Interview: Ich helfe gerne im Stall

Steckbrief

Name: Monika Friedrich
Alter: 34
Wohnort: Im Geeren, Gütighausen
Familie: 2 Kinder, 5 und 4 Jahre
Beruf: Hauspflegerin, Bäuerin, Hausfrau
Hobbys: Window-Color-Bilder, Familie, Fotografieren

Thalheim und Gütighausen, zwei Bauerndörfer im Zürcher Weinland, so war es einmal. Unsere Dörfer veränderten sich im Laufe der Jahre. In den 60er Jahren zogen etliche Bauern weg aus dem Dorf in Landwirtschaftliche Siedlungen. Die alten Bauernhäuser im Dorfkern werden anderweitig genutzt. Dadurch bekommt man als Dorfbewohner nicht mehr viel vom Bauernstand mit. Wie sieht denn das Leben einer Bäuerin heutzutags aus? Monika Friedrich zog vor acht Jahren nach Gütighausen und betreibt zusammen mit ihrem Mann in der Siedlung «Im Geeren» den Hof der Schwiegereltern.

Monika Friedrich, wo sind Sie aufgewachsen?

Geboren bin ich in Frauenfeld, nachher wohnten wir in Ellikon an der Thur.

Betrieben Ihre Eltern auch Landwirtschaft?

Nein, ich durfte aber als Kind ab und zu zum Grossvater in die Ferien, er war Bauer.

War es schon früher Ihr Traum, einmal Bäuerin zu werden?

Nein, gar nicht. Das hat sich so ergeben als ich meinen Mann kennenlernte. Ich lernte Hauspflegerin.

Welche Arbeiten hat denn eine Bäuerin nebst dem Haushalt auf dem Hof zu verrichten?

Da frage ich mich zuerst mal, ob ich denn eigentlich eine typische Bäuerin bin. Ich denke an früher, da war ziemlich genau festgelegt, wie die Arbeit der Bäuerin aussah. Sie half im Stall, erledigte diverse Feldarbeiten, hatte einen grossen Garten, backte Brot und vieles mehr. Heute ist das etwas anders. Einige Bäuerinnen gehen einer Teilzeitstelle nach, andere haben nur noch kleine Gärten, wieder andere gehen praktisch nie in den Stall, usw. Heute kann eine Bäuerin ganz verschiedene Dinge tun. Ich habe Freude an den Tieren, habe auch keine Angst vor den Kühen und helfe meinem Mann regelmässig am Morgen im Stall. Auch auf dem Feld gibt es Arbeit, zum Beispiel beim Heuen. Dann helfe ich auch bei der Kirschenernte mit. Die Fleisch-Selbstvermarktung besorge ich weitgehend selbständig. Daneben ist fast täglich eine kleine Hilfe da oder dort auf dem Hof nötig.

Welche Tiere leben auf Ihrem Bauernhof?

Kühe, Kälber, die wir selber gross ziehen. Munis, Hühner und natürlich noch Katzen.

Welche Produkte pflanzen Sie an?

In erster Linie Futter für die Kühe, Mais, Gras, dann auch Weizen, Gerste und Zuckerrüben. Kartoffeln pflanzen wir keine. Daneben haben wir recht viele Kirschenbäume.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Jeder Tag ist verschieden, doch gewisse Strukturen sind immer gleich. Wir stehen um 5.15 Uhr auf und verrichten miteinander die Arbeiten im Stall, d.h. Tiere füttern, misten, streuen, Kühe melken, Tränkebecken sauber machen, Milchtank und Milchgeschirr reinigen. Gegen 7 Uhr mache ich Frühstück, wecke die Kinder und dann essen wir zusammen «Zmorge». Danach folgt oft ein ganz normaler Ablauf mit der gewohnten Arbeit einer Hausfrau mit Kindern. Manchmal gibt es draussen etwas zu tun, vielleicht mal die Kühe von der Weide holen oder den Stall für den Abend bereit machen. Nebst Kochen, waschen, einkaufen sind ja noch unsere zwei Kinder.

Wie organisieren Sie sich mit den Kindern, wenn Sie aufs Feld müssen.

Jetzt, wo sie schon etwas grösser sind, können wir sie problemlos mitnehmen. Als sie noch klein waren, sprang oft meine Schwiegermutter ein, die ja nebenan auf dem Hof wohnt, da war ich schon sehr froh. Auch mit Kleinkindern erlebte ich viel Schönes auf unserem Bauernhof. Ich erinnere mich gerne an die Kirschenernte, die ganze Familie, Grosseltern, Kinder und wir waren zusammen am Kirschen pflücken. Die Kinder spielten etwas und lernten auch mal durchzubeissen und zu warten, bis wir mit der Arbeit fertig waren. Heutzutags gibt es viel weniger Feldarbeiten, die von Hand ausgeführt werden müssen.

Welche Arbeiten sind denn gegenüber früher dank moderner Technik verschwunden?

Bei den Zuckerrüben wird auf Endabstand gesäht, sodass fast nicht mehr vereinzelt werden muss. Die ganze Stallarbeit ist viel einfacher geworden. Früher musste sehr viel körperliche Arbeit geleistet werden, der Mist, die Milch, alles wurde von Hand hinausgetragen, heute gibt es Entmistungsanlagen, Milchabsauganlagen, Silofräsen. Auch beim Heuen sind bessere Maschinen vorhanden. Wenn ich jeweils höre, wie früher der «Heuet» noch von Hand erledigt wurde, kann ich mir das kaum mehr vorstellen. Was die Bäuerinnen damals alles leisteten, das ist total bewundernswert. Nebst all der Feld- und Stallarbeit war der Haushalt noch viel komplizierter.

Ihre Kinder wachsen abseits vom Dorf auf einem Bauernhof auf. Welche Vor- und Nachteile sehen Sie darin?

Es ist sehr schön, sie haben hier viel Freiraum, können draussen spielen und sie sehen auch, was wir arbeiten. Sie erleben den Kontakt zur Natur und zu den Tieren. Als sie noch klein waren, wünschte ich mir manchmal, ich hätte mehr Zeit für die Kinder. Doch irgendwie mussten sie eben lernen, sich selber zu beschäftigen. Ich habe mich immer auch bemüht, Kontakte mit Kolleginnen zu pflegen, so dass die Kinder «Gspänli» zum Spielen hatten. Im Übrigen merkte ich mit der Zeit, dass man auch im Dorf diese Kontakte suchen muss. Jetzt, wo Aaron im Kindergarten ist, bringt er auch manchmal Kinder zu uns nach Hause, dann machen sie Versteckis oder fahren mit den Velos ums Haus herum.

Das Leben auf dem Bauernhof bringt viel Schönes mit sich. Was geniessen Sie, was vermissen Sie?

Ich schätze die vielseitige Arbeit, die ich weitgehend selber einteilen kann. Ich geniesse die Erlebnisse mit den Tieren, zu sehen wie sie aufwachsen, es wird mir nie langweilig. Durch den Stall ist man angebunden. Ferien müssen fast erkämpft werden. Am Anfang war all das Neue eine Umstellung für mich. Ich musste mit der Zeit vieles lernen. Es kommt mir oft vor, wie wenn man irgendwo hineingeworfen wird, dann muss man schwimmen und sich einen Weg finden. Jetzt läuft es für mich gut und ich bin zufrieden.

Monika Friedrich, ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch. Auch wenn dank Technik heute vieles einfacher ist, bin ich doch überzeugt, dass eine Bäuerin – vor allem mit kleinen Kindern – nach wie vor einen arbeitsreichen Alltag zu meistern hat.

Marlies Schwarz

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