Kirche: Der Advent beginnt

Der Advent ist die besondere Zeit der Lieder, der Kerzen und Geschichten, die Zeit der Dunkelheit, der Lichter und des Lichts. Aber auch die Zeit, in der wir zwei lebenswichtige Dinge wieder lernen könnten: Das WARTEN und das FESTEFEIERN. Beides, denn beides gehört zusammen.

Kein Fest gelingt ohne Vorfreude, die zu ihm gehört, ohne die innere und äussere Vorbereitung und Ausrichtung auf den grossen Moment, ohne die Spannkraft und Ungeduld, die aus dem Warten kommt. Kürzen wir dieses Warten nicht ab, erfüllen wir uns und unseren Kindern nicht alles vorzeitig! Wie sagt doch der Volksmund: Die Vorfreude ist die grösste Freude. Diese Vorfreude gilt es zu kultivieren. Das Fest wird umso intensiver und schöner sein.

Ihre Vorfreude haben Menschen so formuliert:

  • Ich mag den Advent, mag die dunklen Tage und Nächte dieser Jahreszeit, die uns wieder mehr ins Haus verweisen und zu so vielen Tätigkeiten viel Zeit lassen: lesen, Briefe schreiben, Ordnung machen, nähen, basteln, lange bei einer Tasse Tee miteinander plaudern …
  • Ich mag diese Wochen vor Weihnachten mit all den Vorbereitungen für das Fest, auch wenn sie allen Vorsätzen zum Trotz zeitweise etwas hektisch werden. Es macht mir Spass, nachzudenken, was anderen Freude machen könnte und dann Geschäfte danach abzusuchen oder manches selbst herzustellen.
  • Ich krame gerne die vergilbten und mit Fettflecken durchsetzten Rezepte der Weihnachtsguezli hervor …

Und das wünschen sich Menschen:

  • Dass es mir in den nächsten Wochen gelingt, täglich etwas Stille zu finden, aber auch eine ruhige Atmosphäre um mich zu schaffen.
  • Dass es mir gelingen möchte, auf dem «Weg nach innen» wieder ein Stück weiterzukommen.
  • Dass ER, der in der Adventszeit angekündigt wird, ankommt in meinem Leben und in der Welt.

Das Zündholz und die Kerze

Es kam der Tag, da sagte das Zündholz zur Kerze: «Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden.» «Oh nein», erschrak die Kerze. «Nur das nicht, denn wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt und niemand mehr wird meine Schönheit bewundern.» – Das Zündholz fragte: «Willst du denn ein Leben lang kalt und hart bleiben, ohne zuvor gelebt zu haben?» – «Aber brennen schmerzt doch und zehrt an meinen Kräften», flüstert die Kerze unsicher und voller Angst. – «Es ist wahr», entgegnet das Zündholz. «Aber das ist doch das Geheimnis unserer Berufung: Wir sind berufen, Licht zu sein. Was ich tun kann, ist wenig. Zünde ich dich nicht an, so verpasse ich den Sinn meines Lebens. Ich bin dafür da, Feuer zu entfachen. Du bist die Kerze. Du sollst für andere leuchten und Wärme schenken. Alles, was du an Schmerz und Leid und Kraft hingibst, wird verwandelt in Licht. Du gehst nicht verloren, wenn du dich verzehrst. Andere werden dein Feuer weitertragen. Nur wenn du dich versagst, wirst du sterben!»

Da spitzte die Kerze ihren Docht und sprach voller Erwartung: «Bitte, zünde mich an!»

In diesem Sinn wünschen wir Ihnen eine frohe und lichte Advents- und Weihnachtszeit!

Pfr. Daniel Morand

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