Leserbrief: Irrfahrt eines Velos

Anfangs Dezember, bei der Rückkehr aus Winterthur, ist das Velo nicht mehr am Bahnhof Thalheim. Ärgerlich geht man zu Fuss nach Hause. In den nächsten Tagen sieht man sich überall im Dorf und vor allem beim Bahnhof jedes Mal nach dem Velo um. Vielleicht steht es ja irgendwo, hat es nur jemand kurz «zum Gebrauch» entwendet. Nach einigen Tagen wird der Verlust der Polizei gemeldet, was aber ausser Zeitaufwand nichts bringt, das Velo bleibt trotzdem weg und der Weg zum Bahnhof und anderswohin muss zu Fuss gemacht werden.

Dann, vierzehn Tage nach Neujahr, vor dem Volg Thalheim, plötzlich: «Dieses Velo kenne ich doch.» Und wirklich, das vermisste Gefährt ist wieder gefunden, nicht einmal beschädigt. Soweit so gut, aber ich hätte schon gerne gewusst, wer die Frechheit hatte solange mit dem entwendeten Velo durch die Gegend zu fahren als wäre es sein Eigentum …

Überhaupt scheint für einige Leute die Grenze zwischen mein und dein nicht mehr so klar zu sein … Velo- und Töffhelme, alles was nicht niet und nagelfest ist, wird einfach mitgenommen, zum Gebrauch entwendet. So schlimm ist das ja nicht, werden viele sagen. Bis es einem dann selber betrifft …

Der materielle Schaden ist dabei ja nicht das Schlimmste, aber die Wut, der Ärger, der Unmut, die ausgelöst werden, wenn mutwillig zerstört, entwendet, respektlos gehandelt wird, das ist der grössere Schaden. Das Vertrauen, die Sicherheit die verloren geht, das Gefühl niemandem mehr trauen zu können. Das gibt mir zu denken

Christine Jordi-Morf

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.