Rund um die Kirche

Es liegt ein besonderes Jahr hinter uns. Ein Jahr das uns ungefragt mit einem Jubiläum bescherte: «350 Jahre Pfarrunion». Das heisst: Vor 350 Jahren wurde beschlossen, für beide Gemeinden, Thalheim und Altikon, ein gemeinsames Pfarramt zu errichten.

Dieses Jubiläum, auf das wir im Verlaufe des Jahres, mit einer ganzen Reihe von kirchlichen Veranstaltungen eingegangen sind, zeigte uns wieder einmal, wie tief unsere Kirchgemeinden in der Vergangenheit verwurzelt sind, und wie stark sie die Geschichte unserer Dörfer und das Zusammenleben unserer Ortsgemeinschaften mitprägten.

Hochstrebende Ideen

Vor bald zwei Jahren haben wir in den Kirchenpflegen von Thalheim und Altikon überlegt, wie dieses Jubiläum gebührend gefeiert werden könnte. An Ideen hat es nicht gefehlt: Der Bau eines Aussichtsturmes spukte durch unsere Köpfe. Er sollte auf einer Anhöhe zwischen Altikon und Thalheim aufgebaut werden, einen Standort, von dem mit wunderbarem Ausblick auf die beiden Gemeinden, Tal auf und Tal ab, hatten wir schon im Auge. Neben dem Turm sollte ein Festzelt mit Festwirtschaft aufgebaut, und rundum attraktive Programme angeboten werden: Kinderfest, Musikprogramm, Festgottesdienst, Postenlauf und Rösslifahrten zwischen den beiden Gemeinden und noch einiges mehr.

Wir sahen jedoch bald, dass unsere Ideen zu weit in den Himmel wuchsen und dass wir uns diesen Aufwand gar nicht leisten könnten.

Mit reduziertem Aufwand ein gelungenes Jubiläum

Von all den grossen Plänen abzurücken, zurückbuchstabieren, und die Festivitäten auf ein erträgliches Mass zu reduzieren, kostete dann doch etwas Kopfzerbrechen. Aber ich denke es ist uns recht gut gelungen.

Nun ist dieses Jubiläumsjahr bereits wieder zu Ende und wir können auf eine ganze Reihe gelungene Anlässe zurückblicken. Ohne allezusehr ins Detail zu gehen, seien hier einige erwähnt:

Wer den Kirchenboten liest, ist im Laufe des Jahres sicher hin und wieder an der Rubrik «Damals in alter Zeit» hängen geblieben.

«Die Gelben Seiten»

Alle 14 Tage waren auf der gelben Seite mit unseren Thalheimer und Altiker-Mitteilungen, kurze Geschichten zu lesen, die illustrieren, wie das früher zu und her ging mit unseren Pfarrherren, die seit 350 Jahren in Altikon und in Dorlikon ihr Amt wahrnahmen. Ausgesucht und zusammengestellt wurden diese Geschichten von einer kleinen Arbeitsgruppe.

«Macht vor dem Herrn einen fröhlichen Lärm»

Ein Höhepunkt in der Reihe der Jubiläumsanlässe war der Festgottesdienst am Bettag, in der – bis zum letzten Platz besetzten Altiker-Kirche. Der Gottesdienst stand unter dem Motto: «Macht vor dem Herrn einen fröhlichen Lärm». Und dies ist tatsächlich gelungen. Ein bunt gemischter ad-hoc Gospelchor mit Sängerinnen und Sängern aus Thalheim und Altikon haben, mit Unterstützung einiger Musiker und einem Profi-Sänger, einen fulminanten musikalischen Rahmen geboten für diesen Gottesdienst.

Nach den Begrüssungsworten durch die neue Kirchgemeindepräsidentin aus Altikon und des Kirchenpräsidenten Thalheims, führten Pfr. Daniel Morand, und unser Ehrengast, Kirchenratspräsident Pfr. Ruedi Reich durch den Gottesdienst.

Pfr. Ruedi Reich ging in seiner Festpredigt auf die Bedeutung von guten Beziehungen zwischen Menschen ein, das friedvolle Zusammenleben in Völkergemeinschaften und auf die solidarische Verantwortung «füreinander» in Freud und in Leid.

Applaus in der Kirche

Zum Abschluss des Gottesdienstes spendete die Festgemeinde dem Gospelchor und allen, die zum Gelingen beitrugen, einen begeisterten Applaus. Nach dem Gottesdienst standen zwei Postautos bereit, welche die Festgemeinde zu einem Aussichtspunkt oberhalb den Rebbergen nach Oberneunforn führten. Dort waren alle zu einem Apéro eingeladen. Wir freuten uns am schönen Wetter und alle genossen die prächtige Aussicht auf das Thurtal und auf unsere beiden Dörfer. Der dritte Teil und Abschluss dieses Festtages war dann, nach der Weiterfahrt mit den Postautos, das grosse von unserer Kirchgemeinde spendierte Spaghetti-Essen auf dem Platz hinter der Turnhalle in Thalheim. Teilgenommen haben mehr als 150 Personen.

Aktionen für die Kinder

An diesem Festgottesdienst am Bettag gab es auch noch einige Begleitaktivitäten für die Kinder, Päckli-Fischen und Ponyreiten und auch ein Quiz für die Erwachsenen, mit Fragen rund um unsere Kirchgemeinden. – Auf einige dieser Fragen und Anworten möchte ich hier eingehen, weil sie doch auf einige erstaunliche Fakten hinweisen: – Die Pfarrunion mit Altikon besteht seit 1648. Was denken Sie, wieviele Pfarrer waren während diesen 350 Jahren im Amt ? – Es waren 21. Und seit Anfang dieses Jahrhunderts bis heute waren es fünf.

  • Pfr. Karl Wartmann war 37 Jahre,
  • Pfr. Herbert Blum 8 Jahre,
  • Pfr. Robert Hanselmann war 35 Jahre,
  • Pfr. Karl Hasler 12 Jahre im Amt,
  • Pfr. Daniel Morand ist seit 4 1/2 Jahren bei uns, seit 1994.

Und – wie hoch schätzen Sie die Zahl der Konfirmandinnen und Konfirmanden die in den vergangenen hundert Jahren in Thalheim und Altikon konfirmiert wurden? – Es wurden insgesamt 1’510 Konfirmandinnen und Konfirmanden konfirmiert.

Zahlen und Fakten

Nun noch einige Zahlen zum vergangenen Jahr: Was meinen Sie, wie oft kirchlich geheiratet wurde und wie viele Taufen und wie viele Trauergottesdienste in diesem Jahr stattfanden? Kirchlich getraut wurden in diesem Jahr 6 Paare, und zwar alle 6 in Altikon – keines in Thalheim. Getauft wurden in diesem Jahr 26 Kinder, 11 in Altikon und 15 in Thalheim. Daneben hatten wir in beiden Gemeinden je 2 Trauergottesdienste.

Was hier an Zahlen vielleicht auch noch interessant ist: In Altikon wohnen insgesamt 494 reformierte Kinder und Erwachsene, in Thalheim sind es 498 (Angaben von Mitte September 1998).

Verschiedene Gottesdienstformen

Nun, Sie haben inzwischen vielleicht gemerkt, dass das, was ich ihnen bis hierher erzählt habe, zwar ziemlich viel mit unserer Kirchgemeinde zu tun hat, dass ich aber über unsere Tätigkeit in diesem Jahr noch nicht viel berichtet habe. Ich will deshalb noch auf einige andere Aspekte eingehen, denn die Arbeit der Kirchenpflege dreht sich nicht nur um Zahlen, Festtage und Jubiläumsfeiern.

Hier z.B. die verschiedenen Gottesdienstformen, die bei uns im Laufe des Jahres durchgeführt wurden.

Reguläre Gottesdienste in der Kirche, Familiengottesdienste, Gemeindeausflug am Auffahrtstag, Taufgottesdienste, Erntedankgottesdienst, Trauergottesdienst, Jugendgottesdienste, musikalisches Abendgebet, Gemeinsamer Singgottesdienst, Gottesdienste mit Abendmahl an Kirchlichen Feiertagen.

Planung durch «Vollprofis»

Wie Sie sich denken können, müssen alle diese Gottesdienste geplant und rechtzeitig ausgeschrieben werden, und sie müssen bis ins Detail vorbereitet und möglichst ansprechend durchgeführt werden.

Natürlich bestreitet unser «Vollprofi»- Pfarrer Daniel Morand den grössten Teil der Arbeit. Im Einsatz ist oft auch seine Frau Susanne Morand, sei es nun mit Geschichten, die sie im Rahmen der Gottesdienste vorträgt, mit ihrem Flötenspiel oder anderen unterstützenden Hilfeleistungen.

Die Sigristin ist für die Dekoration, die Heizung zuständig und die Organistin oder der Organist für die musikalische Begleitung. Die Kirchenpflege tritt in diesem Bereich nur selten ins Rampenlicht, z.B. wenn sie bei der Austeilung des Abendmahls mithilft, oder wenn jemand einen Text liest, oder ein Grusswort an die Gemeinde richtet.

Neben den Gottesdiensten gibt es auch noch eine andere Art von Angeboten:

Elternabende, Frauenzmorge, Frauennachmittage, Altersnachmittage, Altersausflug, Bibelabende, Mittagstische, Besuch des Freilichtspieles «No e Wiili» in Stein am Rhein, Konzerte in der Kirche, Kerzenziehen usw.

Aktiv auch ausserhalb der Kirche

Ein beachtlicher Teil unserer Veranstaltungen finden nicht in der Kirche statt. Sie dienen der Begegnung, der Unterhaltung, der Beziehungspflege und der Weiterbildung. Auch diese Angebote müssen geplant und ausgeschrieben werden, verlangen Vorbereitungszeit und den Einsatz von Pfarrer und Kirchenpflege und Unterstützung von einer ganzen Reihe weiterer Personen die im Hintergrund mitwirken. Auch auf diesen Personenkreis sei hingewiesen:

Pfarrer und Pfarrfrau, Sonntagschullehrerinnen, Katechetin, die Mitglieder der Kirchenpflege, Organisten, ad hoc zugezogene Musiker, Referentinnen und Referenten, freiwillige Helferinnen und Helfer die am Rande von Veranstaltungen mithelfen, Chauffeure, die Transporte übernehmen, Frauen die Kuchen backen oder spontan beim Aufräumen und Abwaschen mithelfen.

Dank an alle Helfer

Sie sehen, es sind nicht wenige, die mitwirken. Es sind einige professionelle dabei, aber fast ebenso viele leisten freiwillige, unbezahlt Arbeit. Immer wieder finden wir Frauen und Männer die bereit sind, bei Vorbereitungen und beim Gestalten von Anlässen, aktiv mitzuhelfen. Sei dies nun, indem jemand einen Kuchen beisteuert, einen Transport oder ein Taxidienst übernimmt – oder dass ganz konkret Hand anlegt wird beim Einrichten eines Festplatzes, beim dekorieren oder beim Abwaschen und Aufräumen.

Allen die da und dort mit Hand anlegen, sei einmal ganz offiziell gedankt. Ohne ihre Mithilfe wäre vieles gar nicht möglich.

Angebote für Kinder und Jugendliche

Zum Abschluss sei auf die Angebote in der Kinder- und Jugendarbeit hingewiesen: Sonntagschule, Schlitteltag der Sonntagschulen, Dominotreff, Konfirmation am 14. Juni, Konfirmandenreise nach Mailand, Konfirmanden-Tag im Bezirk Andelfingen, Sonntagschulweihnacht, Treffen ehemaliger Konfirmanden, Spieltag der Sonntagschule usw.

Mit unserem Engagement für Kinder und Jugendliche versuchen wir die Beziehung zu unseren christlichen Grundlagen und Traditionen zu vermitteln. Dabei geht es nicht nur um den Unterricht, sondern auch um die altergemässe Bearbeitung von Lebensfragen, aber auch um den Ausdruck von Lebensfreude, und das sinnvolle Gestalten von Freizeit, des Zusammenlebens unter Gleichaltrigen, aber auch die Pflege der Beziehungen zwischen Jung und Alt. Auch in die Jugendarbeit wird viel Zeit und Kraft investiert. Natürlich gelingt nicht immer alles optimal, aber wir sind immer wieder bestrebt, unsere Angebote weiterzuentwickeln und da und dort etwas Neues zu wagen.

Unsere Kirchenpflege

Nun möchte ich noch kurz auf die neue Zusammensetzung der Kirchenpflege eingehen. Nach dem Abschied von Hermine Wüst im Herbst 1997 und dem Rücktritt von Christine Schleuss auf Ende der Amtszeit, im Frühjahr 1998, haben sich nach der Wahl im Frühling, drei bisherige und zwei neue Kirchenpflegemitglieder zusammengefunden und wir haben uns in dieser Zusammensetzung schon recht gut eingearbeitet. Die Aufgaben haben wir folgendermassen verteilt:

  • Barbara Keller, Mission, Musik, Erwachsenenbildung
  • Christina Bär, Sonntagschule und Unterrichtsfragen, Veranstaltungen, Altersarbeit
  • Corinne Kübler, Aktuariat, Öffentlichkeitsarbeit
  • Eugen Morf, Gutsverwaltung, Mobiliar und baulicher Unterhalt, Vizepräsident
  • Walter Jordi, Präsident

Ablösung durch fünf Neue

Noch ein Seitenblick nach Altikon: Es wurden alle 5 Sitze der Kirchenpflege neu besetzt. Die Ablösung hat zwar nach einigem «hin und her» gut funktioniert, aber der Wechsel hat doch seinen Preis. Wir haben mit den Zurückgetretenen ein gut eingespieltes Team verloren, mit dem wir sehr gut und partnerschaftlich zusammengearbeitet haben, und nun sind wir daran, die neuen Partner aus Altikon kennen zu lernen und uns neu aufeinander einzuspielen. Mit dem Festgottesdienst und Jubiläumsfest haben wir zwar schon erste organisatorische Erfolgserlebnisse hinter uns. Aber trotzdem, es kostet einiges, bis man sich wieder kennt und bis die Absprachen und die Zusammenarbeit wieder rund laufen.

Gedanken zur Zukunft

Abschliessend noch einige Gedanken zur Zukunft: Die Kirchgemeinde ist zwar in der Tradition verbunden. Sie ist historisch gewachsen und ist tief in unserer Geschichte verwurzelt. – Aber lebendig bleiben wird die Kirche wohl kaum, wenn sie sich nicht immer wieder neu bestätigt und in der Lage bleibt sich auch in der heutigen Zeit weiter zu entwickeln, sich zu verändern und zu erneuern.

Eine Neuerung, die wir 1999 vor haben, ist die Umgestaltung des Platzes auf der Südseite der Kirche. Wir möchten (wie sie im Zusammenhang mit dem Budget 99 schon gehört haben) den Platz neu gestalten; so, dass er z.B. nach einem Gottesdienst zum Bleiben einlädt und vor allem auch bei grösseren Anlässen, wie Taufgottesdiensten, Konfirmationen und kirchlichen Feiertagen besser genutzt werden kann.

Die Planung und den Kostenvoranschlag werden wir ihnen im Frühjahr vorlegen und, wenn Sie dem Vorhaben zustimmen, kann dieses Projekt vielleicht schon im nächsten Jahr realisiert werden.

Grosszügige Gemeinde

Ermöglicht wird diese Umgestaltung durch das grosszügige Entgegenkommen der politischen Gemeinde, der Überschreibung des Grundstückes in den Besitz der Kirchgemeinde und die Zusicherung eines finanziellen Beitrages. Dem Gemeinderat möchte ich für dieses Entgegenkommen im Namen der Kirchgemeinde bestens danken.

Gedankt sei aber auch dem Team auf der Gemeindekanzlei. Sie sind sowohl dem Pfarrer wie auch unserer Behörde gegenüber immer sehr kooperativ und hilfsbereit.

Ehrlich gesagt, wenn es sich um bauliche Massnahmen handelt, sind Erneuerungen relativ einfach zu realisierten – sofern man sie finanzieren kann. Aber als Kirche in der heutigen Zeit glaubhaft, traditionsverbunden und doch zeitgemäss innovativ zu sein, als Dorfkirche den Platz in unserer Gesellschaft zu behaupten, und von Jung und Alt ernst genommen und gehört zu werden, ist schon etwas schwieriger. Und trotzdem, wir werden als Kirchenpflege, zusammen mit dem Pfarrer und allen denen, welchen eine lebendige Kirche ein Anliegen ist, weiter am Ball bleiben und versuchen das kirchlich Leben – so gut wir können und zu Gunsten der Gemeinde, zu Gunsten unserer Nachkommen sinnvoll, innovativ und lebendig zu gestalten.

Walter Jordi

Der Jahresbericht 1998 wurde an der Kirchgemeindeversammlung am 11. Dezember 1998 vom Präsidenten verlesen. Er wird hier in leicht gekürzter Form wiedergegeben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.