Gedankenflug: Zum x-ten Mal eine versperrte Strasse

Letzte Woche habe ich mich fürchterlich geärgert. In der Mitteldorfstras­se in Gütighausen stand zum x-ten Mal, seit dort Häuser gebaut werden, ein Lastwagen so blöd, dass man mit dem Auto nicht vorbei kam. Mehrere Lieferwagen standen auch noch da. Doch eine kleine Umleitungstafel, irgendein Hinweis darauf, dass die Strasse nicht passierbar ist, fehlte. Wäre eingangs und am Ende der Strasse so eine Tafel gestanden, hätte ich ganz einfach einen kleinen Umweg fahren können. Doch so stand ich mitten drin, manövrierte mich mühsam wieder zurück – und natürlich verpasste ich dann den Zug am Bahnhof Thalheim. Wie gesagt: ich ärgerte mich.

Am Abend bekam ich den Anruf einer Freundin, die eine schwierige unheilbare Krankheit hat. Sie war traurig, die Krankheit schreitet unaufhaltsam weiter. Und dennoch brachte sie es fertig, zum Schluss unseres Gesprächs von einem schönen Treffen mit Freunden zu erzählen, einen Spruch zu machen und damit ein Lächeln in mein Gesicht zu zaubern.


Vor dem Einschlafen flogen meine Gedanken zwischen diesen beiden Erlebnissen hin und her. Ich schämte mich ein wenig, dass ich mich so sehr geärgert hatte wegen eines dummen Lastwagenchauffeurs. Wegen eines verpassten Zugs. Ich dachte, man sollte öfters lächeln oder lachen, einfach so – dann sieht die Welt gleich besser aus. Auch grundlos lächeln verbreitet eine angenehme Stimmung und tut einem selbst gut. Ich habe es mir vorgenommen.

Doch mein Lächeln oder Lachen soll – wenn auch ohne konkreten Grund – doch echt sein. Es muss stimmen für mich. Auf keinen Fall darf es künstlich sein, so wie alle die miesepetrigen Lächeln, welche noch bis zu den Wahlen am 22./23. Oktober an sämtlichen Plakatwänden und Laternenpfählen hängen. Diese Lächeln sind tiefgefroren in den Gesichtern. Nur ein einziges Plakat habe ich gesehen, auf welchem ein Ständerat herzerfrischend lacht, als ich kürzlich im Kanton Baselland war. Claude Janiak. Das wäre doch eine gute Idee, wenn bei nächsten Wahlen einige Kandidatinnen und Kandidaten so richtig losprusten würden auf einem Schnappschuss. Oder dann einfach auf natürliche Art ernst in die Kamera schauen. Ernst war immer auch Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger. Den mit einem Lachen zu erwischen, das war für die Fotografen und Kameraleute eine Glückssache.


Ursy Trösch

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.