Nachgedacht: «Farbige Kleider machen Leute…»

Die Ferien sind vorbei, das neue Schuljahr hat angefangen. Die Kindergartenkinder nehmen ihren Schulweg schon selbständig, ohne Begleitung ihrer Mütter unter die Füsse. Die Erstklässler machen sich auch beizeiten auf den Weg. Es ist eine fröhliche, bunt gekleidete Schar. Auch bei Regenwetter wetteifern bunte Schirme und Pelerinen, Regenjacken in allen Farben.

Wenn ich an die schwarzen Lodenpelerinen denke, welche wir, und auch noch unsere Kinder anziehen mussten, auch die Schirme waren schwarz… Mädchen, die in Hosen zur Schule gingen – undenkbar. Höchstens Skihosen im Winter waren erlaubt und die waren alle dunkelblau. In der Oberstufe gab es die Diskussionen um die Schürzen. Die Argumente dagegen tönten etwa überall ähnlich: «Die andere (es folgten Namen) müend au käi Schooss me aalege für i d Schuel.» Dann, später, die «Geständnisse», die Schürzen seien irgendwann auf dem Schulweg auf den Packträger verbrannt worden.

Nicht nur die Mädchen, auch die Buben und die Männer tragen Liibli, äxgüsi T–Shirts in allen Farben. Sogar die alten Leute kommen nicht mehr wie graue Mäuse daher. Das kommt auch uns Grossmüttern zu gut. Ich «darf» auch in meinem Alter noch eine grüne, rote oder gemusterte Windjacke tragen; ich darf mich an schönen Farben freuen.

Eine Altersklasse allerdings scheint nichts von farbiger Kleidung zu halten. Ihre Lieblingsfarbe ist schwarz. Von Hamburg, Lübeck, durch ganz Europa bis hinunter nach Lecce, Salerno sind sie anzutreffen: Jugendliche zwischen 15 und 25, die meisten von ihnen tragen schwarze T–Shirts, schwarze Jacken. Schwarz – Farbe der Eleganz – auch Farbe der Trauer. Steckt ein Modediktat oder eine besondere Philosophie (Filosofie) dahinter? Eine Manifestation unserer Zeit, der düsteren Zukunft? Das gibt mir zu denken.

Els Morf

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