Interview: «Göttliche Ruhe – Paradies an der Thur»

Steckbrief

Name Hanni Fröhlich
Wohnort  Winterthur
Beruf Hausfrau
Hobbys Samariterlehrerin,
Notfallhilfe im Kantonsspital Fasnacht

Die Sommerferien 2000 gehören der Vergangenheit an. Es bleiben Erinnerungen, vielleicht an fremde Länder, andere Kulturen, feines Essen und vieles mehr. Oder hat man sich bei der Rückkehr nach Hause gesagt: Wie schön, wieder daheim zu sein? Eigentlich könnte man auch hier im Thurtal Ferien verbringen, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Die Thur mit ihren natürlichen Reizen zieht immer wieder Sonntagsausflügler an und für viele Feriengästen aus verschiedenen Regionen ist das Urlaubsziel der Campingplatz Gütighausen. An einem schönen Spätsommernachmittag ist der Platz an der Thur schon beinahe leer. Ein einziges Zelt und der Wohnwagen der Platzwartin stehen etwas einsam da.

Hanni Fröhlich, ich nehme an, vor ein paar Wochen war hier noch emsiges Treiben. Wie sind Sie mit der Saison zufrieden?

Der Anfang, Pfingsten und Auffahrt, war sehr gut. Im Juli kam dann mit den Sommerferien das schlechte Wetter, doch die beiden mittleren Schulferienwochen waren wieder super. Nun in der Nachsaison ist es ruhig geworden.

Von wann bis wann ist der Platz geöffnet?

Von Ostern bis Ende September. Die Hauptsaison läuft während den Schulferien der Kantone Schaffhausen und Zürich und dauert 6 bis 7 Wochen.

Wie läuft es in der Vor- und Nachsaison?

In der Vorsaison hatten wir dieses Jahr sehr viele Klassenlager. Sonst hängt es sehr vom Wetter ab. In der Nachsaison ist der Platz eher noch an den Wochenenden besetzt.

Wie beurteilen Sie das Klima unter den Gästen?

Eindeutig sehr familiär. Wir hatten dieses Jahr sehr viel neue und vor allem junge Leute mit Kindern; Familien, die ihre ersten Zelterfahrungen sammeln wollten und zum Teil mit Veloanhänger und mit wenig Ausrüstung hierher kamen. Die Mischung zwischen Jung und Alt war sehr gut. Unsere ältesten Gäste sind um die 80-jährig. Weil der Platz so klein und nicht parzelliert ist, lernt man sich schnell kennen und es gibt wirklich innige Kontakte.

Woher kommen Ihre Gäste?

Zum Teil aus der nahen Region, zum Teil aus Winterthur, aber auch Holländer, Deutsche und Dänen waren dieses Jahr wieder hier. Die Holländer blieben meist nur eine Nacht. Es waren viele Velofahrer, die auf der Route Amsterdam – Rom bei uns Halt machten.

Was reizt die Gäste am Campingplatz Gütighausen?

In erster Linie die Natur und diese göttliche Ruhe, die wir hier haben. Es ist wirklich ein Paradies für Kinder hier. Sie können an der Thur spielen, baden oder sich im Wald austoben. Ich glaube, diese Kinder haben mehr von den Ferien, als wenn sie in einem noblen Hotel brav stillsitzen müssen.

Die Infrastruktur und die sanitären Einrichtungen sind aber sehr einfach. Ist das kein Nachteil?

Nein, wir wollen das bewusst so lassen. Inzwischen sind wir der Kläranlage angeschlossen. Die vier Toiletten sind dadurch etwas moderner geworden. Warmes Wasser gibt es aber bei uns weder zum Duschen noch zum Abwaschen. Wir haben auch keinen Strom. Alles hier wird mit Gas betrieben. Unsere Gäste sind zufrieden damit. Die Atmosphäre ist ganz anders als wenn man auf einem Platz jeden Luxus bietet.

Was kann man bei Ihnen kaufen?

Nur Getränke und Glace. Für weitere Einkäufe schicke ich die Gäste immer in den Dorfladen. Ich achte darauf, dass man einheimische Produkte kaufen kann. Zum Teil bieten wir auch Kirschen oder Äpfel aus der Umgebung an und auch der Wein stammt aus der Region.

Zum Thema Hochwasser: es ist wohl der grösste Feind Ihres Platzes?

Ja, damit müssen wir leben. Das Hochwasser ist heimtückisch und unberechenbar. Diese Saison hatten wir vor der Auffahrt Alarm, mussten den Platz räumen, konnten aber zum Glück am Auffahrtstag schon wieder aufstellen. Am schlimmsten traf es uns aber am 6. August. Da kam die Thur zügig über unseren Platz geflossen.

Wie muss man sich einen solchen Alarm vorstellen?

Die Polizei oder die Feuerwehr alarmiert uns rechtzeitig und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. Natürlich beobachte auch ich den Wasserstand immer genau und wenn das Wasser steigt, frage ich regelmässig den Pegelstand an. Beim Stand von acht Metern beginne ich die Leute zu warnen. Sie haben dann Zeit, im Zelt oder Wohnwagen etwas Ordnung zu machen, vielleicht das Geschirr noch zu waschen, damit nachher genügend Zeit für den Aufbruch bleiben würde. Bei 8.30 Metern muss geräumt werden. Es bleiben sechs Stunden Zeit zur Räumung, was normalerweise reicht. Ich war jedoch dieses Jahr froh, dass der Platz im August nicht mehr voll besetzt war. Es entsteht gerne ein gewisses Chaos, jeder will mit dem Auto auf den Platz fahren und die Leute behindern sich gegenseitig beim Packen.

Was geschieht mit Ihrem Wohnwagen?

Ja, den müssen wir auch räumen. Weil wir ihn die ganze Saison hier stehen haben, ist er auch aufwendiger beim Wegstellen. Ich muss bei Hochwasser trotzdem auf dem Platz bleiben und mich allenfalls etwas in den Hintergrund flüchten. Wenn das Wasser ganz hoch kommt, müsste auch der Strom im Clubhaus abgeschaltet und die Kühltruhe geleert werden. Für mich bedeutet der Hochwasseralarm viel Arbeit. Nach der Flut beginnt dann das grosse Aufräumen. Mit dem Wasser wird Holz mitgeschwemmt und auf dem Rasen liegt viel Sand.

Hanni Fröhlich, nun noch ein paar Fragen zu Ihnen persönlich. Sie ha­ben diese Aufgabe vor zwei Jah­ren angenommen. Wie kamen Sie dazu?

Mein Mann wurde frühzeitig pensioniert und wir waren selber schon seit 20 Jahren jeden Sommer auf dem Campingplatz Gütighausen in den Ferien. Darum hat man mich vom Campingclub Winterthur, welchem wir auch angehören, angefragt, ob ich diesen Job annehmen würde. Ich habe es bis jetzt nicht bereut. Mein Mann ist mein stiller Helfer im Hintergrund. Ohne ihn könnte ich diese Aufgabe niemals bewältigen. Nebst der Pflege des Platzes wie Rasenmähen und Bäume schneiden, gibt es auch Bürokram zu erledigen.

Ich nehme an, es macht Ihnen aber Spass?

Ja, sehr sogar.

Was machen Sie im Winter?

Zuerst gehen wir regelmässig nach der Saison zur Kur nach Italien. Bei allem was wir uns jeweils vornehmen und durchführen, ist es im Nu wieder Frühling und die neue Saison beginnt.

Hanni Fröhlich, vielen Dank für dieses Gespräch. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg als Platzwartin, vor allem gutes Wetter und möglichst kein Hochwasser. Ich hoffe, es ist uns mit diesem Interview gelungen, den Leserinnen und Lesern etwas von dieser idyllischen Atmosphäre an der Thur weiter zu vermitteln. Das Schnattern der Enten und das Vogelgezwitscher muss man sich allerdings selber mal anhören. Wie heisst es doch so schön: Was willst du in die Ferne schweifen, sieh das Gute liegt so nah!

Marlies Schwarz

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.