chat häufig mit Fragen, andere selten. Manchmal machen wir Videokonferenzen mit Kleingruppen, in denen ein Auftrag gemeinsam gelöst wird oder sich die Kinder Ergebnisse vorstellen. Die Bedürfnisse der Kinder sind sowohl im Schulzimmer als auch im Fernunterricht unterschiedlich.

Ich freue mich sehr, die Klasse vor den Heuferien noch einmal beisammen zu haben. Wir haben alle gemerkt, dass uns die Schule wichtige Begegnungen ermöglicht.

Martina Oettli,
Klassenlehrperson 5./6. Klasse

Der Lockdown und die damit verbundene Schulschliessung kam auch für mich sehr überraschend und stellte mich vorerst vor ein grosses Fragezeichen, wie und in welcher Form ich das distance learning auf Kindergartenstufe umsetzen sollte. Es galt, rasch, sinnvoll, lernwirksam und nicht zuletzt lustvoll für die Kinder etwas auf die Beine zu stellen.

Ich entwickelte die Idee, das Bilderbuch, welches ich geplant habe zu digitalisieren, und die Aufträge darin einzubauen. So arbeitete ich unter Hochdruck, und da meine Tochter an der Pädagogischen Hochschule den Auftrag erhielt, Bilderbücher zu digitalisieren, konnten wir perfekt zusammenarbeiten. Ich geriet regelrecht in einen «flow» und entdeckte, was alles auf dieser Stufe unter den gegebenen Bedingungen möglich ist, wo aber auch Knackpunkte und Grenzen sind. Hier muss ich festhalten, dass der grosse Einsatz der Eltern das Ganze in diesem Umfang erst möglich gemacht hat! An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an alle Eltern! Das Bilderbuch erzählte ich also per PowerPoint-Präsentation und die passenden Aufträge wurden ebenfalls aufgenommen oder gefilmt und gleichermassen darin verpackt. Z.B. einen Zauberhut basteln, einen Spruch auswendig lernen, ein Mandala aus Naturmaterialien kreieren, rhythmisches Zeichnen nach Anleitung, Farben suchen, malen, etwas nach Anleitung bauen, zählen, Denkaufgaben lösen, etwas vergleichen oder die Kinder lernten die Merkmale der Katze kennen, indem sie auf verschiedene Buttons klicken konnten etc. Zwischendurch gab es Tanzpausen zur Auflockerung.

Fertige Arbeiten haben die Eltern fotografiert und mir zugestellt, sodass ich sie auf die Plattform Teams stellen konnte. So konnten die Kinder immer wieder mal gegenseitig ihre Kunstwerke bestaunen. Das Material zu den Aufträgen wurde von den Kindern jeden Mittwoch im Kindergarten abgeholt. Dies ermöglichte uns einen kurzen persönlichen Kontakt. Weiter wurde dieser aufrecht erhalten durch wöchentliche Telefonate und Videotelefons.

Ich empfand die «Corona-Zeit» als eine wirklich spannende Phase in meiner langjährigen beruflichen Laufbahn, muss aber sagen, dass ich mich freue, wieder in direktem Kontakt mit den Schülern unterrichten zu können!

Dagmar Küng,
Lehrperson Kindergartenstufe

Die Fernaufträge für den TTG-Unterricht musste ich zu Hause schreiben. Am Wochenende habe ich dann die Aufgaben und das Material den Klassenlehrpersonen im Schulzimmer bereitgelegt. Kontakt zu den Teamkollegen und den Kindern hatte ich nur per Telefon, Chat oder Videochat. Für die Aufträge habe ich Fotos von möglichst jedem Arbeitsschritt gemacht und die Arbeit mit einfachen Texten beschrieben. Ich wusste natürlich nicht, ob die Kinder den Auftrag verstehen.

Über die vielen tollen Fotos und Videos von den Kindern freute ich mich riesig. Der Kontakt zu den Kindern fehlte mir natürlich sehr.

Barbara Gehr, Fachlehrperson
Textiles und Technisches Gestalten 1.-6. Klasse

Und plötzlich war vieles anders….

Kaum waren wir in der Schule nach den Sportferien gestartet, kam der Fernunterricht. Da ich in Folge meines Alters zur Risikogruppe gehöre, arbeitete ich im Homeoffice und ging bei Bedarf am Abend ins Schulhaus. Schon bald fehlte mir der direkte Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern. Auch der Austausch mit dem übrigen Lehrerteam via Online-Medien war nicht dasselbe.

Der Fernunterricht hatte aber auch seine guten Seiten. Ohne diesen «Lockdown» hätte ich kaum im Bereich Informatik so viel Neues ausprobiert und gelernt. Plötzlich hatte ich am Morgen Zeit zum Zmörgele und zwischen Fernunterricht per Videoanruf auf Teams einen Rundgang im Garten zu machen. Auch meine beiden Katzen genossen es, wenn sie mir «under Tags» gelegentlich um die Beine streichen konnten.

Ruth Moser, Fachlehrperson
Mathematik 2. Klasse und Deutsch als Zweitsprache

Nun, am 11. Mai starteten wir wieder mit dem Präsenzunterricht. Noch nicht alles läuft ganz gewohnt, aber wir sind froh, dass wieder Leben ins Schulhaus einkehrt! Wir sind auch stolz darauf, dass wir gemeinsam – Eltern, Lehrpersonen, Kinder – die Krisenzeit gut gemeistert haben – dank einem riesigen Einsatz aller!

Sandra Blatter, Schulleiterin


Schulagenda

18.05. bis 01.06.2020: Heuferien (inkl. Pfingstmontag)

17.06.: Schulpflege-Sitzung

06.07.: Schulpflege-Sitzung

13.07. bis 14.08.: Sommerferien

Auf Grund der Covid-19-Pandemie müssen wir unsere traditionelle Schulschlussreise vor den Sommerferien absagen.

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