Nachgedacht: «Wünsch Dir was, sagte die gute Fee…»

Einen Wunsch frei haben, darüber haben wir schon viele Geschichten gehört. Viele wünschen sich vor allem jenes Gut, das ihnen mangelt. Gesundheit, langes Leben, keine finanziellen Sorgen, Reichtum, Karriere. Märchen, die berichten, dass die Menschen von der Möglichkeit, sich etwas Besonderes zu wünschen, überrumpelt wurden und irgend einen Wunsch tun, den sie hinterher bereuen. Da hörte ich kürzlich die Geschichte von der Göttin der Morgenröte, der Eos. Sie wünschte sich von Zeus, dem Göttervater Unsterblichkeit für ihren irdischen Geliebten. Diese Bitte wurde ihr gewährt. Leider hatte sie vergessen, auch um ewige Jugend für ihn zu bitten. So wurde denn das «ewige Leben» nach einer Reihe von Jahren von der Lust zur Last… die morgenfrische, ewige Eos mit ihrem älter, uralt werdenden Geliebten…

Einen Wunsch frei haben… beim Velofahren durch die schöne Frühlingslandschaften kommt mir der vermessene Gedanke: wie wäre das schön, wenn ich das noch zehn Jahre tun könnte! Ein unbescheidener, unbegreiflicher Wunsch? «An sich» sicher kein übertriebener Gedanke – nur in Anbetracht der Jahre, die ich schon auf dem Buckel habe…? Ja, bleibe nur auf dem Boden, nimm es vorzue und sei glücklich, dass Du diesen Frühlingstag noch so geniessen darfst…

Dieser Frühling, der auf sich warten liess und dann plötzlich explodiert, so dass man nicht nachkommt mit Schauen und Riechen und Schauen, dieser Frühling mit seinen Wärmetagen, mit Regengüssen, Hochwasser und dessen Auswirkungen. Da treten dann, mindestens eine Zeitlang, die persönlichen Wünsche in den Hintergrund. Da wünschen wir uns vor allem, dass keine Menschen und Tiere zu Schaden kommen, das Wasser zurückgeht, dass Schäden sich in Grenzen halten.

Doch, so wie der Mensch halt ist, werden bald die eigenen Bedürfnisse und Wünsche wieder in den Vordergrund treten.

Els Morf