Eingesandt: Verwundert?

Wie schnell sich doch das Leben ändern kann, hat unsere Familie Anfangs März auf schmerzliche Art und Weise erfahren müssen.

Vom Unfall unseres Vaters weiss inzwischen jeder Bewohner dieser Gemeinde. Alle waren sehr betroffen und konnten kaum glauben, dass so ein blöder Ausrutscher im Garten, solche Folgen haben kann. Man muss sich das mal vorstellen: Paps fällt genau in einen Metallstab an dem Rosen hinauf wachsen. Der dringt unter dem Auge durch die Augenhöhle in den Kopf und schliesslich ins Hirn ein! Dieser Schmerz! Dann zieht er den Stab wieder heraus und das bei vollem Bewusstsein, kämpft sich noch nach vorne auf die Terrasse um Hilfe zu holen, bricht dann aber bewusstlos zusammen! Zum Glück findet Ihn aber der Nachbarsjunge, Manuel Kammacher, und ruft schnell Hilfe.


Meine Familie und unser Mami kamen nichts ahnend aus den Ferien und sehen noch den Ambulanzwagen davon fahren. Der Schock war gross und wurde noch grösser, als die Nachricht vom Spital kam, dass wir mit dem Schlimmsten rechnen müssten.


Schweres Schädel-Hirntrauma und einiges mehr waren die Folgen dieses Unfalls. Unserer Familie wurde angst und bange und ich als ehemalige Krankenschwester hatte so eine leise Ahnung, was auf uns zu kommen könnte. Was würde sein mit unserem Vater, wenn er aus dem künstlichen Koma erwachen würde? Ob er überhaupt wieder erwacht? Tausend Fragen? Wir informierten uns sehr genau und setzten uns mit Allem auseinander. Jeder von unserer Familie tat das auf seine eigene Art und Weise und wir waren so oft wie nur möglich bei unserem Vater im Spital. Auch alle seine Enkelkinder durften ihn besuchen, was für die Kleinen sicher nicht immer so einfach war, den Grosspapi so leblos da liegen zu sehen.


Papa sollte unsere Anwesenheit spüren und merken, dass wir ihn noch brauchen und er sich nicht so «einfach aus dem Leben davon stehlen kann». Wir durften auch mit Musik, Heilsteinen, Massagen, Energiearbeit, Farbtherapie und positivem Denken und vor allem mit unserer Anwesenheit viel beitragen. Das war eine einzigartige Erfahrung mit der Intensivstation eines Spitals so zusammen arbeiten zu können. Die Medizin war für das Körperliche und wir für das Seelische zuständig. Medizinisch wurde das volle Programm durchgeführt, aber Paps wollte einfach nicht aufwachen! Wir haben aber nicht locker gelassen und siehe da, wider erwarten der Aerzte überraschte Paps uns plötzlich mit ersten Reaktionen, nach drei langen Wochen! Wir waren einfach nur «happy».


Ob sich wohl Papas Seele entschieden hat, seinem Körper doch nochmals eine Chance zu geben!? Dafür haben wir gekämpft und für seine Heilung. Die Frage war jetzt, was für Schädigungen bleiben zurück. Von da an war die Genesung kaum aufzuhalten und die schlechten Prognosen der Ärzte sind zum Glück nicht eingetroffen. Er hat geredet, uns erkannt, den Unfall noch gewusst. Er wusste wer er ist und wer er vor dem Unfall war, einfach wunderbar! Für mich persönlich war es einer der schönsten Momente in meinem Leben, denn alle körperlichen Einschränkungen dachte ich, seien halb so schlimm! Es war eine belastende Zeit für uns, vor allem psychisch und emotional, aber auch befreiend zu wissen, dass jetzt alles Gut kommen kann. Davon waren wir alle überzeugt!


Der nächste Schritt war die Rehabilitation in Zihlschlacht, wo man für Vieles kämpfen musste. Zum Erstaunen aller, hat sich unser Vater ziemlich schnell erholt, wohl weniger wegen den Therapien, sondern einfach weil er es wollte! Und so schnell wie möglich nach Hause war sein Ziel! «Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!»


Seit dem 16. Juni ist er nun zu Hause, und hält vor allem Mami auf Trab! Ich bin glücklich und dankbar, auch weil dadurch wieder etwas mehr Ruhe in mein eigenes Familienleben eingekehrt ist. Die Operation am Kopf hat er nun auch überstanden, aber trotz allem hat er noch einen weiten Weg vor sich, mit verschiedensten Therapien.


Ich für meinen Teil habe sehr viel gelernt und meine Stärken und Schwächen wieder vor Augen! Und so geht es hoffentlich jedem von unserer Familie! Ich glaube jedenfalls, dass der Sinn und Zweck des Lebens nach so einem Einschnitt, nicht darin besteht, dort weiter zu machen, wo man aufgehört hat, sondern diese «Krise» als Chance zu nutzen und die bisherige Lebensweise neu zu überdenken und möglicherweise einiges zu ändern.

«Unser Körper ist unser Heim, auf den sollten wir achten und hören!»

Zum Abschluss möchte ich erwähnen, das was unserer Familie vor allem geholfen hat, sind die vielen lieben Worte, positiven Gedanken, Wünsche und Angebotshilfen und das Mitgefühl vom ganzen Dorf. Diese positiven Energien hat auf jeden Fall auch unser Vater gespürt und hat viel zur Genesung beigetragen. Auch bei meiner Geburt der Zwillinge haben wir diese Energie schon einmal erfahren dürfen und nicht zuletzt deshalb wollten wir uns auf diesem etwas wunderlichen Weg für alles herzlich bedanken.


Es scheint, als ob sich die schlechten Prognosen in unserer Familie einfach so in Luft auflösen und dadurch einem Wunder Platz machen.


Es ist wunderbar so eine gewaltige Unterstützung vom ganzen Dorf spüren zu dürfen.


Angelika Stadler-Reinle

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