Leserbrief: Verantwortung übernehmen

Liebe Leserinnen und Leser

Vor zirka dreissig bis 35 Jahren, als ich in Thalheim zur Schule ging, war so einiges anders als heute.


Unsere Klasse gab zu reden und wurde – für damalige Verhältnisse – als «nicht ganz einfach zu führen» bekannt. In der ersten bis sechsten Klasse waren wir dreizehn Schüler und sicherlich ein gut eingespieltes «Lusbuebe-und-Maitli-Team», das den Lehrern alles abverlangte! Früher wurden Probleme in Schulen angegangen und gelöst. Wenn nötig, ergriff der Lehrer ein Machtwort und stellte uns Störenfriede in den Senkel, damit die Klasse ihrer Aufgabe wieder nachgehen konnte.


Jetzt und heute habe ich selber Kinder. Mir fällt auf, dass auch heutzutage ähnliche Probleme in den Klassen vorhanden sind, die lösbar wären – wie dazumal zu meiner Schulzeit! Mit dem einzigen Unterschied, scheint mir, dass sie heute nicht gelöst werden, weil niemand mehr bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und die Kinder zu führen! Nur so kann ich mir erklären, dass an unserer Thalheimer Schule ein Programm Namens «Pfade» eingeführt wurde, das den Kindern helfen soll, sich selber Strategien beizubringen, damit sie lernen, sich im sozialen Umgang mit Erwachsenen und ihren «Gschpändli» bestmöglich zu verhalten!? Falls den Kindern dies trotzdem nicht gelingen sollte, ist dafür ein so genannter Schulsozialarbeiter abrufbar, der sich einmal wöchentlich mit «Täter und Opfer», damit meine ich Kinder vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse, anfreunden tut und den Betroffenen helfen soll, sich angemessen zu verhalten. Und all das während der Schulzeit, die meiner Meinung nach da wäre, um zu lernen.


Auch zu denken gibt mir, dass Schulkinder in Thalheim selber entscheiden müssen, wann sie gewisse Prüfungen absolvieren. Und für welchen Schwierigkeitsgrad sie sich entscheiden, sei auch ihnen zu überlassen. Damit ein prüfungswilliges Kind auch die nötige Ruhe einfordern kann, sind im Schulzimmer einige Gehörschütze vorhanden, von denen ruhebedürftige Kinder Gebrauch machen können. Zu meiner Schulzeit war es keine Frage, ob im Schulzimmer ein lernfreundliches Klima herrschen solle oder ob sich Kinder vor Störfaktoren selber schützen müssen. Für mich ist klar, wir brauchen keine Psycho-Programme, Sozialarbeiter oder sonstigen Schnickschnack, sondern wir brauchen gesunden Menschenverstand und Eltern, die die Lehrer bestärken, Führung und Verantwortung zu übernehmen. Und auch eine politische Kehrtwende ist ein Muss. Ich kann mit bestem Willen nicht verstehen, weshalb an Schweizer Schulen so umstrittene Psychopraktiken aus Amerika angewendet werden sollen, wenn man bedenkt, dass da, wo «Pfade» herkommt, manche Schuleingangstür mit Türsteher und Pump-Gun bewacht werden muss, damit Störenfriede sich nicht entfalten oder gar Amok laufen!


Liebe Leserinnen und Leser


An dieser Stelle möchte ich hinterfragen, ob wir derartig umstrittene Lehrmittel in Volksschulen anwenden sollten oder es manchmal nicht einfach bei Altbewährtem belassen könnten. Erziehen wir gemeinsam unseren Nachwuchs, Eltern und Schule! Schlussendlich geht es um die Zukunft von uns allen. Ich selber habe keine Lust, mich als Rentner von elfjährigen pöbelnden und orientierungslosen Weicheiern beschimpfen zu lassen! Denn das könnte passieren, wenn sich Kinder selber erziehen müssen.


Guido Roggensinger

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