Chorreise

Die Übernächtigten des Winterthurer Albanifesres torkelten und turtelten im Areal des Hauptbahnhofes umher. Ich war froh, der für mich nicht sehr angenehmen Atmosphäre per Bus Richtung Rosenberg entfliehen zu können.

Diesmal trafen meine Sängerkolleginnen und -Kollegen aus Thalheim pünktlich um 7.15 Uhr in Winterthur-Rosenberg ein. Kaum dem Car zugestiegen, hörte ich auch schon den ersten Vorwurf: «Wo bleibt denn dein roter Hut?» Nun, ich nahm die Rüge gelassen hin, war ich doch darauf vorbereitet. Als der Chauffeur, Herr Ehrat, via Autobahn losfuhr, begrüsste unsere Präsidentin, Ursi Epprecht, alle Mitreisenden. Es waren ja erfreulicherweise noch einige Nichtmitglieder dabei.


Es war ein schöner, warmer Sommermorgen. Doch im Bus spürte man eine frische Brise, und bald ertönte aus dem Mikrofon die Bitte: «Wänn Si chalt händ, müend Si halt öppis alegge.» Und das bei Knöpfel Reisen!


Bei Birmensdorf verliessen wir die Autobahn. Nun gings durchs schöne Knonaueramt. Im Restaurant Hörnli in Knonau gab es Kaffee und Gipfeli. Wir genossen diesen Zwischenhalt in der heimeligen Wirtschaft.


Von hier aus starteten wir, nochmals via Autobahn, nach Küssnacht. Nun ging’s auf schmaler, kurvenreicher Strasse hinauf zur Seebodenalp. Herr Ehrat befahl uns, näher zusammen zu rücken. Wir genossen die schöne Aussicht auf den Pilatus, den Küssnachter Seezipfel, sowie das Luzernbiet und das Zugerland. Einige Nebel beeinträchtigten die Sicht ein wenig, doch man kann ja nicht alles haben.


Leider hatten wir teilweise auch schwere Sturmschäden vor Augen. Der Lothar machte auch hier nicht Halt.


Um 9.45 Uhr erreichten wir die Seebodenalp, das erste Ziel unserer Reise. Hier trennten wir uns von den Nichtwanderern, welche sich ein wenig im Restaurant vergnügten, bis sie der Car nach Weggis führte.


Nun traten wir unsere Wanderung an. Es ging über saftig grüne Wiesen mit herrlichen Viehweiden, auf einem leicht begehbaren, sauberen Weg, immer mit Blick auf den See. Ein angenehmes, frisches Morgenlüftchen säuselte uns um die Ohren. Es fühlte sich herrlich an, da uns ja ein sehr heisser Sommertag erwartete.


In einer Besenbeiz stillten wir unseren Durst. Man konnte einen freiwilligen Betrag in ein Säuli werfen. Wer die Toilette nicht benutzte, verpasste etwas. Ein ganz originelles WC fanden wir hier vor. Man musste das Klosett buchstäblich suchen in dem grossen Schuppen.


Ich lobte unsere Reiseleiterin Berti des schönen Wanderweges wegen, natürlich in der Hoffnung, dass es so weiter gehe. Sie entgegnete: «Rüef nid z luut, Lilli, es chunnt scho no anderscht.» Und wie anders es kam! Nach unserer Stärkung ging es nämlich vom schönen Weg ab, in die Tiefe. Ja, irgendwie musste ja die Höhendifferenz bewältigt werden. Nun begann ein ziemlich steiler Wald- und Wiesenweg, der uns hinunter nach Weggis führte. Davon geblieben ist mir ein Muskelkater, der in den nächsten Tagen mein steter Begleiter war. Es war trotzdem schön, und vor allem gesund.


Um 11.45 Uhr trafen wir auf unsere Kolleginnen und Kollegen, die inzwischen per Bus von der Seebodenalp heruntergeschlängelt waren. Nun fuhren wir weiter nach Vitznau, ins Hotel Floralpina, zu unserem wohlverdienten Mittagessen. Wie waren wir alle entzückt über die Lage dieses Hotels mit dem wunderschön angelegten Gartenrestaurant, wo für uns gedeckt war. Die Aussicht über den Vierwaldstättersee war überwältigend. Man kam aus dem Staunen kaum heraus.


Ich hatte die Ehre, mit Oberholzers und ihrem sympathischen Gast aus Bhutan am selben Tisch speisen zu dürfen. Leider konnte ich den Sitten und Bräuchen dieses Landes nur teilweise folgen. Man müsste eben seine Englischkenntnisse wieder einmal gründlich aufpolieren … Es wurde Salat, Riz Casimir, und als Dessert Schoggi-Flan serviert. Es schmeckte alles vorzüglich, speziell das Dessert. So hat mir noch kein Flan gemundet. Mmmh! Note Eins für den Koch!


Nach dem Essen gaben wir, wie es sich für einen Gesangsverein gehört, noch einige Lieder zum Besten. Eine Dame am Nebentisch applaudierte heftig. Die anderen wenigen Gäste sassen vielleicht zu weit weg. Nun, wir mussten ja auch nicht glänzen bei dieser Hitze.


Um etwa 15 Uhr brachen wir dann zu unserer Heimreise auf. Diese führte uns über Gersau, Brunnen, Sattel und Rothenturm Richtung Rapperswil. Einige Modellflieger schwebten in schwindelnden Höhen. Bereits überquerten wir den Seedamm, und dann ging’s übers Tösstal heimwärts.


In Gibswil gabs noch einen Zvierihalt. Es mochte aber niemand einen richtigen Zvieriteller. So wurden eher Glacés oder etwas zu Trinken bestellt. Es war ja auch ein heisser Tag, und wir waren alle ein wenig müde, aber doch glücklich über diese gelungene, schöne Reise. Ich hatte Glück, dass wir übers Tösstal heimkehrten, so konnte ich in Seen aussteigen.


Ein herzliches Dankeschön unserer Reiseleiterin, Berti Graber, für die Organisation dieses ausserordentlichen Tages. Auch unserem Chauffeur, Herrn Ehrat, ein grosses Lob für die sichere Fahrt.


Beinahe hätte ich noch etwas vergessen, Erich: Die Franzosen bekamen an diesem Abend nicht «aufs Dach». Sie wurden prompt Fussball-Europameister. Ich wusste es ja!


Lilli Roggensinger


PS: Die neue Rechtschreibung habe ich leider noch nicht studiert. Schreibt man «nämlich» wohl immer noch ohne «H» ?

Anmerkung des Online-Redaktors: So ist es! 😉


Abendunterhaltung des Gemischten Chores am 6. Januar 2001.

Gesangsprogramm unter dem Motto: «Quer dur s Läbe». Theater «Sparmassnahme», danach Tanz mit der Tanz- und Ländlerkapelle Cholfirst. Sie sind herzlich willkommen!

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