Alkoholprobleme gehen alle an

Fast die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer gibt an, einen Menschen mit Alkoholproblemen im Verwandten- oder Bekanntenkreis zu haben. Das zeigt eine Umfrage der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA). Dennoch sind Alkoholprobleme noch immer ein Tabu: Darüber zu reden oder sich Hilfe zu suchen, fällt den Betroffenen und ihren Angehörigen meist schwer. Um den Dialog in der Gesellschaft anzuregen und Alkoholkranke sowie Nahestehende zu unterstützen, lanciert die SFA eine nationale Kampagne.

Alkoholprobleme – was können Nahestehende tun?

Die meisten der Befragten empfinden die Alkoholabhängigkeit eines ihnen nahe stehenden Menschen als emotional belastend. Traurigkeit und Betroffenheit  sind die am häufigsten genannten Gefühle (knapp 90 Prozent) gegenüber Alkoholkranken. Viele empfinden aber auch Angst (68 Prozent) oder Ärger (68 Prozent). Für Angehörige und Nahestehende dreht sich oft alles nur noch um die alkoholabhängige Person, sodass sie an den Rand ihrer Kräfte kommen. Viele versuchen mit allen Mitteln, den Alkoholkranken dazu zu bringen, mit dem Trinken aufzuhören. Zuerst versuchen sie ihn zu unterstützen und zu entlasten. Wenn die gewünschte Wirkung nicht eintritt, entwickeln sie Strategien, um sein Trinkverhalten zu kontrollieren und wenn auch das nichts nützt, werden heftige Anklagen erhoben und Schuldzuweisungen gemacht. Häufig fühlen sich Nahestehende machtlos, weil sie trotz ihrer Bemühungen nichts an der Situation ändern können und nicht verstehen, was genau vor sich geht.

Mit dem Trinken aufhören kann nur der alkoholkranke Mensch selbst.

Nahestehende sind nicht verantwortlich für die Alkoholprobleme eines anderen. Sie können jedoch eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, der alkoholabhängigen Person bei der Krankheitseinsicht zu helfen. Zuerst müssen sie allerdings lernen, nicht mehr die Verantwortung zu übernehmen und sich von Schuldzuweisungen zu distanzieren. Schliesslich müssen sie auch lernen, ihre eigenen Bedürfnisse wieder mehr ins Zentrum zu setzen und danach zu leben. Aus Scham verschweigen Nahestehende häufig das Problem oder versuchen es zu vertuschen, was sie wiederum daran hindert Unterstützung zu suchen.

Ein häufiges Problem für Nahestehende ist oft auch, dass sie nicht wissen, wie sie Menschen mit Alkoholproblemen ansprechen können, ohne den Ärger derselben auf sich zu ziehen oder sie zu verletzen.

Wir von der Beratungsstelle für Suchtfragen sehen eine wichtige Aufgabe darin, Angehörige und Nahestehende in diesem Prozess zu unterstützen und zu begleiten. Man kann bei uns auch kostenlos Informationsbroschüren zu diesem Thema bestellen:

Alkoholabhängigkeit: Auch Nahestehende sind betroffen
Informationen und Ratschläge für Familienangehörige und Nahestehende von Menschen mit Alkoholproblemen

Leben mit einem alkoholabhängigen Partner
Die Mit-Betroffenheit einer Frau

Alkohol – (k)ein Problem?
Informationen für Personen, die ihren Alkoholkonsum überdenken möchten

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