Ausland-Thalheim: Thalheim in Rumänien

Ich habe es anlässlich der Visitation in Thalheim versprochen: Wenn ich wieder in Rumänien bin, werde ich Thalheim/Rumänien aufsuchen und für Sie ein paar Föteli machen. Dieses Versprechen kann ich nun einlösen.

Am Eingang des Harbachtales zwischen Hermannstadt und Schässburg (wer auf der Karte nachschauen will: zwischen Sibiu und Sighisoara) in Siebenbürgen finden wir nach wenigen Kilometern «Daia». Zu deutsch heisst dieses Dorf Thalheim.

Das Gebiet des Harbachtales ist ein uraltes sächsisches Siedlungsgebiet. Die Sachsen, wie sie genannt werden (tatsächlich stammen sie aber aus dem Badischen, dem Rheinland, dem Luxemburgischen, etc.), kamen erstmals um ca. 1150 nach Siebenbürgen. Sie blieben als Bauern sesshaft und es entwickelte sich eine eigene deutsche Kultur. Diese Kultur hat sich bis heute erhalten. Allerdings sind nach dem Umsturz 1989/90 der Grossteil dieser Sachsen nach Deutschland zurückgekehrt, weil sie in Rumänien keine wirtschaftliche Entwicklungschancen sahen. Dies hat zur Folge, dass wir heute vielfach nur noch Spuren dieser deutschen Kultur in Siebenbürgen finden. Der heute wohl noch bekannteste rumänische Schriftsteller deutscher Sprache, Eginald Schlattner, hat in seiner Autobiografie «Die roten Handschuhe» das Leben der Sachsen in Siebenbürgen in den dreissiger und vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts sehr eindrücklich beschrieben. Wer mehr über Siebenbürgen wissen will: Klicken Sie auf folgenden Link, um mittels der Suchmaschine Google mehr über die Region zu erfahren: Suche mit Google.

Thalheim hat eine typische sächsische Siedlungsstruktur. Die Häuser sind giebelseitig gegen die Strasse gerichtet. Der Hofraum ist mit einer Mauer abgeschlossen. Bei der Kirche handelt es sich um eine Wehrkirche, wie sie für die Sachsen in Siebenbürgen typisch ist. Befestigte Kirchen schützten die Bevölkerung vor Angriffen der Türken. Es gibt für diese Kirchenburgen hervorragende Beispiele. Ich nenne hier Bierthälm, das von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt ist (und somit den gleichen Status wie der Klosterbezirk St. Gallen, die Altstadt Bern oder das Kloster S. Maria in Münstertal besitzt), Tartlau, Wurmloch, etc. In der Kirche Thalheim soll gegenwärtig eine schweizerische Pfarrerin, eine Frau Moser, arbeiten. Wir hatten leider keine Zeit (und das in den Ferien!) auch noch das Pfarrhaus aufzusuchen.

In Siebenbürgen fühlt man sich manchmal in einer völlig anderen Zeit, wie dies auch an den Fuhrwerken zeigt. Der Fuhrmann ist übrigens ein Sachse. Ich führte das Gespräch in deutscher Sprache und das mitten in Rumänien!

Ich hoffe, dass die Bilder und diese kurzen Zeilen bei Ihnen in Thalheim ein Interesse finden. Ein Besuch in Siebenbürgen ist zwar mühsam, er hinterlässt aber so völlig andere neue Einblicke und Erinnerungen, die man sie bei Badeferien auf Mallorca kaum erleben kann.

Mit freundlichen Grüssen
Kurt Stäheli
Statthalter, Andelfingen

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