Turnfahrt: Wanderung oder Bergbesteigung?

Samstag der 19. September, frühmorgens um 6:15. Ein Grossteil des Turnverein Thalheim, ganze 23 Leute, versammelte sich beim heimischen Bahnhof. Die meisten blickten zwar noch etwas müde aus der Wäsche, aber die Vorfreude auf die kommenden zwei Tage Turnfahrt war spürbar. Rucksäcke wurden verglichen und manche präsentierten stolz ihre extra neu erworbene Ausrüstung.

Mit dem Zug ging es erstmal nach Winterthur, wo sich die einen noch ihr Frühstück besorgten und dann weiter mit Zug und Postauto bis nach Unterwasser.

Dort angekommen, sollte die Wanderung sogleich losgehen, doch man hatte die Rechnung ohne die vollen Blasen der Mitwanderer gemacht. Da es an der Haltestelle bloss eine gemeinsame Toilette für Männlein und Weiblein gab, zog sich das ganze so in die Länge, dass einige beschlossen, die Wartezeit lieber in einer Beiz beim Kaffee zu verbringen. Schlussendlich waren dann aber doch alle zum Loswandern bereit.

Da die Wettervorhersagen alles andere als Sonnenschein angekündigt hatten, trugen die meisten mehrere Shirts und Pullover übereinander und auch die ersten Mützen waren schon montiert. Doch bereits nach wenigen zurückgelegten Höhemetern kamen alle beträchtlich ins Schwitzen und die oberste Schicht Pullover wurde im Rucksack verstaut.

Ein Teil der Gruppe machte unterwegs noch einen Abstecher zu den Thurfällen, während der Rest sich mit den bevorstehenden 5½ Stunden Wanderzeit zufrieden gab. Schon bald bildeten sich Grüppchen mit unterschiedlichem Tempo und so trafen früher oder später alle beim Rastplatz «Chlingen» ein, wo wir unser mitgebrachtes Essen aus dem Rucksack genossen.

Gestärkt machten wir uns dann auf den zweiten Teil der Wanderung, die, vor allem gegen Ende schon fast als Bergbesteigung bezeichnet werden konnte. Teilweise musste man sich an Stahlseilen im Berg festhalten und die Wege waren einzig an den rot-weissen Markierungen zu erkennen. Dazu zog Nebel auf und die Temperatur sank mit jedem Höhenmeter. Doch wir waren ja vorbereitet und nach einem wärmenden Zwischenstopp im Tierwies fühlten sich alle bereit, auch noch das letzte Stück auf den Säntis zu wagen. Da es durch den langsam einsetzenden Nieselregen etwas rutschig wurde, bekamen die Nichtschwindelfreien zum Schluss dann doch noch ein etwas mulmiges Gefühl, als sie die letzte Steigung vor dem Ziel erblickten. Beinahe senkrecht schien es hinauf zugehen und die Metalltritte, die man als Kletterhilfen in den Berg geschlagen hatte, waren zum Teil schon etwas wackelig. Doch wir meisterten auch diese Hürde. Leider wurden wir nicht wirklich mit einer tollen Aussicht belohnt. Knapp zwei Meter reichte die Sicht von der Gipfelplattform aus in eine dichte Nebelwand. Aber was soll’s, wir hatten es geschafft und das war ein tolles Gefühl.

Wie japanische Touristen stürzten sich einige von uns in den Touristenshop und waren begeistert von den tollen Accessoires und Souvenirs im Angebot.

Danach ging es unter die wohlverdiente Dusche und wir bezogen unser Zimmer. Übernachtet wurde in einem Massenlager auf dem Alten Säntis.

Das Nachtessen schmeckte allen gut und bald wurde an beiden Tischen «Hose abe» oder andere Spiele gespielt. An unserem Tisch gewann das Spiel gehörig an Spannung, als der Präsi seinen spendierten Schnaps als «Trostpreis» aussetzte für denjenigen, der sein letztes Leben zuerst verliert. Da niemand wirklich scharf auf dieses Gesöff war, packte alle der Ehrgeiz. Es wurde ein geselliger Abend und die Stimmung war sehr ausgelassen. Die einen zog es dann langsam ins Bett, währen die anderen noch eine Runde weiter jassten. Als dann um ca. 1 Uhr nachts auch noch die Letzten dem Weg ins Massenlager suchten, ging das leider nicht ganz so leise zustatten, wie sich das einige andere gewünscht hätten. So wurden alle die noch oder wieder wach waren Zeugen von doch recht unterhaltsamen Gesprächen. Schliesslich kehrte dann doch Ruhe ein und am nächsten Morgen fanden sich alle schon recht früh beim Frühstück ein.

Da es über Nacht geschneit hatte, entstand die Diskussion, ob die Wanderung nicht zu gefährlich sei. Man entschied sich, denn Wirt zu fragen. Dieser meinte jedoch das sei gut machbar und so war die Sache beschlossen. Da daraufhin jedoch die Abreise um fast eine Stunde nach vorne verschoben wurde, kamen einige recht ins Hetzen und liessen die anderen eine Weile warten.

Das erste Stück Abwärtsweg war wieder recht steinig und rutschig und zudem hatte ein leichter Regen eingesetzt. Darum waren wohl alle froh, als wir beim Mesmer ankamen und ein wärmendes Getränk bestellen konnten. Bald darauf ging es aber auch schon weiter und glücklicherweise hatte es nun auch aufgehört zu regnen.

Vorbei am schönen Seealpsee führte uns die Reiseroute zum Restaurant Forelle, wo sich jeder nach Geschmack seinen Zmittag bestellte. Die restliche Strecke bis nach Wasserauen war dann eigentlich nur noch ein Spaziergang. Zum Marschrhythmus von «En Huet, en Stock, en Regeschirm» (natürlich mit leicht abgeändertem Text;)) war auch dieser schnell bewältigt.

Nach der letzten Einkehr düsten wir schliesslich im Bistrowagen des Zuges heimwärts. Dabei wurde bedauert, dass die extra eingepackten Singbüchlein nicht zum Einsatz gekommen waren, worauf dann in der S29 nach Thalheim doch noch einige eine Kostprobe ihres Könnens abzugeben wussten. Zwar ohne Buch, dafür auswendig und natürlich a cappella. Mit Hits wie «Ewigi Liebi», «Schwan» oder «Titelgschicht» schienen sie beim Publikum anzukommen. (Stimme aus dem Publikum: «Also ich wür a es Konzert vo eu cho! ;)) Glücklich und müde kamen wir schliesslich wieder am Bahnhof an.

Die Turnfahrt war ein tolles Erlebnis und wird uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Ein Dankeschön hier an Ralf, der die ganze Reise super organisiert hat und der sich, trotz den zum Teil gegensätzlichen Forderungen der Teilnehmer, nie aus der Ruhe hat bringen lassen 😉

Sheila Graber

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