Interview mit Anita Egg: Wer bügelt den Managern die Hemden?

Anita Egg wurde vor zwei Jahren als Vertreterin unsere Gemeinde in die Oberstufenschulpflege Andelfingen gewählt. Sie hat das Ressort Fortbildungsschule unter sich.

Weshalb der Name Fortbildung? Es handelt sich bei den Kursen doch mehrheitlich um solche im Bereich Handarbeit und Hauswirtschaft.

Fortbildung ist gerade auf diesem Gebiet enorm wichtig. Beispielsweise in der Ernährungslehre hat sich im Laufe der Zeit vieles gewandelt, neue Erkenntnisse wurden ergründet oder in der Handarbeit kennt man neue Arbeitstechniken. Wir wollen aber künftig vermehrt auch in andere Bereiche einsteigen. Ich denke an EDV oder Internet. Die Infrastruktur an der Oberstufe in Andelfingen ist vorhanden, das sollte genutzt werden. Auch ein Fotokurs wäre mal eine Idee oder vielleicht ein Silberschmuckkurs.

Von Bund und Kanton subventioniert

Die Fortbildungskommission ist direkt der Oberstufe Andelfingen unterstellt?

Ja. Die drei Hauptelemente Handarbeit, Hauswirtschaft und Gartenbereich werden vom Kanton und Bund subventioniert. Wir können so günstige Tarife anbieten, wovon profitiert werden könnte.

Wie setzt sich das Gremium zusammen?

Aus den Kreisgemeinden, je einer Person aus der Hauswirtschaft und der Handarbeit an der Oberstufe Andelfingen sowie einer Vertreterin der Kursleiter. Ich führe das Präsidium.

Wussten Sie bei den Wahlen, welches Ressort Ihnen zugeteilt wird?

Nein. Es gab ja viele Wechsel und verschiedene Ressorts standen zur Auswahl. Mich hat die Fortbildungsschule sofort begeistert, auch weil ich in meiner Freizeit gerne Handarbeiten mache. Ich finde es sehr schlecht, dass in der Schule die Fächer Hauswirtschaft und Handarbeit gekürzt werden. Unsere Gesellschaft legt leider nur Wert auf kopflastige Fächer, nur das zählt und bringt Geld. Dabei gäbe es doch begleitend dazu so viel zu tun. Auch Eltern könnten gegen diesen Trend etwas unternehmen. Nicht jeder wird ein Top-Manager und kann sich als Grossverdiener immer auswärts verpflegen. Es braucht auch in Zukunft viele Leute, die kochen und haushalten können. Fragen wir uns mal: Wer bügelt unseren künftigen Managern denn die Hemden? Oder denken wir an die Textilkunde. Auch hier gibt es viel zu vermitteln. Oder es wäre wichtig, Budgetplanung oder saisongerechtes Einkaufen zu lernen. Solche Dinge lernt man aber nicht in Mathe. Deshalb finde ich die Hauswirtschaft und Handarbeit so nötig. Es ist mir ein grosses Anliegen, auf diesem Gebiet Kurse anzubieten, gerade weil die Schule hier gekürzt hat.

Wichtig sind saisongerechte Kurse

Wie wird das Bedürfnis nach gewissen Kursen abgeklärt?

Nach jedem besuchten Kurs wird von den Teilnehmern ein Bewertungsbogen ausgefüllt. Dort werden Wünsche und Anregungen für neue Kurse entgegengenommen. Nur geht die Rechnung nicht immer auf. Das Weidenflechten haben wir auf Anregung aus der Bevölkerung in unser Programm aufgenommen. Leider meldeten sich nur wenige Teilnehmer, so dass der Kurs nicht stattfinden konnte. Ich setze mich auch dafür ein, dass wir einzelne Kurse in Thalheim oder anderen Kreisgemeinden und nicht nur in Andelfingen durchführen. Wichtig ist mir auch, dass wir saisongerechte Kurse anbieten. Gewünscht werden vor allem Kurse, in denen mit möglichst kleinem Aufwand in kurzer Zeit ein grosses Produkt angefertigt werden kann.

Wieviele Teilnehmer müssen denn angemeldet sein?

Weil die Kurse subventioniert sind, werden mindestens zehn Teilnehmer vorausgesetzt. Bei weniger Anmeldungen müssen wir ein Gesuch schreiben, was mit einem Mehraufwand verbunden ist.

Wie sieht es mit dem Interesse bei Männern aus?

Ich stelle immer wieder fest, dass viele Männer für die Fortbildungsschule nur ein Lächeln übrig haben. Ich finde das völlig falsch, denn eigentlich profitieren die Männer auch von der Fortbildung der Frauen. Es gibt aber schon Männer, die sich für den einen oder anderen Kurs anmelden. Kürzlich fand ein Kurs statt, in dem aus Metall ein Kerzen- und Blumenständer angefertigt wurde. Hier waren ein paar Männer dabei. Gemischte Gruppen begrüsse ich sehr, denn die Atmosphäre im Kurs ändert sofort. Ein sehr gutes Echo finden auch die Seniorenkochkurse, die wir regelmässig anbieten. Ein alleinstehender Teilnehmer hat mir erzählt, dass er, seit er kochen gelernt habe, nun wieder Besuch einladen könne und darum weniger allein sei.

Gesamthaft gesehen, sind Sie zufrieden mit dem Interesse oder könnte das Angebot besser genutzt werden?

Ja, es könnte viel besser genutzt werden. Wenn man bedenkt, dass wir in nächster Nähe zu günstigen Preisen ein Angebot an Kursen bieten, verstehe ich nicht, weshalb man Kurse in Winterthur oder Schaffhausen besuchen muss. Wir alle sind doch auch Steuerzahler und leisten so unseren Beitrag zur Infrastruktur. Die Hauswirtschaftsschule und die Handarbeitszimmer sind übrigens mit sehr guten Geräten ausgerüstet.

Woran liegt Ihrer Meinung nach das Desinteresse?

Vielleicht wollen die Leute lieber in der Anonymität der Stadt Kurse besuchen, als im Dorf zu bleiben. Ich denke jedoch, dass auch für Neuzuzüger unsere Kurse eine Chance bieten, neue Leute kennenzulernen. Sicher besteht ein grosses Angebot weit und breit. Doch gerade deshalb finde ich, der Konsument sollte viel kritischer die Preise vergleichen.

Enormer Zeitaufwand

Wie gross ist der Zeitaufwand für Ihr Ressort?

Er ist enorm. Ich kann mich jedoch voll hinter die Sache stellen und mache das alles sehr gerne. Es braucht aber schon viel Vorarbeit, bis ein neues Kursprogramm steht und die Kurse dann durchgeführt werden können.

Besuchen Sie selber auch den einen oder anderen Kurs?

Ja. Einen Nähkurs besuche ich und ein Keramikkurs hat es mir angetan. Eigentlich möchte ich noch vieles mehr ausprobieren, doch das verschiebe ich auf später. Ich will ja noch etwas Zeit für mein Hobby, das Malen haben und die Tätigkeit für die Oberstufenschulpflege nebst meinem Ressort ist auch nicht zu unterschätzen. Ich bin übrigens immer bereit, mich für die Schülerinnen und Schüler unserer Gemeinde an der Oberstufe Andelfingen einzusetzen und trete auch als Kontaktperson auf, wenn Probleme anstehen. Die Schüler dürfen gerne mit Fragen direkt an mich gelangen. Weil wir aber unsere Ressortverteilung haben, kann ich vieles wohl entgegennehmen, muss es jedoch dem zuständigen Vertreter der Oberstufe Andelfingen weiterleiten oder abklären lassen.

«Hoffentlich gibt es ein reges Interesse für das neue Kursprogramm!»

Nun darf man also auf das neue Kursprogramm der Fortbildungsschule gespannt sein?

Ja, es wird im Februar herauskommen und ich hoffe auf ein reges Interesse.

Anita Egg, ich bedanke mich auch im Namen der Dorfposcht herzlich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und Freude bei Ihrer Tätigkeit für die Fortbildungsschule.

Marlies Schwarz

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