Baumwelten: Zum Titelbild

Lateinisch: Salix

Anfang des 18. Jahrhunderts brachte ein Engländer von einer Chinareise ein mit Weidenruten verschnürtes Paket nach Hause. Achtlos warf er die «Schnüre» in eine Ecke seines Gartens. Daraus soll die erste Trauerweide Europas gewachsen sein.

Erwiesen ist jedenfalls, dass die Trauerweide aus Westchina stammt, und nicht wie ihr lateinischer Name Salix babylonica vermuten lässt, aus dem Mittleren Osten.

Insgesamt sind etwa dreihundert Weidenarten bekannt. Weiden sind hauptsächlich in Europa, sowie in West- und Nordasien verbreitet. Sie sind eher in gemässigten bis kühlen Gebieten anzutreffen. Selbst in der Arktis (Spitzbergen) kommen noch einige wenige Arten vor.

Bekanntester Frühblüher unter den Weiden und erste Nahrung für die Bienen im Frühjahr ist die strauchartig wachsende Sal-Weide mit den allseits bekannten grausilbrigen Kätzchen.

Die Korb-Weide ist, wie der Name schon sagt, die geeignetste Weidenart um Körbe herzustellen. Ihre kleinen Äste lassen sich sehr gut verarbeiten, weshalb sie an einigen Orten auch Flecht-Weide genannt wird.

Interessant zu wissen ist, dass es auch eine Schweizer-Weide gibt. Sie hat kleine längliche Blätter, die mit ihrer silbrigweissen Behaarung auffällt. Diese schützt sie vor zu starker UV-Strahlung im Hochgebirge. Dieser bis zu fünfzig Zentimeter hohe Strauch, der in den Schweizer und Tiroler Alpen heimisch ist, findet oft auch einen Platz in Steingärten und Rabatten.

Die Blüten erscheinen mit dem Blattaustrieb, meistens schon im März / April. Im Österreichischen Steiermark stehen die Schweizer-Weiden seit 1976 unter Naturschutz.

Die Trauer-Weide ist eine Unterart der Silberweide. Sie wird oft als Zierbaum verwendet und ist häufig in Parkanlagen angepflanzt. Der Stamm ist nicht gerade, sondern eher gewunden. Die Krone ist unregelmässig und breit gewölbt. Die herabhängenden Äste wirken traurig, was dem Baum auch den Namen gibt.

Die Silber-Weide, übrigens die meist verbreitete Weidenart in der Schweiz, auch hier im Thurtal, ist ein Baum der Flussauen. Sie kann jährliche Überflutungen von durchschnittlich neunzig bis 190 Tagen und in Extremfällen bis zu dreihundert Tagen unbeschadet überstehen. Sie gilt heute noch als der Lebensbaum schlechthin.

Die Silber- und Trauerweide können bis zu einem Meter im Durchmesser erreichen. Im mittleren Alter bekommt die Silber-Weide eine mehr und mehr grobe und längsrissige Rinde. Je älter sie wird, je grösser wird die Wahrscheinlichkeit, dass der Stamm durch seine Risse auseinander bricht.

Die durchschnittliche Höhe beider Arten liegt zwischen zehn bis 15 Metern. An Standorten mit viel Feuchtigkeit kann eine Silber-Weide die stattliche Höhe von 35 Metern erreichen.

Die Wide, wie sie auch genannt wird, ist bis in Höhenlagen von 1200 Metern anzutreffen. Sie ist ein typischer Baum der Auenwälder und deshalb an Flüssen, Bächen und Seen heimisch.

Bei Renaturierung von Gewässern wird ihre Stockausschlagsfähigkeit sehr geschätzt. Dadurch kann sie unmittelbar nach der Bebauung zur Stabilisierung von Bach- und Flussläufen eingesetzt werden. Das «Baumaterial aus der Natur» sollte etwa daumenstark und etwa dreissig Zentimeter lang sein. Die Stäbe müssen in den offenen Boden gesteckt werden, weil sonst das Gras der heranwachsenden Weide, Nahrung und Licht wegnimmt. Sollten diese Bedingungen erfüllt sein, ist die Weide allen anderen Pflanzen betreffend Uferstabilisierung an Gewässerläufen überlegen. Sie wirkt Erosionen vor und ist pflegeleicht.

Das Weidengehölz bietet dank seiner Form einer Vielzahl von Insekten- und Vogelarten einen idealen Lebensraum. Das Ausbreitungsgebiet überschneidet sich ebenfalls mit dem des Bibers. Er baut seine Wohnburgen meist in der Nähe von Weiden und benutzt sie als Nahrungsquelle.

Heilmittel

Die Rinde der Silber-Weide ist als fiebersenkendes, schmerz- und blutstillendes sowie antirheumatisches Arzneimittel bekannt. Schon im alten Ägypten war die heilkundige Wirkung der Pflanze bekannt. Die Arznei wurde in Form von zerriebener Rinde eingenommen. Der hauptsächliche Wirkungsstoff der Rinde ist Salicilsäure, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts entdeckt wurde. 1859 gelang erstmals die synthetische Salicilsäureherstellung, was ein Meilenstein in der Pharmazie- und Medizingeschichte darstellte. Die Synthese nennt sich Acetylsalicylsäure und ist heute unter dem Namen Aspirin bekannt

Holzverarbeitung

In der Schweiz wird die Weide als Holzlieferant nur sehr wenig genutzt. Vereinzelt sind Stallböden, Stiegen oder Zeichenbretter aus Weidenholz anzutreffen.

In England wird die Kricket-Weide zur Herstellung der Kricket-Schläger dem englischer Nationalsport der oberen Gesellschaft nebst Polo, verwendet.

In anderen Ländern werden aus Weidenholz Streichhölzer, Prothesen, Spielwaren, Tennisschläger und Holzschuhe hergestellt.

pb

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.