Brückeneinsturz Gütighausen vor 100 Jahren

Der Lärm muss den Einwohnern von Gütighausen wohl eine Gänsehaut beschert haben, als am 14. Mai 1913 die eiserne Strassenbrücke bei Gütighausen einstürzte. Denn wenn sich Metall verbiegt, dann gibt das einen Ton, der wohl so unerträglich ist, wie wenn man mit einer Kreide über eine Schiefertafel fährt, einfach noch ein um vielfaches lauter.

Die 1880 gebaute, 67,5 Meter lange, Brücke hatte erhebliche Konstruktionsmängel und war zudem für die, trotz mässigem Verkehr, zu diesem Zeitpunkt aktuellen Lastwagen zu leicht.

Seit März 1913 waren Verstärkungsarbeiten im Gange um den Mangel zu beheben. Im Zuge der Verstärkungsarbeiten sollten die Längsträger für die hölzerne Fahrbahn ersetzt, je eine Lamelle oben und unten an den Querträgern aufgenietet und zu guter letzt der Windverband ersetzt und die Unter – und Obergurten und einzelne Strebenanschlüsse ersetzt werden.

Die Arbeiten waren so weit fortgeschritten, dass nur noch der Windverband und die oberen Gurten verstärkt bzw. ersetzt werden mussten. Doch am 14. Mai 1913 um 10:45 Uhr wurden diese Arbeiten durch den Einsturz der Brücke hinfällig. Von den sieben auf der Brücke beschäftigten Arbeitern wurden zwei schwerer, aber nicht lebensgefährlich verletzt.

Warum ist die Brücke eingestürzt? Bei der Besichtigung zeigte sich an den Bruchstellen abnormale Beschaffenheit des Materials, sowie viele alte Bruchfugen. Beim Umbau wurden beim Umbau des Windverbandes diverse Querverstrebungen entfernt, was die Stabilität und Knicksicherheit der Brücke beeinträchtigte. Weiter wurde beim Bau der Brücke 1879/80 Material mit mittelmässiger Qualität, wie bei vielen Brücken dieser Zeit, verwendet. Dies alles hat schlussendlich zu dem Einsturz der Brücke geführt.
Im Frühjahr 1915 wurde dann die, noch heute stehende, stärkere Brücke fertig gestellt.

Brückenmasse:
Spannweite: 67,55 Meter
Fahrbahn: 2,5 Meter
Gehwege: je 0,81 Meter pro Seite
Last: 400 kg/m²

Die Nutzlast von 400 kg/m² entsprechen einem Lastwagen mit 14 Tonnen oder einer Strassenwalze mit 18 Tonnen und entspricht der Eidg. Brückenverordnung vom 7.6.1913, Klasse II/B (wichtigere Nebenstrassen).

Quelle: Text: Schweizerische Bauzeitung Band 61/62 (1913), Heft 21 Seite 283, Heft 22 Seite 298, Band 67/68 (1916), Heft 14 Seite 172/173

Fotos: AWEL, E. Bucher
Idee: Peter Gysi
Realisation: E. Bucher

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