SBB: Der Bahnhof schliesst

Vor 123 Jahren konnte zum ersten mal am Bahnhof Thalheim-Altikon ein Billet gekauft werden. In diesem Jahr wurde unsere «Etzwilerlinie» eröffnet. Die Gemeinden Dorlikon und Altikon kauften fleissig Bahnaktien. Nach dem Konkurs der damaligen Betreiberin, der Schweiz. Nationalbahn, musste viel Geld abgeschrieben werden. Auch 1998, Kursschwankungen machen vielen Aktionären schlaflose Nächte. Die neue Bahn bescherte der Gemeinde Dorlikon einen neuen Namen. Thalheim liest sich viel besser im Fahrplan. Die Bahnhöfe waren wichtige Knoten für die Mobilität der Leute und den Güterumschlag. All die landwirtschaftlichen Güter wurden zum Bahnhof gebracht und mit Güterzügen weiter transportiert. Die einzige Konkurrenz waren die Pferdegespanne. Wo gearbeitet wird, gibt es Durst, und so steht meist ein «Bahnhöfli» gleich nebenan. Nicht nur zum Verköstigen von Beamten, wie vielleicht angenommen werden kann. Ein «Reisli» mit dem Zug war noch ein Erlebnis. Die Bahn verband die Dörfer und Städte der Schweiz. Heute werden wir durch die Verkehrsströme wieder getrennt. Schallschutzmauern durchziehen unser Land – wie früher die Mauer Berlin trennte.

1998 nun klingelt das letzte Glöcklein für die mit Bahnpersonal besetzte Station. Umgewandelt in eine nicht besetzte, ein Stück Nostalgie wird verloren gehen. Automaten werden die Funktionen von Menschen übernehmen. Persönlicher Kontakt wird durch Blech ersetzt. Ich werde nun in die Chroniken als letzter Stationsvorstand eingehen. Ausgemustert werde ich nun aber nicht, ich kann eine ähnliche Tätigkeit als Vorstand in Ossingen übernehmen.

Die grosse Anziehungskraft des schönen Weinlands

Seit 1989 arbeite ich hier am Bahnhof. Blieb als junger Beamter im schönen Wyland hängen. Mir gefiel die Arbeit so mitten auf dem Lande. Die Umstellungen waren enorm, Computer, alle Jahre neue Konzepte, Umstruktuierungen. Die Eisenbahnräder drehen sich immer schneller. Aber wir dürfen und wollen die Entwicklungen nicht verschlafen, es geht ums überleben. Bei diversen Abstimmungen hat das Schweizervolk klar Ja zum öffentlichen Verkehr gesagt. Wir können stolz auf diesen sein, erst ist der beste in der Welt. Wir sollten in aber auch benutzen.

Abschied

Beste Dank alle Bahnkunde, die min kline Bahnhof obe am Bärgli gfunde gha händ. Mini Kollege i de andere Bahnhöf werde öi i de Zuäkunft gärn bediene.

Paul Probst, Alt-Stationsvorstand

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