Reise des gemischten Chores ins Waadtland

Eine muntere, reiselustige Schar von 32 Personen besteigt am vierten Juli den 7.26-Zug. In Winterthur steigt noch unsere Lilli zu, in Zürich unser Dirigent Thomas Gutermann. Bald zieht feiner Kaffeeduft durch den Wagen, – das Servierwägeli ist unterwegs! Auch Gipfeli fehlen nicht. Der Servierboy wird dermassen bestürmt, dass er von den letzteren Nachschub holen muss.

Unterdessen rollen wir Bern zu. Allmählich lassen wir die Industriebauten, die vor allem die Bahnlinie um Zürich säumen, zurück. Die Landschaft wird offener. Ab Bern stellt unser Kondukteur die Sprache um. Er ruft die Informationen in französischer Sprache aus. Fribourg! Wir müssen auf einen Lokalzug umsteigen, der uns Richtung Grandvaux durch die heimelige fribourgische Landschaft entführt. Wir bewundern die schönen Bauernhäuser mit dem herrlichen Blumenschmuck, wo man nur hinschaut. Unterdessen zeigt die Uhr 11.40. Wir sind am Ziel und freuen uns auf das Mittagessen. Das Rest. Bahnhof liegt unweit der Bahnlinie Lausanne Visp.

Aussicht auf den Genfersee …

Wir haben prächtige Aussicht auf den Genfersee. Die Wirtin, eine Elsässerin bekocht uns ausgezeichnet. Die Eglifilets schmecken und an den Salzkartoffeln, die in einem Spezialschüsseli gereicht werden, fehlt es nicht an Butter. Zur abgemachten Zeit trifft die Nichte von Rösi Graber ein. Sie führt zusammen mit ihrem Mann, das Schülerheim Victoria in Chexbres. Per Bus werden die weniger Geländegängigen und unser Gepäck von ihr an den Bestimmungsort gebracht. Wir andern nehmen den Weg unter die Füsse. Hätten die einen gewusst, was ihnen bevorsteht! Auf einer schön geteerten Strasse geht es hinauf, aber es geht auch ebenso steil wieder hinunter… dann wieder hinauf. Vreni Roduner gibt schon fast den Geist auf bei deren Anblick. Aber sie ist tapfer und wehrt sich. Dicht an dicht stehen die Rebstöcke. Es ist eine Augenweide. In Riex-Epesse löschen wir den Durst in einer Gartenwirtschaft. Eine winkende und hupende Hochzeitsgesellschaft in Privatautos lässt uns eine ganze Zeit die Strasse nicht überqueren. Wie viele mochten es wohl gewesen sein? Noch steht uns eine Stunde Wanderung bevor, – und wieder geht es tüchtig bergauf. Es wird warm und wärmer. Zwei Sänger haken Vreni Roduner in der Schlussetappe unter und Erich Oberholzer ruft oben ganz begeistert: Schaut einmal wie frisch Vreni noch wirkt, obwohl sie zwei Sänger mitgeschleppt hat!

Aussicht von Victoria

Bald erreichen wir das Schülerheim Victoria. Ein herrlicher kalter Tee wird uns im Garten serviert. Majestätische alte Bäume säumen den grossen Rasen. Dann ist Zimmerbezug. Alles ist sehr sauber und freundlich. Hübsche Blumengestecke, gelbe Rosen mit blauem Lavendel und Servietten in denselben Farben schaffen eine festliche Atmosphäre im Speisesaal; später wird gesungen, alles was einigermassen auswendig geht. Im Raum nebenan steht ein Fernseher. Begreiflich, dass sich dort immer welche nach dem neuesten Spielstand der Fussball WM, im Moment Deutschland–Brasilien orientieren. Gut ausgeruht geniessen wir am Morgen das vielseitige Buffet. Dann nehmen wir Abschied und steigen durch die Rebberge hinunter zur Schiffstation Rivaz. Abfahrt ist nun 9.41 via Montreux auf die andere Seite des Genfersees nach Bouveret. Am Rande des Seehafens von le Bouveret liegt der «Swiss Vapeur Park». Inmitten einer 12 000 m2 grossen, gepflegten Parkanlage laden Dutzende von Modellbahnen mit den verschiedensten Lokomotiven zum Mitfahren ein. Die gesamte Schienenlänge beträgt 1500 Meter. Dazwischen stehen viele naturgetreu nachgebildete Gebäude der Schweiz, unter anderem alte Bahnhöfe, das Kirchlein von Saanen (mit allen Details inwendig) usw. Heiri Ehrensberger ist ganz begeistert von seiner Lokifahrt. Wer lässt sich nicht gern in die Jugendzeit entführen!

Aussicht auf … äh …!

Um 14.30 Uhr besteigen wir das Retour-Schiff nach Montreux. Viele Segelschiffe bevölkern den See. In einiger Entfernung gleitet ein viereckiges, flossähnliches Gummiboot, bevölkert mit einer Gruppe fröhlich winkender jungen Leute vorbei. Wie das Boot beinahe vorüber ist, bückt sich ein besonders Übermütiger, zieht seine Badehose runter und verabschiedet sich mit seinem uns zugekehrten «Allerwertesten».

Aussicht auf dem Weg nach Spiez

In Montreux angekommen steigen wir gemütlich zur Montreux-Oberlandbahnstation auf. Bei herrlichem Sonnenschein geniessen wir die schöne Aussicht auf der Fahrt nach Zweisimmen. Ab Spiez sind wir – man höre und staune –, mit dem Männerchor Altikon im selben Wagen. Diese verbrachten drei Tage in Montreux und Umgebung. Die dreistündige Heimfahrt wird zu einer Trockenübung. Des grossen Reiseandranges wegen, wurden zwei zusätzliche Wagen angehängt. Der Umstand, dass sich zwischen den angehängten Wagen und dem übrigen Zug die Lokomotive befindet, verhindert dem Servierwägeli ein Durchkommen. Wie dem auch sei – vertrocknet ist jedenfalls niemand auf der Heimreise!

Den Organisatoren dieser einmalig schönen Reise, Rösi Graber und Jack Kübler, danken wir herzlich für ihre Mühe.

Erika Zeller

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