Interview: Tierliebhaberin Marianne Ribotzki, Thalheim

Marianne Ribotzki zog vor einem Jahr neu in u0nsere Gemeinde, nachdem sich für sie und ihren Freund hier eine Möglichkeit ergab, mit ihren vielen Tieren auf dem Land zu wohnen. Die frühere Wohnung in Winterthur wurde langsam zu klein. Noch waren es zwar nicht ganz so viele Haustiere wie jetzt in Thalheim, doch auch nur ein paar davon reichen, um eine grössere Wohnung suchen zu müssen. Lassen wir also meine Interviewpartnerin mal erzählen, welche Tiere zu ihrem Haushalt gehören:

Es sind einige, also: acht Katzen, fünf Geissen, drei Schildkröten, eine Anzahl Hasen, Meerschweinchen, Vögel, Ratten, weisse Mäuse, Gespenstheuschrecken, Fische, Zuchtschnecken, Erdnattern (Schlangen), und eine Taube.

Katzen und Ratten? Ist das nicht etwas gefährlich?

Nein, die vertragen sich sehr gut.

Aber jedes Kind lernt, dass eine Katze Mäuse frisst. Wie geht das?

Wirklich, die Tiere sind ohne Probleme zusammen haltbar. Die Ratten springen den Katzen – sollten die mal zu nahe kommen – sofort ins Gesicht und kratzen diese mit ihren scharfen Krallen. Die Katzen erschrecken so sehr, dass sie den nötigen Respekt erhalten. Bis jetzt ist noch nie etwas passiert.

Sie haben mir erzählt, dass sie eine Vollzeitstelle als Gärtnerin und zudem noch einen weiten Arbeitsweg haben. Wie lässt sich das mit den vielen Tieren vereinbaren?

Jetzt im Winter ist es immer schon dunkel, wenn ich nach Hause komme, und am Morgen stehe ich für meine Tiere sehr früh auf. Es ist streng, doch macht es mir sehr Spass. Am Abend gilt meine erste Handlung zu Hause der Tierfütterung, das dauert schon eine Weile. Ich mache das übrigens alles alleine. Mein Freund ist (zwangsläufig) auch Tierliebhaber, doch die Fütterung geht in mein Ressort. Ich habe für meine Tiere die Verantwortung übernommen, also muss ich da auch durch. Entweder man hat Tiere und schaut zu ihnen, oder man lässt es lieber bleiben. An dieser Stelle möchte ich auch meinen Nachbarn Gusti und Els Morf ein herzliches Dankeschön aussprechen. Sie sind immer zur Stelle, wenn in meiner Abwesenheit vielleicht mal die Hasen aus dem Gehege ausbrechen oder irgend etwas anderes dazwischen kommt.

«Ich habe nicht das Bedürfnis nach Ferien»

Können Sie sich Ferien leisten?

Nein, richtige Ferien nicht, ich habe auch gar nicht das Bedürfnis für Ferien. Für mich sind meine Tiere Ferien. Ich habe es hier so schön und mehr als zwei Tage kann ich wirklich nicht wegbleiben. Man kann auch niemandem zumuten, die ganze Schar für längere Zeit zu versorgen.

(Hoppla, da wirft eine Katze mein Tonband um, eine andere hat inzwischen auf meinem Schoss Platz genommen.)

Werfen Sie ihn runter, wenn er stört. Das ist eben der Nachteil, man kann selten in Ruhe miteinander reden. Die Tiere funken oft dazwischen.

Woher kommt dieses enorme Herz für Tiere? Sind Sie mit Tieren aufgewachsen?

Ja, meine Eltern liessen mir immer grosse Freiheiten was Tiere anbelangt. Schon als Kind schleppte ich jede Menge Schnecken und Käfer nach Hause.

Wie kamen Sie schliesslich zu so vielen verschiedenen Tieren?

Alle meine Tiere habe ich erhalten. Es sind Tiere, die entweder ausgesetzt oder beim alten Halter keinen Platz mehr hatten. Meine Tierliebe hat sich dann herumgesprochen und so sind es eben immer mehr geworden. Jedesmal tun mir die Tiere leid und so denke ich eben, eines mehr oder weniger komme auch nicht mehr darauf an. Ich möchte aber betonen, dass ich wirklich kein Zoo sein will. Ich lebe für meine Tiere und will ihnen ein gutes Plätzli bieten. Ich schätze es jedoch nicht, wenn Leute bei mir ständig die verschiedenen Tiere bestaunen wollen. Vor allem auch am Wochenende geniesse ich die Zeit sehr, wenn ich schon mal nicht auswärts arbeiten muss.

Was halten Sie von Menschen, die ihre Tiere auf solche Art loswerden wollen und sie Ihnen – wie Sie mir erzählten – auch einfach in einer Kiste vor die Haustüre stellten?

Wer ein Tier einfach aussetzt, also das finde ich schrecklich. Ein besseres Plätzchen suchen, kann ich noch akzeptieren, aber in erster Linie sollte man sich das eben überlegen bevor man ein Haustier anschafft.

Ich nehme an, Sie könnten sich ein Leben ohne Tiere nicht vorstellen?

Nein, das wäre für mich unvorstellbar, es würde mir etwas fehlen.

Die Schildkröte ist ghebig und gmögig

Haben Sie ein Lieblingstier?

Ja, die Schildkröte. Sie ist sehr ghebig und gmögig, hat ein so herziges Gesicht und kann stundenlang in der Sonne höckeln und es geniessen. Ein wahrer Genuss, diesem Tier zuzuschauen!

Haben Sie den Tieren Namen gegeben?

Ja, alle ausser die Hasen und Meerschweinchen haben einen Namen.

Sie sind also wegen Ihrer vielen Tiere aufs Land gezogen und haben unter anderem auch einen weiteren Arbeitsweg in Kauf genommen. Hat es sich gelohnt?

Auf jeden Fall. Die Leute sind so herzlich und ich fühle mich sehr wohl. Ich möchte mich bei Frau Helfer bedanken, dass sie mir die Möglichkeit gab, mit meinen Tieren dieses Haus zu mieten. Das einzige, was mich stört, ist, dass die Kühe keine Glocken tragen. Eine richtige Kuh sollte auch eine grosse Glocke um den Hals gehängt kriegen. Das würde mir gefallen.

Frau Ribotzki, Sie stellen in unserer Gemeinde sicher den Haustier-Rekord. Es war interessant, über Ihre ungewöhnliche Haushaltung etwas zu erfahren und ich möchte mich für dieses Gespräch herzlich bedanken.

Marlies Schwarz

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