Gedankenflug: Barack Obama und James Bond

Sie sind anfangs Monat fast gleichzeitig auf die Bühne dieser Welt getreten: Barack Obama, der neue Präsident der USA und James Bond in seinem neuen, dank dem Regisseur «schweizerischen» Film.

«Change», Wechsel, Veränderung will der neue US-Präsident – dass er als Dunkelhäutiger überhaupt gewählt wurde, ist bereits der Auftakt dazu. Anders ist auch der neue Bond – ernsthafter, nachdenklicher wirkt er. «Change», Wechsel, Wandel – diese Begriffe haben für mich zwei völlig entgegensetzte Qualitäten.


Fangen wir an mit der unangenehmen Seite, mit dem Wandel, den ich nicht verputzen kann. Es ist diese Hetze nach dem immer Neuen, dem vermeintlich Aktuellen, dem Trend von übermorgen. Von der Kleidermode über die Bars und Beizen bis zur Sprache und der Aufmachung der Medien. Nein, ich kann es nicht mehr hören, wenn der «Relaunch», der Neustart einer Zeitung mit veränderter Aufmachung oder die aufgemotzte Speisekarte eines bisher guten Lokals angekündigt wird. Wie lange diese Wechsel Bestand haben, steht jeweils in den Sternen. Dass die kühle, moderne Weihnachtsbeleuchtung an der Zürcher Bahnhofstrasse, die «ums Verworge» durchgesetzt wurde, schon wieder abgedankt hat und als Sternenhimmel wie früher zurückkommt, ist tröstlich.


Heisst aber Wandel, Wechsel, «Change», dass wir nicht stehen bleiben dürfen, uns nicht zufrieden geben sollen in einem bequemen Leben, dann ist es eine gute Sache. Wenn wir auch als Erwachsene und vielleicht sogar als ältere Menschen immer wieder Neues lernen, auch von jungen Leuten etwas akzeptieren, dann ist Wandel schön. Noch wichtiger ist eine Veränderung, wenn wir fest stecken in einer unguten Situation, die uns belastet – dann braucht es Energie und Mut für einen Wechsel. Abgesehen von unserem ganz persönlichen Leben: Die Millionen Menschen, die in bitterer Armut leben, haben Anrecht auf eine Veränderung, eine Verbesserung ihres Daseins. Das ist die gute und notwendige Seite von «Change».


Was mir gerade durch den Kopf geht: Wird der Wandel einmal so weit gehen, dass nach dem ersten afroamerikanischen US-Präsidenten auch ein dunkelhäutiger Schauspieler den Bond spielen darf?


Ursy Trösch

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