Eingesandt: Schweizermeisterschaft im Stepptanz

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn sie das Wort Stepptanz hören? Eine amerikanische Tanzart, verrauchte Salons, ältere, in schwarz gekleidete Herren mit Zylinder?

In der Tat entstand Stepptanz in den USA, genauer im New Yorker Stadtteil Five Points, wo verschiedene ethnische Gruppen um 1830 zusammenkamen und Wettbewerbe veranstalteten, um einander neue Bewegungen vorzustellen. So entstand eine Mischung aus afrikanischem «Gummistiefel-Tanz» (Shuffle), irischem, schottischem und englischem Step-dance mit Einfluss vom Tanzstil Jig. Seine Blütezeit hatte der Tap dance, wie man ihn englisch nennt, zwischen 1900 und 1955. Früher benutzte man Holzsohlen, die heute von Metallplatten an der Spitze und dem Fersen der Schuhe abgelöst wurden. So wird der Tänzer zum Percussionist, der mit seinen Füssen die Musik rhythmisch ergänzt.


Schwarz und jazzig ist der heutige Stepptanz jedoch nicht mehr. Vielmehr fröhlich, bunt, zu jeder rhythmischen Musik tanzbar – und jung. Hannah-Joy Riegel (8) aus unserem Dorf wird dieses Jahr das erste Mal an der Schweizermeisterschaft teilnehmen.


Möglich gemacht hat dies ihre Tanzlehrerin Liba Borak, eine geborene Tschechin, die die Stepptanz-Szene in der Schweiz massgeblich mitgeprägt hat.

Schon als 3jährige wusste die temperamentvolle Frau mit einem grossen Herzen für die Kinder, dass sie Tänzerin werden wollte. Ihr Talent wurde schnell entdeckt und gefördert, später absolvierte sie eine Ballettschule, war zehn Jahre lang am Staatstheater in Ostrawa, bevor sie sich 1981 in der Schweiz niederliess und in Winterthur Wülflingen eine Tanzschule gründete. Schon lange organisiert sie jedes zweite Jahr die Schweizermeisterschaften im Stadttheater.


Hannah-Joy gehört zu Libas zweitkleinsten Steppanfängerinnen. Dazugekommen ist sie zufällig. Eine Kollegin ging zu Liba ins «Babyballett» und dort wurden noch Kinder gesucht für einen Schnupperkurs im «Baby Step». Danach war ihre neue Leidenschaft geboren!


Die Chancen dieser Kleinen, die erst seit knapp anderthalb Jahren tanzen, einen Preis zu gewinnen, wird nicht sehr gross sein. In der Kategorie Kinder treten 3-11jährige an.

Doch das stört Hannah-Joy und ihre Kolleginnen nicht; voller Eifer und Begeisterung sind sie dabei. Schliesslich haben sie ein grosses Vorbild direkt vor der Nase: Daniel Borak (22), Sohn von Liba und zweifacher Weltmeister im Stepptanz – auch er hat mal klein angefangen …


Ein Highlight letztes Jahr war die Aufführung «Crescendo», bei der die gesamte Tanzschule Liba Boraks mitgemacht hat. Das grosse Vorbild live zu sehen und mit ihm tanzen zu können, hat viele der keinen und grösseren Tänzer begeistert.


Es ist denn auch nicht in erster Linie die Strenge oder «Ambitionen», die im Unterricht dominieren, sondern die Freude an der Bewegung, dem Rhythmus, dem Tanzen und an der Musik.

Geübt wird auch mit Ausdauer zu Hause mit poppiger Musik und als Hilfe nebenbei eine Videoaufnahme des Tanzes.


«Shuffle – Stepp!» tönt es aus dem Übungsraum. Die Ausdrücke bezeichnen gewisse Schrittfolgen und Stepptechniken.


Nach 50 Minuten Training posieren sie fürs Schlussfoto – dann ziehen sich die fünf bis Neunjährigen ziemlich müde aber glücklich wieder um.


Vielleicht hat es sie etwas «gluschtig» gemacht, einmal eine Aufführung zu besuchen? Dann würde es uns freuen, sie am 18./19.Juni im Stadttheater willkommen zu heissen. Sie werden Vorführungen von Steppschulen aus der ganzen Schweiz sehen in den Kategorien: Solo, Duo, Trio, small group (kleine Gruppen) und Formationen (grosse Gruppen), von Kindern (Sonntag), Junioren (Samstag) bis zu Erwachsenen (Gala Finale Elite Samstagabend).


Und falls sie der Stepptanz dann nicht mehr loslässt bietet Liba Borak immer wieder Schnupperkurse für Kinder und Erwachsene an. Nähere Infos zur Schule und zur Schweizermeisterschaft finden sie unter www.dancestudio.ch.


Tanja Riegel

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