Gedankenflug: Viele Weihnachtserinnerungen

Heute habe ich einen schönen Satz gefunden: «Alle Erinnerungen an die Vergangenheit nähren meine Gegenwart, um der Zukunft Hoffnung zu geben.» (*) Erinnerungen …

Seit Wochen steht, liegt, hängt in den Läden schon Glitzriges für Weihnachten – ich habe es nicht gesehen. Ich ging daran vorbei, weil es so gar nicht stimmen wollte in den prächtigen Herbsttagen. Wenn der Dorfmärt in Thalheim alljährlich seine Romantik und Poesie wirken lässt, beginnt auch bei mir das vorweihnächtliche Gefühl zu wirken. Und dann tauche ich ab in die Erinnerungen. In meine Kindheit.


Weihnachten ist vermutlich das Fest, mit welchem viele Menschen viele Erinnerungen verbinden. Gute und weniger gute. «Chnöpfli mit Bölleschweitzi» – das habe die Grossmutter immer gemacht zum Poulet – wunderbar! So schwärmt meine bessere Hälfte. (Keine Chance für meine Knöpfli, ist ja klar.)


Bei mir ist es eher die unselige Geschichte mit dem Leder-Fussball. Er lag unter dem Baum bei Grosstante und Grossonkel. Er hatte ihn selbst gemacht, er war Sattlermeister. Kaum war die Türe einen Spalt breit offen, stach mir der Ball ins Auge. «Den will ich aber nicht» sagte ich ohne zu zögern. Erstaunt sahen mich meine kleine Schwester und eine ältere Cousine an. Natürlich war er für mich – wie peinlich.


Oder als mein Vater sich selbst zu Weihnachten eine neue Füllfeder schenkte! Mit schelmischem Gesichtsausdruck kam er aus dem Schlafzimmer, wo immer alle Geschenke versteckt waren vor der Bescherung, und hielt ein kleines Päckli in der Hand. Das habe er gerade noch gefunden – da stehe drauf «Vom Cläry für dr Walti». Also von Mutter für ihn. Meine Mutter machte grosse erstaunte Augen. Er packte genüsslich sein Geschenk an sich selbst aus – und musste sich diese Geschichte dann jahrelang an jedem Heiligabend anhören.


Ich könnte noch Seiten füllen mit Weihnachtserinnerungen aus der Familie, aus dem Bekannten- und Freundeskreis. Erinnerungen, glitzrig, farbig, lustig, manche ein wenig traurig – aber alle irgendwie schön. Wie wählt eigentlich unser Gedächtnis die Geschichten und Augenblicke aus, die es behalten möchte? Und die andern, die man nie mehr ansehen will oder kann? Sicher gibt es dazu gescheite Studien und Erkenntnisse. Doch in dieser Vorweihnachtszeit ist eigentlich nur wichtig: sie werden alle wieder da sein, sobald die Kerzen am Baum brennen, die Düfte und Bilder aus der Kinderzeit.


Ursy Trösch


(*) aus «Allein unter Gurken» von Andreas Hoppe, Pendo Verlag.

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