Tier des Jahres ist die Geburtshelferkröte

Ihr glockenartiger Ruf ist so aussergewöhnlich wie ihre Brutpflege. Mit der Geburtshelferkröte kürt Pro Natura eine stark bedrohte Amphibienart zum Tier des Jahres.

Die Lebensweise der Geburtshelferkröte ist einzigartig unter den einheimischen Amphibien. Während Wochen trägt der Krötenvater die Eier huckepack. Sind die Kaulquappen schlupfbereit, liefert er sie prompt und zuverlässig am Gewässer ab.


Mit der Wahl des fürsorglichen «Glögglifroschs» zum Tier des Jahres 2013 macht Pro Natura auf den dramatischen Rückgang der einheimischen Amphibien aufmerksam und fordert mehr Feuchtgebiete für Frösche und Kröten, Molche und Salamander.

Nachtaktive Insektenfresser

Die Geburtshelferkröte ist gerade einmal 3,5 bis fünf Zentimetern gross. Ihre Oberseite ist gräulich, der Bauch weisslich. Eine Reihe vergrösserter, oft rötlich gefärbter Warzen zieht sich über ihre Flanken. Faszinierend sind die grossen, goldenen Augen mit senkrechter Pupille.


Tagsüber versteckt sich die Geburtshelferkröte in Erdhöhlen und Mauslöchern, unter Steinen, in Mauerfugen, Sandhaufen oder Gartenbeeten. Ist es warm und feucht genug, verlässt sie abends ihren Schlupfwinkel und geht auf Nahrungssuche. Ein besonderer Feinschmecker ist sie nicht:: Sie schnappt sich ziemlich alles, was ihr vors Maul kriecht und kleiner ist als sie selbst, wie Insekten, Spinnen, Asseln, Schnecken und Würmer.

Konzert der Kavaliere

«Glögglifrosch» nennt der Volksmund die Geburtshelferkröte.


Von Ende März bis August buhlen die Männchen abends mit hellen, kurzen Lauten um die Gunst paarungsbereiter Weibchen. Was im Solo an einen Funkton erinnert, klingt im Chor wie ein mehrstimmiges Glockenspiel. Hat einer der singenden Kavaliere ein Weibchen für sich gewonnen, umklammert es dieses mit den Vorderbeinen. Ein langes und kompliziertes Paarungsritual beginnt.

Paarung an Land

Anders als alle anderen Froschlurche paaren sich Geburtshelferkröten an Land und legen ihre Eier nicht in ein Gewässer ab. Vielmehr formt das Krötenpaar mit allen vier Hinterbeinen sorgsam ein Körbchen. In dieses entlässt das Weibchen zwei Laichschnüre, die vom Männchen sofort besamt werden. Schliesslich reckt und streckt das Männchen seine Hinterbeine mehrmals durch das Gewirr der Laichschnüre, sodass sich diese um seine Fersengelenke wickeln.

Eier 3-6 Wochen Huckepack

Die kostbare Fracht gut vertäut an den Beinen, sucht sich der Krötenvater ein feuchtwarmes, für die Eireifung günstiges Versteck. Nach drei bis sechs Wochen Hütedienst bringt er die reifen Eier zum Gewässer, sowohl Tümpel und Weiher als auch langsam fliessende Abschnitte von Bächen oder Flüssen. Innert Minuten beginnen die Larven zu schlüpfen.


Die Kaulquappen verwandeln sich entweder noch im selben Herbst in landlebende Tiere oder überwintern als Larven im Gewässer.

Landleben als Erwachsene

Einmal dem Wasser entstiegen, verbringen Geburtshelferkröten den Rest ihres Lebens an Land. Sie siedeln sich deshalb nur dort an, wo sie nahe am Gewässer auch den passenden Landlebensraum finden: Böschungen mit lockerem, grabbarem Boden. Diese Nähe von Wasser- und Landlebensraum findet die Geburtshelferkröte vor allem in Auengebieten, Rutschhängen, Kiesgruben und Steinbrüchen, aber auch an günstig gelegenen, meist fischfreien Weihern und Teichen.

Glögglifrosch in Not

Die Geburtshelferkröte gilt in der Schweiz als stark gefährdet. In den letzten 25 Jahren ist rund die Hälfte ihrer Vorkommen erloschen. Doch nicht nur der Glögglifrosch ist in Bedrängnis. Von den zwanzig einheimischen Amphibienarten stehen 14 auf der Roten Liste. Eine davon gilt in der Schweiz bereits als ausgestorben.

Ein Problem sind kanalisierte Bäche

Amphibien brauchen Gewässer als Lebensraum. Doch das viel gepriesene «Wasserschloss Schweiz» ist heute zu trocken. Flüsse wurden kanalisiert, Bäche eingedolt, Weiher und Tümpel trockengelegt, feuchte Wiesen drainiert. Insgesamt wurden neun von zehn Feuchtgebieten trockengelegt. Besonders rar sind jene Gewässer geworden, die ab und zu austrocknen. Dabei sind gerade diese für seltene Amphibienarten ein Paradies, weil in ihnen kaum Fressfeinde wie Fische oder Libellenlarven leben.


Wir Altiker und Thalheimer haben Glück: wohnen wir doch abseits der grossen Verkehrsströme an der renaturierten Thur, so dass wir – auch Biber sei Dank – überall auf neu geschaffenen Lebensräume treffen können: Vielleicht gehören deshalb dieses Jahr auch Sie zu den wenigen Glückspilzen, die das Gloggenspiel der Geburtshelferkröten einmal zu Gehör bekommen!!


Kommen Sie mit auf unseren Exkursionen oder an einen der monatlichen Naturspaziergänge. Mit offenen Sinnen sind wir auf der Spur von all den kleinen Wunderdingen um uns herum. Infos auf unserer Homepage www.natur4ort.ch.


Fide Meyer, Feldi (Präsidentin Natur-und Vogelschutzverein Altikon), Text (gekürzt) von Pro Natura Schweiz

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